Der Einzige, der sich gestern Montag im Kantonsrat für das Tram nach Uster stark gemacht hätte, war gar nicht anwesend.

Jean Philippe Pinto (CVP, Volketswil) sei im Ausland, hiess es vonseiten seiner Partei. Pinto hatte vor sechs Jahren ein Postulat eingereicht, mit dem er die Raum- und Trasseesicherung für eine Verlängerung der Glattalbahn von Dübendorf über Volketswil nach Uster forderte.

Gestern Montag schliesslich legte der Kantonsrat das Vorhaben definitiv zu den Akten.

Damit folgte der er dem Antrag des Regierungsrates. Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh wiederholte gestern die Begründung: «Das Entwicklungspotenzial in den Gemeinden Greifensee, Fällanden, Schwerzenbach und Uster ist zu klein, als dass dies eine zweite öV-Achse mit einer Stadtbahn rechtfertigen würde.»

Für einen wirtschaftlichen Betrieb werde die notwendige «städtische Dichte» auch langfristig nicht erreicht.

Lediglich die Verlängerung ab der bestehenden Haltestelle Giessen über Bahnhof und Flugplatz Dübendorf bis Dietlikon könnte dereinst realisiert werden – je nachdem, ob es die Planungen zum Innovationspark erfordern.

Häme für die CVP

Zur Abstimmung kam es gestern gar nicht erst, weil niemand den gleichlautenden Anträgen des Regierungsrates und der vorberatenden Kommission widersprach. Doch als wäre das deutliche Verdikt nicht schon Häme genug, kam Pintos Partei für den Vorstoss auch noch politisch unter die Räder.

«Die CVP hat ein Glaubwürdigkeitsproblem», sagte etwa Robert Brunner (Grüne) im Hinblick auf die ansonsten kostenbewusste Partei.

Und Stefan Hunger (BDP) unterstellte Jean Philippe Pinto das Verfolgen von Eigeninteressen, indem er sagte: «Auch eine Direktverbindung von Mönchaltorf nach Zürich wäre komfortabel.» Hunger ist in Mönchaltorf, Pinto in Volketswil zu Hause.

CVP-Fraktionspräsident Philipp Kutter fiel die undankbare Aufgabe zu, in Vertretung seines Parteikollegen das Postulat zu verteidigen.

Die Partei akzeptiere dessen Abschreibung, sagte er. «Aber die Begründung überzeugt uns nicht hundertprozentig.» Es gehe einzig um eine Raum- und Trasseesicherung, die im Richtplan eingetragen werden sollte.

«In 20 bis 30 Jahren wären wir vielleicht froh, hätten wir den Eintrag gemacht. Vielleicht ist es dann zu spät», sagte er.

Mit deutlichen Worten schmetterten SVP, FDP und SP das Projekt ab. Orlando Wyss (SVP, Dübendorf) ärgerte sich über die «exorbitanten Kosten» des «Luxusprojekts».

Ann Barbara Franzen (FDP) wollte keine Bauverbotszonen und Felix Hoesch (SP) befand, dass das eigentliche Problem in diesem Gebiet die Pünktlichkeit der Busse in Volketswil sei.

Busverbindungen verbessern

Dieses Problem könnte mit dem Ausbau des Bahnhofs Schwerzenbach zur öV-Drehscheibe und der Verbesserung der Busverbindung nach Volketswil durch ein Eigentrassee gelöst werden. Dies sieht ein Projekt vor, das durch die Studie «Masterplan 2050 Uster-Volketswil» initiiert wurde.

So klar das Votum des Zürcher Kantonsrat gestern auch war: Eine Hintertür für die Verlängerung der Glattalbahn bis nach Uster lässt der Regierungsrat offen.

Würde sich die Siedlungsentwicklung entgegen der jetzigen Einschätzung ändern, könnten die geplanten Buskorridore dereinst zugunsten einer Stadtbahn ausgebaut werden. «Packen wir diesen Strohhalm», sagte Pinto-Vertreter Kutter.