«Einst waren die Kelten hier, die Römer folgten», sagt Catherine Peer. Sie und Elfie Rabenbaum hatten im Namen des Stadtvereins Dietikon zur kostenlosen Führung durch die Stadt eingeladen. Doch bevor sich die rund 40 Personen aufmachten, um «Dietikon im Wandel der Zeit» zu erfahren, gab es einen Crash-Kurs in Geschichte. So erfuhr man gleich, dass der Name «Dietikon» in Stein gemeisselt ist - auf dem Arc de Triomphe in Paris. Eine Erinnerung an die Schlacht an der Limmat des zweiten Koalitionskrieges zwischen Frankreich und Russland von 1799.

Düsteres Kapitel

Voller Wissensdurst machte sich die Gruppe auf den Weg. Mit Lautsprecher ausgestattet, moderierte das Duo des Stadtvereins mit sichtlicher Freude den Rundgang. Beim Schulhaus Zentral gab es interessante Fakten zum hiesigen Schulsystem und dessen frühere Krux mit der Religion zu hören, zu sehen eine Mauer, die hinter dem imposanten Gebäude von 1909 an ein düsteres Kapitel der Menschheit erinnert.

Während des Zweiten Weltkriegs galt Dietikon als Garnisonsstadt und wurde sprichwörtlich eingemauert. Nationalheld General Guisan inspizierte Dietikon ab 1939 gleich mehrmals. Glücklicherweise landeten keine Deutschen im Limmattal. Aber der Anekdote von Elfie Rabenbauer zufolge verirrten sich amerikanische Fallschirmspringer in der «Festung Dietikon».

«Jungfräuliches» Gotteshaus

Es ging weiter zum Ortsmuseum in der Villa Strohmeier, worin sich auch die Schulklassen-Fotos aus den Jahren 1923 bis 2007 befinden. Der dazugehörige Park ist öffentlich und lädt zum Verweilen ein. Kurz darauf der Gang zur reformierten Kirche. Das beachtliche Gotteshaus ist beinahe noch «jungfräulich» - es wurde 1925 eingeweiht. Ursula Frei, Teilnehmerin des Rundgangs, war äusserst angetan ob ihrer Wahlheimat. Die gebürtige Wehntalerin wurde einige Male für ihre Entscheidung kritisiert. «Doch als meine Freunde endlich zu Besuch waren, realisierten sie, wie schön es in Dietikon ist.»
In der Freizeitanlage Chrüzacher folgte die grösste Überraschung. Dafür sorgten jedoch nicht die putzigen Hügelhäuser, sondern das eher unauffällige Gebäude dahinter. Dort wohnten einst die Eltern von Fritz Platten, der als Schweizer Kommunist in die Geschichte einging. Seine Liebe zur Sowjetunion machte Platten auch zum Vertrauten von Lenin, dem er 1918 bei einem Attentat das Leben rettete. Es gilt als verbürgt, so Catherine Peer, dass Lenin im erwähnten Haus einst zum Dinner eingeladen war.

Weitere Stationen des Rundgangs, wie etwa das frühere «Inseli» in der Reppisch sowie die Bühlstrasse mit ihrem verheerenden Feuer von 1821, regten die Gedanken an. Die geplanten zwei Stunden hätten sich daher locker überziehen lassen. Beim anschliessenden Apéro meinte Ursula Frei: «Wo man wohnt, soll man auch zu Hause sein.» Bei einem Rundgang vom Stadtverein Dietikon kann dafür der Grundstein gelegt werden.