Der konsequente Miteinbezug der Bevölkerung war ein Hauptgrund, weshalb das renommierte Frankfurter Architektur- und Planungsbüro Albert Speer & Partner (AS&P) den Zuschlag für die Schaffung eines neuen Stadtentwicklungskonzepts für Schlieren erhalten hat. Wie dieser Einbezug aussieht, zeigte sich am Dienstagabend im Salmensaal. In schummrigem Licht machten sich rund 80 Einwohner Gedanken darüber, wie ihre Stadt in Zukunft aussehen soll.

Einleitend betonte der Schlieremer Bau- und Planungsvorstand Markus Bärtschiger (SP), dass es darum gehe, zu sagen, was man an Schlieren gut finde und was eher nicht. AS&P-Projektleiter Michael Heller präzisierte, dass seine rund ein Dutzend Planer und Architekten umfassende Delegation nicht mit konkreten Lösungen, sondern viel eher mit Eindrücken aus der Bevölkerung nach Frankfurt zurückkehren wolle. Die Bereiche Verkehr, Städtebau und Freiräume sowie Sonstiges sollten besprochen werden.

Viel Potenzial am Stadtrand

Doch stellte Heller dem Schlieremer Publikum Erkenntnisse über die Stadt vor, die sein Büro innert der ersten Wochen der Projektarbeit festgestellt hatte. So erachtet es AS&P als sinnvoll, die Grünflächen beim Zelgliquartier und beim Gaswerk-Areal nicht zu überbauen. «Diese bilden nicht nur einen wichtigen Freiraum, sondern ermöglichen auch das Absinken der kalten Luft während der Nachtstunden», so Heller. Auch betonte er, dass Hochhäuser nicht an einem beliebigen Ort gebaut werden sollen: «Wenn Hochhäuser, dann sollen sie der Stadt eine Gestalt geben. Beispielsweise in Bahnhofsnähe würden sie dies tun.»

Heller sieht zudem viel Potenzial an Schlierens Rändern. «Die Umgebung um den Bahnhof Urdorf oder der Limmatabschnitt an der Grenze zu Unterengstringen könnten attraktiver gestaltet werden.» Dazu müsse aber der Dialog mit den Nachbargemeinden gesucht werden.

Nun sollte diskutiert werden. Die anwesenden Schlieremer verteilten sich auf vier Tische und besprachen sich in den vier Themenfeldern. Anschliessend resümierten die Moderatoren das Besprochene im Plenum (siehe Kontexte).

Aus diesen Erkenntnissen entwickeln die Planer während der kommenden Monate erste Entwürfe für das neue Stadtentwicklungskonzept. Diese sollen der Öffentlichkeit am 23. Januar im Rahmen einer zweiten Werkstatt präsentiert werden.

Mobilität

Hier orten die Schlieremer einen Konflikt zwischen dem Gewerbe- und dem Anwohnerverkehr. Die Ost-West-Verbindungen erhalten dabei gute Noten, der Norden und Süden der Stadt seien aber noch zu wenig miteinander verbunden. Auch wünschten die Diskutierenden, dass die Verkehrsplanung nicht auf den motorisierten Individualverkehr fokussiert, sondern dass auch auf Fuss-und Velowege wie auch auf den öffentlichen Verkehr ein Augenmerk gelegt wird. Ob Letzterer in Form einer Limmattalbahn oder eines Elektrobusses realisiert wird, sei in der Gruppe zwar diskutiert worden. In Anbetracht der bevorstehenden Abstimmung über die Limmattalbahn wurde jedoch nicht genauer darauf eingegangen. Auch erfreue sich der S-Bahnhof Urdorf grosser Beliebtheit. Der Grund: Steige man dort in die Bahn, sei die Chance auf einen Sitzplatz grösser als beim Schlieremer Bahnhof.

Städtebau

Aus Schlieren zu kommen, bringe auch eine gewisse Scham mit sich, sagten einige Einwohner in der Diskussionsgruppe «Städtebau». Dies rühre daher, dass die Stadt kein schönes Zentrum habe. Die Meinungen, wie man dies angehen könnte, gingen auseinander. Streitpunkt war die Frage, ob auf ein städtisches Zentrum oder aber auf mehrere Subzentren in den Quartieren geachtet werden solle. Die Entwicklung der Stadt in den Bereichen Bautätigkeit und Einwohnerzahl bereitet den Einwohnern ebenso wenig Kopfschmerzen wie der Bau von Hochhäusern. «Schlieren hat keine Angst vor Urbanität», so das Resümee des Gesprächsleiters. Durchaus müsse bei Hochhäusern jedoch auf die architektonische Qualität geachtet werden. Einfamilienhäuser seien zwar noch immer ein Thema. Dass diese Wohnform künftig aber ein Privileg sei, verstünden die Diskutierenden jedoch.

Freiräume

Nicht nur im Bereich Verkehr sorgte die Nord-Süd-Verbindung durch die Stadt für Gesprächsstoff, auch in der Gruppe «Freiräume» wurde sie thematisiert. Die Siedlungsgebiete gehören besser vernetzt, so der Tenor. Beim Limmatbogen an der Grenze zu Unterengstringen orten die Einwohner grosses Potenzial für öffentliche Freiräume. So sei das Limmatufer bereits heute ein Naherholungsgebiet, doch gebe dort auch Nutzungskonflikte zwischen Fussgängern, Radfahrern und Sportlern. Die bestehenden Parks und Grünflächen der Stadt sollen nicht nur erhalten bleiben, sondern aufgewertet werden. Beispielsweise biete attraktives Sitzmobiliar die Chance, Begegnungsräume zu erhalten. Dass der Stadtpark vergrössert werden soll, stösst auf Anklang. Auch auf dem Schlierenberg sei laut Anwohnern eine öffentliche Nutzung in Form von Grillmöglichkeiten wünschenswert.

Sonstiges

Themen, die nicht in die anderen Diskussionsrunden passten, wurden in der Gruppe «Sonstiges» besprochen. Dabei ging es vornehmlich darum, was Schlieren zu bieten hat oder was den Menschen, die hier wohnen, fehlt. Einwohner, die oft ins benachbarte Zürich gehen, tun dies des kulturellen und kulinarischen Angebots wegen. Die Diskutierenden nehmen Schlieren noch immer als Dorf wahr, was es aber längst nicht mehr sei. Auch werden in Schlieren verschiedene Quartierzentren vermisst. Zum Thema wurde zudem der hohe Ausländeranteil der Stadt. Mehr Begegnungsräume sollen dafür sorgen, dass die verschiedenen Bevölkerungsgruppen besser zueinanderfinden. Lob gab es vonseiten der Diskutierenden für die Stadt. Dass Schlieren vorwärtsmacht und sich aktiv für die Attraktivität des Ortsbildes einsetze, wurde als positiv bewertet.