Das Festival steht dieses Jahr unter dem Motto «live with the difference - vivre avec la différence» (mit der Verschiedenheit leben). Diesem Motto widmete Mauch ihre Rede. Dass ganz verschiedene Menschen in der Gesellschaft miteinander lebten, sei zwar «eigentlich das Normalste auf der Welt».

Allerdings sehe sie Indizien dafür, dass sich «der Rahmen verengt». Dass der Konformitätsdruck steige und die «Intoleranz salonfähig wird». Mauch erinnerte etwa an das Minarettverbot, das der Schweiz zweifelhafte Berühmtheit verschafft habe. Begriffe wie «christliche Leitkultur» kämen auf und ein «ausgrenzender Nationalismus» greife um sich.

Mit seinem Motto bekenne sich das Festival zu einer Gesellschaft, «die Menschen Freiheit gibt, zu leben, wie sie es wünschen und es ihnen wohl ist - zumindest so lange, als davon andere Menschen nicht über Gebühr eingeschränkt werden». Für eine demokratische Gesellschaft sei es «essentiell, dass Verschiedenheit gelebt werden darf und gelebt werden kann».

Das «dürfen» sei von der Verfassung garantiert. Zum «können» aber setze sie ein Fragezeichen. Global steige etwa der Konformitätsdruck: Jugendliche rund um den Erdball trügen - wenn sie es sich leisten können - Kleider der gleichen Marken in gleichen Farben und Schnitten, eiferten dem gleichen Schlankheits- und Schönheitswahn nach.

Adoption auch für homosexuelle Paare

Schliesslich kam Mauch auch auf die politisch aktuelle Frage der Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare zu sprechen. Die Gegner führten die Schöpfungstheorie an und blendeten die Fortpflanzungsmedizin aus. Sie beschwörten die Vater-Mutter-Familie und blendeten die vielen Eineltern-Familien aus.

Natürlich brauche ein Kind verschiedene Bezugspersonen - männliche und weibliche, junge und alte. Sie sei vor allem «dezidiert der Meinung, dass jedes Kind Anrecht auf Geborgenheit in einer familiären Situation hat». Dabei dürfe keine Rolle spielen, ob die Eltern zwei Frauen, zwei Männer oder Mann und Frau seien. Zentral sei, dass sie liebevoll, verantwortungsbewusst und fürsorglich seien.

Das Programm des Zurich Pride Festval enthält viel Musik, Tanz und Unterhaltung. Höhepunkt ist die grosse Parade vom Samstagnachmittag. Am Sonntag wird traditionsgemäss ein Gottesdienst abgehalten. (sda)