Bei der Beschaffung von 70 neuen Trams für bis zu 350 Millionen Franken durch die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) tauchen weitere Ungereimtheiten auf. So haben es die VBZ offenbar versäumt, durch die neuen Fahrzeuge entstehende Mehrkosten beim Unterhalt des Schienennetzes zu berücksichtigen. Das berichtet die "NZZ am Sonntag".

Ein Sprecher der VBZ sagte der Zeitung, es wäre zwar hilfreich gewesen, wenn man bei der Trambeschaffung Informationen über Auswirkungen auf den Verschleiss der Schienen gehabt hätte; dies sei aber unmöglich, da der durch einzelne Tram-Typen verursachte Verschleiss nicht gemessen werden könne.

Fachleute gehen davon aus, dass durch die geplante Ablösung des "Tram 2000" durch Niederflurtrams die Schienen deutlich stärker belastet werden als heute und sie deshalb schneller nachgeschliffen und ausgetauscht werden müssen. Der Schweizer Trambauer Stadler Rail hat aus diesem Grund als einziger der vier Anbieter Zürich ein Fahrzeug angeboten, das auf konventionellen Drehgestellen und nicht auf Niederflur-Technik basiert.

Stadler Rail-Chef Peter Spuhler sagte der "NZZ am Sonntag", bei einer derartigen Beschaffung seien Unterhaltskosten ein wesentlicher Faktor; dem habe man Rechnung tragen wollen. Dass die VBZ sich für die zu erwartenden Gleisbelastungen aber gar nicht erst interessiert hätten, bezeichnete Spuhler als "doch sehr aussergewöhnlich".

Daniel Forrer, Leiter der Produktenwicklung bei Stadler Rail, verwies darauf, dass die VBZ zwar Recht hätten, wenn sie sagten, man könne den Gleisverschleiss bei neuen Trams vor deren Indienststellung nicht messen. Wenn man wolle, könne man ihn aber in Simulationen berechnen, fügte Forrer an. Andernorts werde das bei Trambeschaffungen auch getan.