Die heute 41-jährige Frau leidet unter chronischen Schmerzen, die ihr bisweilen den Schlaf raubten. Tagsüber behalf sie sich mit Schmerzmitteln, die sie nicht müde machten. So konnte sie ihren Beruf ausüben. Abends brühte sie sich jeweils einen Cannabis-Tee auf und trank ihn vor dem Schlafengehen.

Laut ihrem Verteidiger habe sie dies auf Anraten ihres Arztes getan. Cannabis habe weniger Nebenwirkungen als andere Mittel, die sie früher ausprobiert habe. Aus dem Urteil des Obergerichts, das nun veröffentlicht wurde, geht hervor, dass die Frau seit zehn Jahren Drogen konsumiert.

Gelegentlich einen Joint

Obwohl sie das Cannabis üblicherweise als Tee zu sich nahm, rauchte sie gelegentlich einen Joint. So auch in der Nacht, bevor sie in einer Verkehrskontrolle positiv auf THC-Rückstände im Blut getestet wurde. 22 Stunden, nachdem sie zwei Joints geraucht hatte, liess sich die Substanz noch nachweisen.

Im anschliessenden Prozess vor dem Bezirksgericht sprach der Einzelrichter die Frau schuldig des Fahrens in fahruntüchtigem Zustand und des Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz. Er verhängte eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 80 Franken und eine Busse von 300 Franken.

Auf Anraten des Arztes

Die Beschuldigte zog das Urteil weiter ans Zürcher Obergericht. Sie berief sich darauf, dass sie irrtümlicherweise davon ausgegangen sei, der Cannabis-Konsum sei legal, weil ihr Arzt ihr dazu geraten hatte. Sie monierte auch, dass in der Anklageschrift die Fahrlässigkeit des Fahrens unter Drogeneinfluss nicht genau begründet sei. Das Obergericht sprach sie daraufhin frei. Die Staatsanwaltschaft ging vor Bundesgericht und dieses hob den Entscheid auf. Es gab die Sache wieder an das Obergericht zurück.

Sie hätte es wissen müssen

In der zweiten Beurteilung folgte das Obergericht den Argumenten des Bundesgerichts. Beim Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz habe die Frau zwar irrtümlich angenommen, ihr Handeln sei zulässig und der THC-Wert sei niedriger. Aber dieser Irrtum sei vermeidbar gewesen.

Ebenso nahm das Bundesgericht die Frau in die Verantwortung bezüglich des Fahrens unter Drogeneinfluss. Sie habe um die berauschende Wirkung des Cannabis gewusst. Sie könne nicht behaupten, ihr Arzt habe sie ungenügend über die Folgen für ihre Fahrtüchtigkeit aufgeklärt.

Ausserdem sei weder neu noch aussergewöhnlich, dass Cannabiskonsum lange nachweisbar ist. Das Obergericht reduzierte die Geldstrafe auf 20 Tagessätze à 70 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren und sprach eine Busse von 300 Franken aus. (SDA)