Auf dem Parkplatz stehen acht Kühlfahrzeuge bereit. «Mindestens sieben sind immer im Einsatz», sagt Christian Illi. Er ist seit zwei Jahren Leiter der Region Zürich der Schweizer Tafel. Diese sammelt überschüssige, einwandfreie Lebensmittel von Grossverteilern ein und verteilt sie an gemeinnützige Organisationen. «Diese Lebensmittel würden sonst einfach weggeschmissen», sagt Illi. In der Schweiz ist dies an der Tagesordnung: «Jeden Tag landen mehrere Tonnen Lebensmittel im Abfall.»

Illis Team besteht aus Freiwilligen, Personen aus Arbeitslosenprogrammen und Fürsorgebezügern. «Das ist nicht immer einfach», sagt Illi. Doch: «Wir möchten diesen Menschen einen geregelten Tagesablauf geben.» Zurzeit hätten sie auch noch drei Zivildienstleistende im Einsatz, so zum Beispiel den 25-jährige Stefan Liechti.

Um halb neun Uhr morgens ist es Zeit, aufzubrechen. Wie jeden Tag erhält Liechti vom Leiter einen genauen Fahrplan. Acht Stationen zählt die Route – darunter befinden sich zwei Grossverteiler aus dem Limmattal. Beim Coop Geroldswil hat man sich vorbereitet. Fünf Kisten voll Obst und Gemüse stehen am Lieferanteneingang bereit. «Die Qualität ist erschreckend gut», sagt Liechti mit Blick auf die leuchtenden roten Erdbeeren.

Täglich sammelt die Schweizer Tafel rund 15 Tonnen Lebensmittel ein. «In einem Jahr ist das so viel, dass man damit ein Mittagessen für die gesamte Schweizer Bevölkerung kochen könnte», sagt Daniela Rondelli Stromsted, Geschäftsleiterin der Schweizer Tafel.

Eine echte Hilfe

Nach einem weiteren Stopp beim Coop Schlieren ist das Kühlfahrzeug voll. Stefan Liechti parkiert vor dem Holzhaus des Mittagstischs Baobab in Schlieren. Sofort öffnet sich die Türe. Liechti wird herzlich begrüsst. «Was hast du heute Schönes für uns?», fragt Nuray Erler, Leiterin des Mittagstischs. Dann beginnen die Verhandlungen: Wie viele Lebensmittel jede Institution bekomme, liege im Ermessen des Fahrers, sagt Liechti. «Es muss einfach für alle reichen.»

Die Sozialarbeiterin freut sich an der Ausbeute: «Das Gemüse und Obst können wir gleich für das Mittagessen verwenden.» Und der Kuchen werde zum Dessert gereicht. «Dass uns die Schweizer Tafel drei Mal in der Woche Lebensmittel bringt, ist eine echte Hilfe», so Erler. Übrig gebliebene Ware könnten sie anschliessend noch an die Gäste, Randgruppen mit Suchtproblemen, verteilen. Nach sieben Stunden Autofahrt ist Liechti immer noch nicht müde. «Das viele Fahren macht mir nichts aus.» An der Arbeit gefalle ihm der soziale Aspekt. Er hätte nicht gedacht, dass es so viele bedürftige Menschen in der Schweiz gebe. Geschäftsleiterin Rondelli: «Bis jetzt sind wir in rund elf Regionen in der Schweiz tätig. Unser Ziel ist, das Netzwerk weiter auszubauen. Wir möchten so viele Menschen wie möglich erreichen.»