Zehn Franken für nichts? Das Angebot sorgt auf Facebook für rege Diskussionen. Die Reaktionen reichen von Empörung über «typisch Zürich» bis hin zu Verständnis: «Jesses Gott, du gehst ja auch nicht mit einem Hungerhaken dahin, der nur einen Blattsalat ohne Sauce frisst!», meint eine Facebook-Diskussionsteilnehmerin.

Wer wenig isst, muss eine Gebühr bezahlen.

Wer wenig isst, muss eine Gebühr bezahlen.

Doch genau das ist laut dem Neumarkt-Wirt das Problem: «Wir hatten immer mehr Leute, die einfach einen Abend lang dasassen und fast nichts konsumierten», erklärt René Zimmermann auf Anfrage. Gründe dafür seien die schöne Lage inmitten der Altstadt und der gute Service.

Es komme immer wieder vor, dass ein Pärchen den ganzen Abend in der malerischen «Neumarkt»-Gartenwirtschaft bei einem Tee und einem Salat verbringe.

Oder dass eine Gruppe zehn Plätze zur gut frequentierten Essenszeit zwischen sieben und acht Uhr abends reserviere und dann fast nichts konsumiere.

«Wir sind ein Speiserestaurant. Einfach nur einen Abend lang dasitzen bei einem Salat – da geht für uns die Rechnung hinten und vorne nicht auf», sagt Zimmermann.

Immerhin würden zehn Personen in der Küche und vier bis fünf im Service arbeiten. Und deren Löhne gelte es schliesslich zu erwirtschaften.

Üblicherweise werde der Deckungsbeitrag in gehobenen Speiserestaurants auf den Hauptgang aufgeschlagen, so Zimmermann weiter.

Der «Neumarkt»-Wirt entschied sich vor eineinhalb Jahren für die auf der Speisekarte deklarierte Zehn-Franken-Lösung – nicht zuletzt, um die Hauptgänge günstig zu halten.

Ein Hauptgang ist im «Neumarkt» ab 27 Franken zu haben, Mittagsteller gibt es ab Fr. 16.50 – alles frisch zubereitet, mit Produkten vom Bürkliplatzmarkt.

Bis auf vereinzelte Gäste, die nur gekommen seien, um bei geringer Konsumation das schöne Ambiente zu geniessen, gab es laut dem Wirt keine negativen Reaktionen auf die Zehn-Franken-Gebühr.

«Da müssen wir drüberstehen»

In seinem eigenen Restaurant verlange er drei Franken fürs Gedeck – ebenfalls offen deklariert. «Einen Zuschlag von zehn Franken könnte ich mir wahrscheinlich nicht erlauben», so Bachmann. Eine solche Gebühr sei nach seinem Kenntnisstand ein Einzelfall in Zürich.

«Natürlich sind die Personalkosten hoch», fährt der Wirteverbandspräsident fort. Sie machten im Schnitt 45 bis 50 Prozent der Betriebskosten eines Restaurants aus.

Doch wenn an einem Tisch mit fünf Leuten zwei keinen Hunger hätten oder nur einen Salat ässen, sollte man als Wirt kulant sein, findet Bachmann: «Das gibts doch einfach, dass jemand mal keinen Hunger hat. Da müssen wir als gute Gastgeber drüberstehen.»

Was halten Sie von dieser Gebühr?