Fritz Peter und sein Plan B für den Hardturm

Fritz Peter war zum ersten Mal 1938 im Hardturmstadion. Von 1988 bis 1991 präsidierte der Uitiker den Grasshopper Club Zürich. Bereits in den Achtzigerjahren wälzte er Pläne für eine Modernisierung des in die Jahre gekommenen Stadions. Gestern stand er auf den Ruinen, die davon übrig sind, und gab reihenweise Interviews.

Peter ist am Tag nach der Ablehnung des Hardturm-Neubauprojekts durchs Zürcher Stimmvolk ein gefragter Mann. Der 80-Jährige ist derjenige mit dem ominösen Plan B, der doch noch zu einem neuen Stadion führen könnte. Zumindest Peter gibt sich davon überzeugt.

Gespräch mit Investoren

«Ich hatte heute Vormittag ein Gespräch mit allfälligen Investoren», sagt er. Deren Namen nennt er nicht. Noch nicht. Nur soviel: Es handle sich um ein topseriöses Unternehmen, eine Schweizer Gesellschaft, die sich auch schon im Sport engagiert habe. «Es ist nicht das erste Stadion, das sie auf dem Tisch haben.»

Die Investoren wollen nun laut Peter das Gespräch mit der Credit Suisse aufnehmen, die dann wiederum mit der Stadt Zürich zusammensitze. Die CS hatte der Stadt das Hardturmareal verkauft und sich vertraglich ein Rückkaufsrecht ausbedungen, sollte dort kein Stadion zustande kommen.

Stadiondepabbe: Wie weiter nach dem Nein zum Hardturm?

Das Stadtzürcher Projekt für einen Hardturmstadion-Neubau haben die Stimmberechtigten am Sonntag mit 50,8 Prozent knapp abgelehnt. Wie weiter? Fest steht: In den nächsten Jahren spielen der FCZ und GC weiterhin auf dem ungeliebten Letzigrund. Dieser wird nun entsprechend den Auflagen der Fussballliga mit Fangnetzen zwischen Spielfeld und Fankurven sowie Drehkreuzen bei den Eingängen nachgerüstet. Grössere Eingriffe, um aus dem Letzigrund ein stimmungsvolleres Fussballstadion zu machen, will die Stadt als Stadioneigentümer nicht vornehmen. Wie es mit dem Hardturmareal weitergeht, werden Vertreter der Credit Suisse und der Stadt besprechen (siehe Haupttext). Einen anderen Standort, an dem in Zürich ein Fussballstadion gebaut werden könnte, gibt es laut Stadtrat nicht. Für GC-Präsident André Dosé ist auch ein Stadionbau ausserhalb der Stadt im Kanton Zürich denkbar. FCZ-Präsident Ancillo Canepa schloss dies für seinen Klub aus.

Peters Plan B umfasst zwei Varianten. Die eine wäre ein Billigstadion, eine modulare Stahlbaukonstruktion, wie sie die Firma Nüssli bereits in St. Petersburg und Baku realisiert hat. Zwischen 20 000 und 25 000 Sitzplätze sollte das Stadion gemäss Peter haben, mit Kosten von 1500 Franken pro Sitzplatz. Innert zehn bis zwölf Monaten sei so ein Stadion zu erstellen, sobald eine Baubewilligung vorliege, das garantiere Nüssli. Die Kosten müsste die Stadt übernehmen.

Die zweite Variante würde etwas länger dauern, liesse sich aber nach Peters Vorstellungen auch in einem «überblickbaren Zeitraum» realisieren. Dabei würde es sich um ein Stadion mit «reduzierter Mantelnutzung» handeln, finanziert durch einen privaten Investor.

Stahlbau «nicht bewilligbar»

Peters Ideen stossen im Stadtzürcher Hochbaudepartement auf Skepsis: Ein von der Stadt finanziertes Billigstadion mit modularer Stahlbaukonstruktion sei aus Lärmschutz- und Sicherheitsgründen «schon auf den ersten Blick nicht bewilligungsfähig», so Departementssprecher Urs Spinner. Zudem wären zwar die Investitionskosten tief, die Lebenszykluskosten für Betrieb und Unterhalt wohl aber zu hoch.

Auch ein neues, privat finanziertes Stadionprojekt mit «reduzierter Mantelnutzung» erscheint angesichts der Vorgeschichte der Zürcher Stadionplanung als wenig wahrscheinlich: Es bräuchte relativ viel Mantelnutzung, damit es für einen Investor interessant wäre, gibt Spinner zu bedenken. Hinzukommt, dass das vorletzte Projekt für ein neues Hardturmstadion, das ein Einkaufszentrum als Mantelnutzung beinhaltete, nach jahrelangen Einsprachen durch Anwohner gescheitert war. «Soll Herr Peter seinen Investor bringen», sagt Spinner. «Ein seriöses Projekt würde die Stadt prüfen, nicht aber Luftschlösser.»

Die CS will sich zu konkreten Ideen noch nicht äussern. «Wir werden nun zusammen mit der Stadt Zürich die Alternativen prüfen und das weitere Vorgehen besprechen», lautet wie schon am Abstimmungssonntag ihre Antwort auf Fragen nach der Zukunft des Hardturmareals. Noch sei alles offen.

Für Peter ist klar: «Jetzt hängt alles von der Haltung der CS und der Stadt ab. Ich hoffe, dass die CS ihre grosszügige Haltung beibehält, sodass wir doch noch zu einer billigen und vernünftigen Lösung kommen.»

Und die Vertreter der Stadt, die am Abstimmungssonntag das Ende der städtischen Stadionplanung in Zürich verkündet hatten, müssten über ihren Schatten springen, findet er. Mit seinem Plan B könne die Stadt, verglichen mit dem gescheiterten Projekt, über 100 Millionen Franken sparen.

Dass die Klubs GC und FCZ zusammen mit ihrem Umfeld selber ein Stadion finanzierten, sei hingegen unmöglich, da sie jährlich ein strukturelles Defizit von fünf bis zehn Millionen Franken hätten.

Vertreter der Stadt werden gemäss Spinner in absehbarer Zeit mit der CS zusammensitzen, um zu besprechen, wie es mit dem Hardturmareal weitergehen soll. «Danach hat die CS vertragsgemäss sechs Monate Zeit, um zu entscheiden, was sie mit dem Land machen will», erklärt Spinner. Liege nach dieser Frist noch kein Projekt vor, könne die Stadt das Land behalten.