Anna Tosca nimmt es gelassen, dass sie von Zweibeinern in roten, blauen, kariertem Outfit umgeben ist statt – wie sonst immer – von lauter Grünröcken. Anna Tosca ist eine Deutsche Kurzhaar-Hündin und ihr Meister ist Alfred Füllemann, Obmann der Jagdgesellschaft Dietikon. Mit Revierförster Felix Holenstein und Mike Grendelmeier, dem Präsidenten der Holzkorporation Dietikon, stehen Herr und Hund vor der Lorenzhütte im Honeretwald, inmitten einer Schar von gegen 50 zumeist schon etwas bejahrten Frauen und Männern. Erwartungsfroh sind sie der Einladung des Stadtvereins Dietikon gefolgt, um die kleinen und grossen Geheimnisse des Waldes zu entdecken.

Mit 250 Hektar nimmt der Wald ein Drittel der Gesamtfläche Dietikons ein. «Pro Jahr wachsen jeweils zwei bis zweieinhalb Kubik Holz nach, eine entsprechende Menge entnehmen wir», so Revierförster Holenstein. Grosse Sorgen bereitet ihm und seinen Berufskollegen in ganz Europa das unaufhaltsame Sterben der Eschen, verursacht durch einen Pilz. «Über kurz oder lang werden dadurch rund 14 Prozent des Holzvolumens im Dietiker Wald ausfallen.»

Maroni, aber kein Wildschwein

Linden, Birken, Kirschbäume, Ahorn, Eiche – die Vielfalt an Laubbäumen in Honeretwald ist gross. Die Frage eines Exkursionsteilnehmers, wie es den Maronibäumen gehe, quittierte der Revierförster schmunzelnd mit «aha ein Geheimtipp», und bestätigt, dass sie gut gedeihen würden.

«Im Unterholz mit Gebüsch und Totholz hat es das Rehwild in diesem schönen Wald gut», so Jäger Füllemann. Austrittsmöglichkeiten allerdings fehlen, da der Wald in Dietikon fast ausschliesslich an Strassen und andere überbaute Flächen grenzt. Umso glücklicher sind die Jäger, dass sich die Korporation nach dem Sturm Lothar einverstanden erklärt hat, eine kleine Fläche nicht aufzuforsten. So können die Rehe nun doch auch auf einer Wiese äsen. Mindestens 14 und höchstens 19 Rehe müssen dieses Jahr erlegt werden. «Das wird uns so vorgeschrieben. Bisher haben wir zwei Tiere geschossen, zwei weitere wurden von Bahn oder Auto überfahren.» Einem Wildschwein begegnet man in Dietikon übrigens nicht. «In Weiningen hingegen schon. Eisen- und Autobahn verhindern ein Vordringen», so Füllemann.

Christa Glauser, die Präsidentin des Natur- und Vogelschutz-Vereins, zeigt bei einer weiteren Exkursion auf, wie wichtig abgestorbene Baumstämme und vermoderndes Holz als Basis für neues Leben sind. «Rund 5000 Arten sind auf diesen Lebensraum angewiesen.» Allein in der Schweiz gedeihen 2500 Pilzarten auf Totholz; in Mitteleuropa leben darin oder darauf 1377 Käferarten. Dazu kommen über 600 Flechten- und mehrere Hundert Moosarten.

Am Ende lockt der Grill

Über drei Stunden hinweg werden die Ohren und Augen der Besucherinnen und Besucher prall gefüllt mit Eindrücken. Peter Lüscher vom Pilzverein informiert etwa über den Gewimperten Erdstern, den Flockenstieligen Hexenröhrling und 49 andere ungeniessbare, giftige oder essbare Pilze. Von Letzteren zu kosten, ist auf dieser Exkursion nicht nötig: Bei Würsten vom Grill tauschen sich die Teilnehmer am Ende über die Wunder des Waldes aus.