Vielen sind die grossen Plakate noch in Erinnerung: Im Rahmen einer Rekrutierungskampagne suchten die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) im vergangenen Jahr nach «flinken Kellnerinnen» und «ambitionierten Coiffeusen». 

Der Buschauffeur

Der 29-jährige Daniel Behr ist gebürtiger Bremer und kam vor vier Jahren wegen der Anstellung bei den VBZ in die Schweiz. Er bewarb sich, weil er von einem Bekannten erfuhr, dass hier in der Region Zürich Chauffeure gesucht werden. Von Beginn an wohnte er im Limmattal. Erst in Oberengstringen, dann in Spreitenbach und nun in Schlieren.
Oft fährt er die Busse der Nummer 31 nach Schlieren, aber auch in den Nummern 304, 308 und seltener in der 307 ist er ab und zu im Limmattal hinterm Steuer anzutreffen. (aru)

Das Ziel dieser Aktion: Der Personalmangel bei Bus- und Tramchauffeuren sollte mit einer Erhöhung des Frauenanteils bekämpft werden. Der Erfolg gab der VBZ recht.

Wie Personalchef Jörg Buckmann auf Anfrage sagt, liegt der Frauenanteil bei den Bewerbungen aktuell bei 40 Prozent, vor fünf Jahren war er noch halb so hoch.

Von den 1500 Bus- und Tramchauffeuren sind aktuell rund 30 Prozent weiblich. «Diese Werbemassnahmen haben so gut gewirkt, dass die Personalrekrutierung kein Problem mehr ist.» Die Haltung, dass der Chauffeur-Beruf eine reine Männerdomäne sei, verschwinde allmählich aus den Köpfen der Menschen, ergänzt er. «Bis wir aber eine Geschlechterquote von jeweils 50 Prozent aufweisen, braucht es noch ein bisschen Zeit», so Buckmann. 

Die Spezialisten des öffentlichen Verkehrs

Beinahe in jedem Lebensbereich gibt es Spezialisten. Seit kurzem hat die Schweiz 20 neue davon. Wie der Verband öffentlicher Verkehr (Vöv) mitteilte, absolvierten 20 Berufsleute aus Unternehmen des nationalen, regionalen oder lokalen öffentlichen Verkehrs die Ausbildung zum «Spezialist öV». Sie erhielten im Juni den Fachausweis.

Die 20 Absolventen sind erst der vierte Jahrgang, der diese Ausbildung abschliesst. Inhaltlich werden Themenbereiche wie Angebotsplanung, Marketing, Verkauf und Führung von Mitarbeitern behandelt. (aru)

Einen Vorschlag, wie sich dieser Prozess beschleunigen liesse, liefert ein Chauffeur aus dem Korps der VBZ. Der Schlieremer Daniel Behr befährt mehrere Linien in der Stadt Zürich, am Zürichsee und im Bezirk Dietikon. Der gebürtige Deutsche verfasste im Rahmen seiner Weiterbildung zum «Spezialist öV» (siehe Kontext) vom Verband öffentlicher Verkehr (Vöv) eine Projektarbeit, die sich mit dem Thema Teilzeitarbeit auseinandersetzt.

«Der Personalbedarf während der Hauptverkehrszeiten am Morgen und am späteren Nachmittag ist bei den VBZ besonders gross: Die Personalplanung ist also zentral», sagt er.

Dabei sei es so, dass der Arbeitsplan teilweise grosse Pausen vorsieht. Bis zu sechs Stunden würden diese bei einer Präsenzzeit von bis zu 14 Stunden betragen, so Behr. «Bei einer kleinen Befragung zeigte sich, dass viele Mitarbeiter gerne auf solch grosse Pausen verzichten würden.»

So gestaltete der 29-Jährige elf neue Dienstnummern. Dabei handelt es sich um einen fixen Einsatzplan, in dem die zu befahrenden Strecken vorgegeben sind. Der Einsatzplan der VBZ setzt sich aus einer Vielzahl solcher Dienstnummern zusammen, bei denen jeweils die Chauffeure rotieren.

Im Fokus standen die Dienstnummern der Buschauffeure des Busdepots Hardau, wo auch Behr arbeitet. Zu Beginn definierte er die Bedürfnisse derjenigen Mitarbeiter, die sich für eine Teilzeitanstellung interessieren. «Fest stand von Anfang an, dass Sonntage ohne Arbeitseinsätze sein sollten und es keine derart langen Pausen geben sollte», sagt er.

Dabei stellte sich heraus, dass die VBZ-Dienstnummern zwar während der morgendlichen Spitzenzeiten ein Teilzeit-Pensum vorsehen, es dies für den Nachmittag jedoch nicht gibt. «In meinem Modell würden die Teilzeit-Arbeitnehmenden entweder morgens oder nachmittags rund vier bis fünf Stunden eingesetzt werden und hätten danach frei, ohne dabei in einer Pause auf ihren nächsten Einsatz zu warten», so Behr.

Der Schlieremer sieht in dem von ihm kreierten Dienstplan grosse Vorteile: «Die Mitarbeiter haben damit eine grosse Planungssicherheit. So ist über das ganze Jahr hinweg bestimmt, wann man frei hat und wann gearbeitet wird», so Behr. Dies ist zurzeit nicht bei jedem Dienstplan der Fall. Vor allem für Mütter oder Menschen, die neben der VBZ noch eine andere Stelle antreten möchten, sei es schwierig abzuschätzen, wann sie andere Verpflichtungen eingehen können.

Mit dieser Arbeit hat er die Ausbildung zum Spezialist öV bestanden, doch wie geht es nun weiter damit? «Es wäre natürlich grossartig, wenn die VBZ dieses Dienstmodell aufnehmen würden», sagt er. Während der Entwicklung habe er vom VBZ-Planer in Erfahrung gebracht, dass eine Umsetzung theoretisch möglich sei.

Seinem Arbeitgeber hat er das fertig ausgearbeitete Modell noch nicht vorgelegt, dies werde er jedoch bald tun. Vonseiten der VBZ zeigt man sich interessiert und beeindruckt. «Mitarbeiter zu haben, die einen solchen Effort erbringen, sind für jedes Unternehmen ein Glücksfall», sagt Jörg Buckmann.