590 000 Personen in der Schweiz gelten als arm. Davon fallen zirka 110 000 Armutsbetroffene auf den Kanton Zürich. Die Zahl der Menschen, die sich allein und ausgegrenzt fühlen, wächst auch hier. Die Caritas Zürich versucht durch Aufklärung den Vorurteilen, unter denen von Armut betroffene leiden, entgegenzutreten.

Die Aktion «Eine Million Sterne» wird dieses Jahr schon zum elften Mal durchgeführt. Dabei werden Kerzen auf öffentliche Plätze in der ganzen Schweiz gestellt als Zeichen der Verbundenheit und des sozialen Zusammenhalts. Teil davon sind die Wunschkerzen, die zurzeit digital erfasst werden können. Der Erlös geht an Hilfsprojekte für Armutsbetroffene in der Schweiz.

Jasmins Wunschkerze

Vielen Alleinerziehenden geht es gleich wie Jasmin. Caritas setzt sich für diese Familien ein und unterstützt sie im Alltag. Hilf auch du. Deine Solidarität zählt. Schreibe eine SMS mit Kerze 1 an 227 oder gehe auf www.wunschkerze.ch/spende.

Auch in der reichen Schweiz gibt es mehrere Wege, in die Armut zu schlittern. Personen mit einem geringen Einkommen, Familien mit mehr als zwei Kindern und Alleinerziehende tragen ein hohes Armutsrisiko. Allen ist gleich, dass sie oftmals zu wenig für den Lebensunterhalt verdienen. Im Fall der zweifachen Mutter Jasmin war es die hohe Verschuldung ihres Ex-Mannes, die sie nach der Scheidung von der Sozialhilfe abhängig machte. Hinzu kommt, dass Jasmin keine Angehörigen hat, die sie finanziell oder in der Kinderbetreuung unterstützen können.

«Personen in der Schweiz schlittern oft durch einen Schicksalsschlag in die Armut», sagt Sophie Fürst, die Sprecherin von Caritas Zürich. «Dieser kann einen Menschen in Form von Krankheit, Scheidung oder Verunmöglichung des Wiedereinstiegs ins Berufsleben, etwa nach einer Elternschaftspause, sein.»

Eine der Wunschkerzen für die Aktion im Dezember.

Eine der Wunschkerzen für die Aktion im Dezember.

Armut sieht man nicht

In der Schweiz ist Armut immer noch weitgehend unsichtbar. Von Armut betroffene Personen reden ungern über die Situation. Nicht nur schämen sie sich für die eigene Armut, sie werden auch oft mit unangenehmen Fragen konfrontiert, sobald das Thema angeschnitten wird und fühlen sich dadurch unter Druck gesetzt.

So werden alleinerziehende Mütter oft gefragt, weshalb sie denn nicht arbeiten würden. Fakt ist, dass das Einkommen auch einen subventionierten Krippenplatz nicht finanzieren würde. Des weiteren verlangen Arbeitgeber heute Flexibilität und stellen nur ungerne Personen an, die unter der Woche durch Familienpflichten eingeschränkt sind. Im Fall von Jasmin besteht auch keine Möglichkeit, die Kinder vor und nach der Schule von Verwandten betreuen zu lassen.

Mit der Sozialhilfe, die einer alleinerziehenden Mutter wie Jasmin zugesprochen wird, kommt sie knapp durch den Monat. Extras für sich oder die Kinder liegen dabei keine drin, da bereits beim Essen Abstriche gemacht werden müssen.

Für die Zukunft sieht die Caritas noch düsterer. Die verschärften Sozialhilferichtlinien, die im September von der Konferenz der Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren (SODK) verabschiedet wurden, würden den Druck auf Armutsbetroffene noch verstärken. Ein sogenanntes soziales Existenzminimum ist nicht mehr gewährleistet. Wegen des fehlenden Budgets können sie nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und würden zunehmend vereinsamen. Dies lässt die Chancen schwinden, wieder eine Arbeit zu finden.

«Wir von der Caritas möchten betonen, dass die Teilnahme am sozialen Leben für in Armut Lebenden sehr wichtig ist», erklärt Fürst. Ein Zoobesuch mit der Familie oder ein Gang ins Kino würde Ablenkung bringen und die Psyche entlasten. Indem die Sozialhilfe aber immer mehr gekürzt würde, isolierten Arme Menschen sich und ihre Kinder zunehmend, was oft der Einstieg in einen Teufelskreis sei.