Es riecht nach Farbe. Die alten Mauern sind neu mit schwarz gestrichenen Holzwänden abgedeckt. Ein Bauarbeiter bittet, den frisch abgeschliffenen Boden nicht zu betreten. Philipp Musshafen, Geschäftsführer der Maag Music & Arts AG muss noch suchen, um einen Aufgang zur Galerie zu finden, der nicht abgesperrt ist. Fast alles ist neu in der Halle 622, die schon bald bis zu 3500 Konzert-, Messe- und andere Eventbesucher nach Zürich Oerlikon locken soll. Am 9. Februar findet in der ehemaligen ABB-Industriehalle das erste Konzert statt: Die britische Band Bastille rockt das Haus.

Noch vor gut einem halben Jahr war unklar, ob der Umbau der Halle zustande käme, obwohl das Projekt schon Monate zuvor aufgegleist war. Dann stimmte das Stadtzürcher Stimmvolk im Juni 2016 der Sanierung von Tonhalle und Kongresshaus zu.

Die grosse Kultur-Rochade

Während der Umbau der Halle 622 in Zürich Oerlikon fast fertig ist, beginnt am kommenden Montag jener der Maag-Eventhalle beim Bahnhof Hardbrücke. Auch sie wird mit einem Holzeinbau ausgestattet, um künftig den Ansprüchen des Tonhalle-Orchesters und seines Publikums zu genügen. Ab September soll nämlich das Tonhalle-Orchester während dreier Jahre in der Maag-Eventhalle in Zürich-West ein neues Zuhause erhalten.

Der Grund: Tonhalle und Kongresshaus werden umfassend saniert. Die Bauarbeiten zum Umbau und zur Instandsetzung von Kongresshaus und Tonhalle beginnen im Juli dieses Jahres. Die Wiedereröffnung der beiden traditionsreichen Häuser ist im Herbst 2020 geplant.

In der Zwischenzeit findet eine grosse Rochade statt: Das Tonhalle-Orchester zieht in die Maag-Eventhalle und die Events, die dort und im Kongresshaus zu Hause waren, sollen in der Halle 622 eine neue Bleibe bekommen. «Der Stadt war es ein Anliegen, dass für die Anlässe, die sonst in der Maag-Eventhalle stattfinden und auch für einen Teil der Veranstaltungen im Kongresshaus, ein Ersatz-Ort angeboten werden kann», so Nat Bächtold, Sprecher von Stadtpräsidentin Corine Mauch. «Die Stadt hat deshalb die Betreiber der Maag-Eventhalle bei der Suche nach einen Ersatz-Standort unterstützt und ihre guten Dienste bei der Vereinbarung mit der ABB für die Halle 622 angeboten.»

Für den Umbau und die Sanierung von Tonhalle und Kongresshaus haben die Stadtzürcher Stimmberechtigten letztes Jahr 240 Millionen Franken bewilligt. (mts)

Und damit konnte die grosse Rochade in Gang gesetzt werden: Das Tonhalle-Orchester zieht in die Maag-Eventhalle beim Bahnhof Hardbrücke, und Veranstaltungen, die dort zu Hause waren, sollen in der Halle 622 beim Bahnhof Oerlikon eine neue Bleibe finden. Um den Anforderungen an Akustik, Lärmschutz, Belüftung, Technik und Fluchtwege gerecht zu werden, wurde diese nun für sechs Millionen Franken umgebaut.

Entstanden ist ein Eventort von beachtlichen Dimensionen: Die Haupthalle fasst bis zu 3500 Gäste und ist über elf Meter hoch. Hinzu kommt ein grosszügiges Foyer mit Bar, ein mit Wohncontainern ausgestatteter Backstage-Bereich sowie über 700 Quadratmeter überdachter Aussenbereich.

Auf fünf Jahre befristet

Der Mietvertrag für die neue Eventhalle ist auf fünf Jahre befristet. Danach soll sie einem Neubauprojekt weichen. Die Umbaukosten von sechs Millionen Franken in fünf Jahren zu amortisieren, wird laut Musshafen nicht einfach. «Doch es ist machbar», sagt der Eventveranstalter. «Dadurch, dass das Kongresshaus zugeht und die Maag-Eventhalle umgenutzt wird, entsteht ein Vakuum. Wir wollen die entsprechenden Events in Zürich halten.» Nebst Konzerten sind dies auch Firmenanlässe und Messen wie die «Blickfang», mit deren Veranstaltern das Team um Musshafen noch in Verhandlungen ist. Bereits sicher ist, dass die «Gourmesse» vom Kongresshaus in die Halle 622 kommt.

Neue Konkurrenz in Stettbach

Aufgrund ihrer Grösse kann die Halle 622 in Zürich eine Angebotslücke stopfen: Eine Halle für 3500 Personen fehlt ansonsten in der Stadt. Das Hallenstadion ist mit 12 000 Plätzen viel grösser, Volkshaus und X-tra sind mit knapp 2000 Plätzen deutlich kleiner. Konkurrenz könnte die ebenfalls demnächst aufgehende Samsung-Halle vor den Toren der Stadt in Stettbach darstellen, die Platz für 5000 Gäste bietet. Doch sie sei jeden Sonntag durch die Freikirche ICF belegt und daher für Messen weniger attraktiv, so Musshafen.