Das hat Gerhard Pfister doch noch sauber hinbekommen. Schon seit Monaten wurde darüber spekuliert, ob der Zuger CVP-Nationalrat der neue Präsident seiner Partei werden will. Immer wieder wurde sein Name genannt. Doch Pfister hat fast alle genarrt. Zuerst liess er im vergangenen März ausrichten, dass er eine Kandidatur ausschliesse. Er kenne seine Grenzen und Fähigkeiten, sagte er dem «Tages-Anzeiger». Dann kursierte sein Name im Spätherbst erneut, Pfister schwieg vieldeutig und das Rätselraten begann wieder.

Jetzt also doch. An der Dreikönigskonferenz der Zuger Kantonalpartei gab Pfister gestern seine Kandidatur bekannt. Die Schweiz könne nur dann erfolgreich bleiben, wenn es auch eine starke christdemokratische Partei gebe, sagte er vor den Medien. Die CVP versteht der 53-Jährige als Partei, die sich den abendländischen Werten verschreibt und diese hochhält.

«Ich bin ein konservativer Politiker»: Gerhard Pfister will CVP-Präsident werden.

Zug - 6.1.15 - Der Zuger CVP-Nationalrat Gerhard Pfister will Nachfolger von Christophe Darbellay werden. Die CVP des Kantons Zug hat ihn für die Wahl im kommenden April nominiert. Gerhard Pfister politisiert am rechten Flügel der CVP, gilt als wirtschaftsliberal und Hardliner in der Asylpolitik. Im Interview erklärt er, ob er die CVP bei einer Wahl ebenfalls nach rechts steuern würde.

Traditionell geprägt

Dass es ihm ernst ist mit seiner Kandidatur, machte Pfister mit einem Versprechen deutlich: Beruflich habe er sich so ausgerichtet, dass seine «Präsenz vor Ort» nicht mehr nötig sei. Und einige Mandate wolle er im Falle seiner Wahl abgeben. Pfister ist Lehrer für Deutsch und Philosophie, bis 2012 führte er eine eigene Privatschule.

Bis 2008 stand er während zehn Jahren an der Spitze der Zuger CVP. In dieser Zeit habe er der Kantonalpartei aus ihrer Krise geholfen, sagte der amtierende Parteichef Martin Pfister. Und Gerhard Pfister selbst betonte: «Dank einer klareren Positionierung kann die Partei wieder Wahlerfolge feiern.» Diesen Erfolg möchte er mit der Mutterpartei wiederholen.

Tatsächlich wird es nicht einfach sein, die Partei aus ihrem Tief zu führen. Die Christdemokraten schwächeln seit Jahren, Wahlsiege sind spärlich geworden. Auch dem abtretenden Präsidenten Christophe Darbellay ist es nicht gelungen, dies zu ändern. Das weiss auch Gerhard Pfister. Die Trendwende sei äusserst anspruchsvoll, sagte er. «Das wird nicht eine Sache von Monaten, sondern von Jahren.» 

Steigen auch Candinas und Bischof ins Rennen?

Noch ist unklar, ob sich neben Gerhard Pfister weitere Politiker für das CVP-Präsidium bewerben. Als heisser Anwärter gilt der Bündner Nationalrat Martin Candinas. Auf Anfrage sagt der 35-Jährige, er habe sich noch nicht entschieden. Seinen Entscheid werde er aber «spätestens Ende Januar» fällen, zumal er dazu ja ohnehin noch bis Mitte Februar Zeit habe.
Als möglicher Kandidat gilt auch der Solothurner Ständerat Pirmin Bischof. Der 56-Jährige will ebenfalls erst in wenigen Tagen über eine mögliche Kandidatur orientieren; er weilt derzeit in den Ferien. In Parteikreisen gilt es jedoch als wahrscheinlicher, dass sich Bischof für den Bundesratssitz bewirbt, der noch in dieser Legislatur frei werden könnte, falls Doris Leuthard vorzeitig zurücktritt. (dbü/sva)

Nach den Wahlen agiert die CVP kaum mehr als Mehrheitsbeschafferin im Parlament, ihre Rolle als «Zünglein an der Waage» hat sie verloren. Allzu schlimm ist dieser Verlust in den Augen von Pfister aber nicht: «Es braucht keine Neupositionierung der Partei.» Vielmehr müsse die CVP genau erklären, wohin sie wolle.

Und genau das ist es, was manche Christdemokraten nervös werden lässt. Was meint Pfister, wenn er mehr Eigenständigkeit fordert? Wird eine Mitte-Allianz so unmöglich? Will er die Partei auf einen rechtskonservativen Kurs führen?

Schliesslich gilt Pfister als rechtester Parlamentarier der CVP-Fraktion. Der Zuger ist ein Vertreter der traditionell geprägten Christdemokratie, tief verwurzelt im katholischen Milieu. Mit Abtreibungen kann er nichts anfangen, er ist ein Freund von Privatisierungen und stimmt bei jeder sechsten Abstimmung anders als seine Partei. Die Energiewende, vorangetrieben von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard, ist für ihn eher heisse Luft.

«Pfister würde CVP spalten»

Pfisters Vorpreschen hat den sozialliberalen Parteiflügel aufgeschreckt. Öffentlich mag sich derzeit kaum jemand gegen ihn stellen. Die Zürcher Nationalrätin Kathy Riklin etwa bezeichnet Pfister knapp als «sehr guten Moderator» und sagt diplomatisch: «Niemand steht Schlange für das Präsidium, jede Kandidatur ist gut.»

Als dezidierter Gegner einer Präsidentschaft Pfister outete sich bislang erst der Walliser Nationalrat Yannick Buttet. Gegenüber der «Nordwestschweiz» sprach er von einer Stilwahl. Selbst als Politiker, der eher rechts stehe und mit Pfister viele Haltungen teile, müsse er warnen: «Präsident Pfister würde die CVP spalten.»