«Seit ich im Gefängnis war, hat es grosse Veränderungen gegeben», beteuerte der heute 29-jährige Türsteher aus Urdorf am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht. Der verheiratete Sicherheitsangestellte erinnerte sich dabei an den 11. Juni 2013 zurück. Damals wurde der Tunesier von der Polizei festgenommen und verbrachte danach 23 Tage in Untersuchungshaft. Grund: Der Nordafrikaner hatte sich laut Anklage in der Zürcher Clubszene erneut als gewaltbereiter Schläger entpuppt.

In Zürcher Club Piloten verletzt

Der Beschuldigte schlug zunächst in der Nacht auf den 22. März 2013 in einem bekannten Zürcher Club zu. Er geriet dabei an einen angetrunkenen Swiss-Piloten, der zuvor eine Begleiterin weggeschubst hatte. Worauf der kampferprobte Limmattaler dem Geschädigten mehrere heftige Ohrfeigen gegen den Kopf verpasste. Dabei wurde der Pilot laut Anklage am Trommelfell des rechten Ohres verletzt.

Nur zwei Wochen später sorgte der Türsteher für einen zweiten Gewaltexzess. Diesmal vor einem anderen Club in der Zürcher Innenstadt, wo er zusammen mit einem Freund einen Kosovo-Albaner spitalreif prügelte.

Nach seiner Haftentlassung delinquierte der Urdorfer weiter, indem er im September 2013 den Leiter des Clubs massiv bedrohte und wenige Monate später mit einem Sportwagen der Marke Porsche mit 82 statt 50 Kilometern pro Stunde über die Hardbrücke raste.

Harte Strafe angefochten

Der Beschuldigte musste sich zunächst im Oktober 2014 am Bezirksgericht Zürich verantworten und wurde anklagegemäss wegen Angriffs, versuchter Körperverletzung, Drohung sowie grober Verletzung von Verkehrsregeln für schuldig befunden. Was zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von elf Monaten führte. Hinzu kam der Widerruf einer ehemals bedingten Strafe von 18 Monaten. Diese Sanktion hatte der Beschuldigte bereits im Dezember 2012 im Kanton Basel kassiert. Wegen Angriffs, Körperverletzung sowie sexueller Belästigung. So hatte er in einer Bar als Sicherheitsangestellter eine Besucherin an intime Körperstellen gegriffen und Gäste mit der Faust geschlagen. Was am Bezirksgericht zu einer harten und unbedingten Freiheitsstrafe von insgesamt 29 Monaten führte. Da diese Sanktion die Ausschaffung des Nordafrikaners nach sich ziehen würde, legte er Berufung ein.

Hoffnung auf ein milderes Urteil

Vor Obergericht zeigte sich der Türsteher als vollständig geläutert. So habe er ein neues Leben begonnen und werde sich künftig gesetzeskonform verhalten, versprach er. Sein Verteidiger verlangte in den Hauptanträgen volle Freisprüche von den Hauptvorwürfen. Einerseits aus formellen Gründen, da es die erste Instanz unterlassen habe, das Verfahrensprotokoll zu unterzeichnen. Andererseits mangels Beweisen oder einem gerechtfertigten Auftreten gegenüber dem angetrunkenen Piloten, der eine Frau gestossen habe. Zudem habe der verprügelte Kosovare seine Anträge zurückgezogen. Es sei lediglich wegen des Verkehrsdeliktes eine unbedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen angezeigt. Da der Rechtsanwalt ein sehr langes Plädoyer hielt, kam das Obergericht am Dienstag noch zu keinem Urteil. Weshalb der Beschuldigte die Hoffnung auf ein milderes Urteil hegen darf. Für ihn sprach, dass er sich bald zwei Jahren gesetzeskonform verhält.