Angeheizt hatten die Gerüchteküche Berichte, dass der aserbaidschanische Staatspräsident Ilham Aliyev während des Davoser Gipfeltreffens im Hotel Flüela residieren wird. Kurz zuvor hat die Davos Klosters Bergbahnen AG die ehemalige 5-Sterne-Herberge an die türkische Hotelkette Rixos verkauft. Doch es war zu hören, dass in Wirklichkeit der aserbaidschanische Staatsfonds dahinterstecke.

Zudem hat im vergangenen November das Luxushotel Hilton Garden Inn vis-à-vis dem Kongresszentrum neu eröffnet und das Prestige-Objekt «Intercontinental Davos Ressort & Spa», das alle nur «Conti» nennen, soll Ende 2013 den Betrieb aufnehmen. So hiess es, dass die Karten beim Spiel um die Hotelvorherrschaft beim WEF wohl schon bald neu vergeben werden. Schuld daran war nicht zuletzt der ehemalige «Belvédère»-Chef Ernst Wyrsch. Im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sagte er, dass nach seinem Abgang im März 2011 die Erfolgsgeschichte eines der erfolgreichsten Hotels der Schweiz zerstört worden sei.

Hat das Belvédère mit seinen 127 Zimmern als Hotel- und Event-Drehscheibe am WEF bald ausgedient? Michael Hoferer, seit vergangenem Sommer Direktor des Steigenberger Grandhotel Belvédère in Davos, nimmts gelassen. «Natürlich war das vergangene Jahr nicht einfach. Aber wir haben ein neues Team zusammengestellt und freuen uns auf mehr Konkurrenz», so Hoferer im Gespräch mit der «Nordwestschweiz».

Der Champagner steht bereit

Peter Høgh Pedersen, der Chef des 216-Zimmer-Komplexes Intercontinental, hatte bereits vor dem Spatenstich im April 2011 gesagt, er wolle die neue Nummer 1 beim WEF werden. WEF-Gründer Klaus Schwab schien ihn zu unterstützen: «Wir sind sehr glücklich, dass ein zweites wichtiges Hotelprojekt in Davos realisiert wird», so Schwab bei der Ankündigung des von der Credit Suisse mit 155 Millionen Franken finanzierten «Conti»-Luxusprojekts.

Dass Davos kein einfaches Pflaster ist, weiss Hoferer als alter Hotel-Crack nur zu gut. Schliesslich geht es beim WEF auch um viel Geld. So muss man allein für einen der zahlreichen Büro-Räume in der oberen Etage des Eingangszelts zum «Belvédère» in den vier WEF-Tagen rund 10000 Franken hinblättern. Zudem wird konsumiert, was das Zeug hält. 1000 Champagner-Flaschen hält das «Steigenberger» für die WEF-Gäste bereit und mehrere tausend Weinflaschen bester Provenienz. Das Steigenberger-Hotel macht schätzungsweise 20 Prozent des Jahresumsatzes mit dem WEF. «Das ‹Conti› will sich von diesem Kuchen natürlich eine Scheibe abschneiden. Aber auch wir diskutieren mit den Verantwortlichen beim WEF über die Zukunft», so Hoferer.

Wo früher die WEF-Partys für mehr Schlagzeilen als der eigentliche Kongress gesorgt hatten, wird es unter Hoferer etwas nüchterner zugehen. «Die Partysituation, die sich in den vergangenen Jahren eingeschlichen hat, war für die Konferenzen nicht unbedingt förderlich, das hat uns Klaus Schwab zu verstehen gegeben», so Hoferer. Angesagt sei jetzt eine Rückbesinnung auf den ursprünglichen «Spirit of Davos».

220 Anlässe in vier Tagen

So steht denn auch die Bar im Hotel Belvédère, die in den vergangenen Jahren von Google gesponsert war, und wo sich die Konferenzteilnehmer gerne zu einem teuren Glas Wein oder einem gut Schnaps einfanden, nicht mehr unter dem Patronat des US-Internetgiganten. Doch mit der McKinsey- oder der Burda-Party finden immer noch rauschende Events statt. Und mit insgesamt 220 Anlässen alleine im Steigenberger wäre es dann doch übertrieben, von einer neuen Nüchternheit am WEF zu sprechen. Dazu kommen die Events bei der Konkurrenz. Im Posthotel Morosani etwa, wo traditionsgemäss die Schweizer Politdelegation mit den Bundesräten absteigt, finden rund 90 Anlässe statt.

Der neue «Belvédère»-Direktor geht davon aus, dass das Steigenberger Grandhotel auch in Zukunft das führende WEF-Hotel sein wird. Das «Hilton» betrachtet er nicht als direkte Konkurrenz, weil es mehr ein Businesshotel ist, während das «Belvédère» ein klassisches Grandhotel mit eigenem Flair sei. Die Konkurrenz vom «Conti» nimmt er ernster. «Wir werden schauen, wie das 2014 wird», so der «Belvédère»-Chef. Einheimische WEF-Kenner sagen allerdings, dass das am Eingang des Flüela-Tals gelegene «Conti» zu weit weg sei, um dem «Steigenberger» das Terrain wirklich streitig machen zu können. Zudem läuft beim «Conti» dem Vernehmen nach nicht alles wie gewünscht. So soll der Absatz der Wohnungen, die zum Hotelprojekt gehören, nur schleppend verlaufen, wie ein einheimischer Beobachter sagt.

Hoferer hat derweil mit seiner gewinnenden Art und seiner praktischen Erfahrung – er war von 2004 bis 2012 General Manager des Grand Hotel National in Luzern – schon frischen Wind in das Traditionshaus gebracht, das zwei nicht ganz einfache Jahre hinter sich hat. «Das ‹Belvédère› hat den WEF-Event schon lange nicht mehr so gut organisiert wie dieses Jahr», sagt ein Hotel-Mitarbeiter, der schon seit 15 Jahren am WEF dabei ist.

Hotspot der Wirtschaft

Für das WEF wird wenigstens das Parterre des Steigenberger-Hotels regelrecht auf den Kopf gestellt. Jeder Raum, der nicht wirklich betriebsnotwendig ist, wird vermietet. So wird der Coiffeursalon genauso zum Repräsentationsraum internationaler Firmen wie das Buchungszentrum für die Hotelgäste, das in diesen Tagen ausgelagert wird. Und das Hallenbad wird zum Bankettraum Atlantis umfunktioniert.

Es gleicht einem Ausverkauf der Räume. Dieser beschränkt sich aber nicht nur auf das Hotel. So präsentiert sich die Promenaden-Strasse, die Hauptstrasse von Davos, auf der die Kongressteilnehmer zwischen «Steigenberger» und den anderen Hotels wie dem Seehof, dem Morosani oder dem Grischa und dem Kongresszentrum hin- und herpendeln, in der WEF-Zeit völlig verändert: Grossformatige Plakate an den Hausfassaden propagieren in englischer Sprache Investments in Indien und Afrika. Der Bus wirbt für Aserbaidschan und wiederum für Indien, «das Land der grenzenlosen Möglichkeiten». Die lokalen Ladenbesitzer vermieten ihre Räume den internationalen Unternehmen. Microsoft, Standard Chartered, Reuters, Barclays, Citigroup, Royal Bank of Scotland, General Electric, CNN, SAP oder Blackberry. Davos wird zum Hotspot der globalen Wirtschaftswelt.