Im Bestechungsskandal um den ehemaligen Anlagechef der Pensionskasse des Zürcher Staatspersonals (BVK) sind die erstinstanzlichen Urteile gefallen. Lange im Voraus hatten diverse Medien jedoch wild spekuliert, teilweise an der Grenze zu Vorverurteilungen. Im Fall des «Tages-Anzeigers» hat sich das nun gerächt.

Wie die «NZZ am Sonntag» in ihrer letzten Ausgabe schreibt, zahlte das Medienunternehmen einem Geschäftsmann «mehr als eine Viertelmillion Franken», weil dieser «in Zusammenhang mit der Bestechungsaffäre» offensichtlich zu Unrecht erwähnt worden sei. Hinweise, um welchen Behauptung es dabei ging, fehlten.

Recherchen der «Nordwestschweiz» haben ergeben, um welche Information es sich handelte. In einem «Tages-Anzeiger-»Artikel aus dem Jahr 2010 schrieb Autor Arthur Rutishauser, Mitglied der Chefredaktion, über «Bordellbesuche». Der Hauptangeschuldigte Daniel Gloor soll vom ehemaligen Chef einer Firma, die mit der BVK zusammengearbeitet habe, ins Freudenhaus eingeladen worden sein.

Identität war leicht eruierbar

In der entsprechenden Passage beschrieb Rutishauser den Mann so, dass man mühelos seinen Identität in Erfahrung bringen konnte: Ein paar Sekunden googeln und die Identität war offensichtlich. Sogar den Namen der Firma nannte er, zusammen mit dem Wohnkanton und der Parteizugehörigkeit des Betroffenen.

Bloss wurde der Mann nie angeklagt. Die in der Zeitung erhobenen Vorwürfe erwiesen sich als haltlos. Mittlerweile hat der Tages-Anzeiger entsprechende Passagen eliminiert.

Wer in der Schweizerischen Mediendatenbank (SMD) nach dem Text Ausschau hält, findet ihn in gekürzter Fassung wieder: Die Passage mit den Anschuldigungen wurde in der Zwischenzeit gelöscht. Im Anschluss an den Abschnitt heisst es: «Korrektur nach Intervention durch einen Betroffenen.» In der Online-Fassung fehlen die ursprünglichen Sätze ebenfalls.

Nicht alle Spuren beseitigt

Die Löschung dieser Sätze war - wie in solchen Fällen üblich - Teil des aussergerichtlichen Vergleiches mit dem Betroffenen. Allerdings hat Tamedia bislang nicht alle Spuren beseitigt.

Denn das Verlagshaus vergass, auch die Version auf dem E-Paper zu korrigieren. Wer sich gestern als Leser einloggte, fand die Originalformulierung - inklusive der Vorwürfe an die Adresse desjenigen Mannes, mit dem sich Tamedia laut «NZZ am Sonntag» aussergerichtlich geeinigt hatte und dem sie den Betrag bezahlen musste.