Am Spatenstich zum neuen Gemeindehaus in Unterengstringen war der Ehrengast zwar nicht anwesend, aber dennoch präsent.

«Sicherlich wäre er heute gerne dabei gewesen», so der Interim-Gemeindepräsident René Rey (FDP) gestern Morgen vor rund 40 geladenen Gästen. «Doch ich weiss, dass sich Peter sehr über die Gewissheit gefreut hat, dass der Tag des Spatenstichs kommen wird.» Das neue Gemeindehaus für Unterengstringen habe einen langen Weg zurückgelegt (siehe Kontext) und nun, da voraussichtlich im Dezember mit dem Bau begonnen werden könne, habe die Gemeinde endlich die Chance auf ein Dorfzentrum.

«Das sind Gebäude mit Identifikationscharakter»: Die Architektin Tilla Theus sagt, was sie an den Projekten im Limmattal reizt.

Bevor jedoch die am Projekt beteiligten Personen ihre Schaufeln in den Boden rammen und die ersten Häufchen Erde abtragen konnten, gab es interessante Neuigkeiten aus diesem besagten Boden. Anna Kienholz von der Kantonsarchäologie Zürich zeigte in einer Präsentation auf, welche Funde sie und ihre Mitarbeiter während der mehrwöchigen Grabungsarbeiten zutage befördert hatten. Neben der erwarteten Vielzahl von Tonscherben aus der Bronzezeit gab es auch eine Überraschung: «Wir fanden eine Gewandnadel, ebenfalls aus der Bronzezeit», so Kienholz. Diese brachte sie sogleich mit und reichte das in einer transparenten Plastikhülle eingepackte Objekt den interessierten Anwesenden. Dem Prunkstück folgten kleine Glaskästchen mit Tonscherben, die Gefässen zugeordnet werden konnten und einer Zeichnung, die aufzeigt, wie die Unterengstringer Dorfstrasse zur Bronzezeit hätte besiedelt sein können.

Fifa-Architektin am Werk

Architektin des Gemeindehauses ist Tilla Theus. Zu ihren bekanntesten Bauten gehört wohl der Fifa-Hauptsitz in Zürich Hottingen, der im Jahr 2006 eröffnet wurde. Doch auch im Bezirk Dietikon hat sie bereits einige Um- und Neubauten gestaltet. So zeichnete Theus verantwortlich für den Umbau der Dietiker Krone, die Bebauung des Kronenareals, wie auch das AMAG Zentrum in Schlieren.

So wird das neue Gemeindehaus dereinst aussehen. zvg

So wird das neue Gemeindehaus dereinst aussehen. zvg

Frau Theus, Sie haben zahlreiche Projekte im Limmattal realisiert, prägen die Region architektonisch. Was reizt Sie als Bündnerin am Bezirk Dietikon?

Tilla Theus : Im Bündnerland hat es keine grossen Städte. Siedlungskerne, mittelgrosse Agglomerationen und Berge prägen das Bild. Diese dörflichen Strukturen, die sich nun allmählich zu Städten ausweiten, finden sich auch im Limmattal. Dies kann oft mit einem Identitätsverlust einhergehen. Mit meinen Projekten will ich Gegensteuer geben und einen Identitätsgewinn schaffen.

Sie sagten bei Ihrer Ansprache zum Spatenstich auch, dass mit dem neuen Gemeindehaus eine Bürgernähe hergestellt werden soll. Wie stellen Sie sich das vor?

Mit dem Schweizer Milizsystem investieren viele Bürgerinnen und Bürger einen grossen Teil ihrer Freizeit für die Allgemeinheit. Dieses wertvolle Engagement möchte ich fördern mit einem Gemeindehaus, das die Bürgernähe betont und Identität stiftet.

Laut Interim-Gemeindepräsident René Rey hat Unterengstringen mit ihrem Bau nun die Chance auf ein Dorfzentrum. Wie kommen Sie diesem Wunsch entgegen?

Über ein Jahrzehnt suchte man eine Lösung

Bereits im kommenden Jahr soll das neue Verwaltungsgebäude an der Dorfstrasse in Unterengstringen bezugsbereit sein. Der Weg da hin war jedoch ein langer. Über ein Jahrzehnt suchte die Gemeinde nach einem Ersatz für den heutigen Standort an der Weiningerstrasse 50. Seit nunmehr 80 Jahren ist die Verwaltung dort beheimatet, mit dem Wachstum von Unterengstringen wurden die Platzverhältnisse für die Gemeindemitarbeiter zusehends knapp. Eine erste Vorlage lehnte die Bevölkerung vor gut 12 Jahren ab. Seither hat die Exekutive diverse Projekte erarbeitet – selber bauen, mieten und kaufen waren Optionen. Diese wurden jedoch stets verworfen. Das heutige Projekt wurde unter Einbezug der Bevölkerung entwickelt. Einerseits durch deren Mitarbeit in einer Wettbewerbsjury, andererseits durch ein Public Voting. Laut Hochbauvorstand Simon Wirth (FDP) habe es viel Nerven, Kampfgeist und Überzeugungsarbeit gebraucht, denn die Rechtmässigkeit des Public Votings wurde vom Zürcher Verwaltungsgericht erst verneint, vom Bundesgericht anschliessend jedoch bestätigt. Am 8. März dieses Jahres stimmten schliesslich 54 Prozent der Stimmberechtigten (605 Stimmen) dem Neubau zu. 508 Personen votierten gegen den 8,8 Millionen-Franken-Kredit.

Ich habe die verschiedenen Etagen nicht mit einem Treppenhaus verbunden, sondern mit einer vertikalen Erschliessungshalle, die für verschiedene Aktivitäten genutzt werden kann. Die Halle wird einladend wirken und eignet sich dereinst auch für spontane Anlässe. Das alles sind Merkmale eines funktionsfähigen Zentrums. Ein solches steht nicht ausschliesslich den Behörden zur Verfügung, sondern genauso den Einwohnern der Gemeinde. Das Unterengstringer Wappen an der Fassade symbolisiert diese Offenheit.

Auch wechselt das Gemeindehaus seinen Standort: Heute ist es an der Weiningerstrasse beheimatet, dereinst wird es an der Dorfstrasse sein. Dies nannten sie «verheissungsvoll». Was meinen Sie damit?

Die archäologischen Funde, die während des Sommers zutage gefördert wurden, zeigen, dass hier bereits vor rund 3000 Jahren eine Siedlung bestand. Dass nun in der Neuzeit auf einem wunderbaren Fundament von historischer Bedeutung ein Gemeindehaus realisiert werden kann, finde ich einfach fantastisch.