Das Schlieremer Parlament werde nie unter freiem Himmel tagen – es sei denn, es wünsche das, versicherte Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel dem Gemeinderat im Jahr 2014. Schon damals war bekannt, dass der Mietvertrag für den Salmensaal, den die Stadt zurzeit als Veranstaltungslokal und als Gemeinderatssaal nutzt, nach Ablauf am 31. Januar 2017 nicht mehr erneuert werden soll. Von einem neuen Stadtsaal, der den Salmensaal dereinst ablösen wird, ist ausserdem schon seit über zehn Jahren die Rede. 

Albert Schweizer, Bereichsleiter Liegenschaften: «Ich bin sicher, dass der Stadtsaal besser ankommen wird als damals die Eventhalle.»

Albert Schweizer, Bereichsleiter Liegenschaften: «Ich bin sicher, dass der Stadtsaal besser ankommen wird als damals die Eventhalle.»

Nun wird die Sache allmählich konkreter: Ein erster Entwurf einer Machbarkeitsstudie bestärkt den Stadtrat in seinen Plänen, den Bau eines Saals auf der Westseite des künftigen Stadtplatzes voranzutreiben. Dort, wo heute eine meist ungenutzte Wiese liegt, soll auf einer Fläche von rund 7000 Quadratmetern ein parkgesäumtes Gebäude entstehen, das rund 600 Sitzplätze in einem grossen Saal, mehrere weitere Räume und 86 Tiefgaragen-Parkplätze bietet. Auch weitere «städtische Mantelnutzungen» könnten darin Platz finden: «Bis der Stadtsaal stehen würde, dürfte auch der Platz im Stadthaus und anderen städtischen Infrastrukturbauten knapp werden», sagt Albert Schweizer, Bereichsleiter Liegenschaften.

Demnächst wird dafür eine Planungskommission einberufen. Einfach so drauflosplanen kann diese aber nicht: Der Stadtsaal muss mit dem Stadtplatzprojekt «Flügel» und dem als flankierende Massnahme zur Limmattalbahn geplanten Verkehrskreiselprojekt des Kantons koordiniert werden. Nur dank diesen Plänen findet der Saalbau im Zentrum überhaupt Platz: Er soll auf der Wiese innerhalb der Ringstrasse sowie einem Teil der heutigen Badenerstrasse zu stehen kommen; diese wird auf der Südseite des Platzes nämlich einspurig und westlich der Kreiselstrasse gänzlich aufgehoben. Der Kanton will diese «alte» Badenerstrasse auf der Höhe zwischen Uitikonerstrasse und Chilbiplatz der Stadt zum Kauf anbieten. So kann diese ein zusammenhängendes Zentrumsgebiet schaffen, das sich vom Stadtplatz via Stadtsaal und Kirchgasse bis zum Park um die reformierte Kirche erstreckt. Auch die heutige Unterführung zur Uitikonerstrasse wird dadurch hinfällig.

Stadt wünscht «mutiges Projekt»

Der Saal in der neuen Schlieremer Mitte soll das Zentrum nicht verbauen, wie Schweizer erklärt: Der Stadt schwebe ein ein- bis eineinhalbgeschossiger Bau vor, der die Sicht auf den Stadt- und Kirchpark nicht verstellt und sich harmonisch in die Umgebung einfügt – vor allem zum gegenüberliegenden Parkside müsse er passen. Das Gebäude darf optisch aber auch nicht untergehen: «Das Projekt soll schon auch etwas mutig sein», sagt Schweizer.

Wie sich diese Wünsche in die Tat umsetzen lassen, wird erst der Architekturwettbewerb zeigen, der bis September 2017 abgeschlossen sein soll. Bis dahin prüft die Stadt Investoren- und Betreibermodelle und beantragt dem Parlament, einen Wettbewerbskredit zu bewilligen. Der städtische Finanzplan sieht vor, dass die Stadt den Rohbau von privaten Investoren erstellen lässt und den Innenausbau selbst erledigt. Ob es dabei bleibt, zeigen aber erst die Businesspläne und Marktanalysen, die nun erstellt werden.

Klar ist aber, dass der neue Bau erst rund fünf Jahre nach Ablauf des Salmen-Dienstbarkeitsvertrags bereitstehen wird. Denn an die Urne gelangt die Vorlage voraussichtlich 2019. Und bis der Saal dann bezugsbereit ist, wird es laut Albert Schweizer noch einmal gut drei Jahre dauern. Wo in der Zwischenzeit die städtischen Veranstaltungen und die Gemeinderatssitzungen durchgeführt werden, sei noch nicht klar, sagt Schweizer. Optionen wären die Aula des entstehenden Schulhauses Reitmen oder für gewisse Veranstaltungen auch die Sporthalle Unterrohr.

Vielleicht könne man sogar den Salmen doch noch bis 2022 weiter benutzen. Dafür müsste allerdings der heutige Pächter des Restaurants einen grossen Schritt auf die Stadt zugehen. Die heutige Situation sei für die Stadt nämlich «nicht zufriedenstellend», wie der Stadtrat in seinem Beschluss schreibt. «Wir werden viel zu wenig als Kunde wahrgenommen», erläutert Schweizer; besonders das Buchungswesen und die Sauberkeit führe immer wieder zu Ärger. Zudem hat der in die Jahre gekommene Salmensaal ein Lärmproblem: Zwar funktioniert die Akustik im Innenraum gut, doch die ungenügende Schallabdichtung nach aussen habe schon mehrmals für Reklamationen der Anwohner gesorgt.

Schweizer ist überzeugt, dass dem Stadtsaal ein besseres Schicksal beschieden sein wird als dem 2013 geplanten Kultur- und Kongresszentrum «Destination Schlieren». Dieses hätte unter anderem ebenfalls als Salmen-Ersatz dienen sollen, sah mit 3000 Sitz- oder 6000 Stehplätzen aber bedeutend grössere Dimensionen vor. Die Pläne wurden nach kurzer Zeit wieder verworfen; an einem Workshop zur Stadtentwicklung hatte sich gezeigt, dass das Grossprojekt beim Volk auf Widerstand stossen würde. Da der Stadtsaal einiges kleiner würde und zudem auf städtische und regionale Veranstaltungen anstelle überregionaler fokussiert, «bin ich sicher, dass er besser ankommen wird als damals die Eventhalle», so Schweizer.