Sparen bei der Bildung ist ein Zankapfel. Dies zeigte die Podiumsdiskussion von Mittwoch an der Kantonsschule Limmattal in Urdorf zu den Sparplänen der Zürcher Regierung. Ohne konkret zu werden, kündigte die Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) Massnahmen an.

Nur die Zahl ist bekannt – jährlich sollen 49 Millionen Franken bis 2019 beim Bildungsbudget gekürzt werden. Auf die Mittelschulen entfallen davon 18 Millionen, was 5 Prozent des Gesamtbudgets entspricht. Als Replik darauf wurde der «Tag der Bildung» ins Leben gerufen, der Sparen bei Schulen zum Thema machte.

Unter der Leitung der Chefredaktorin der Limmattaler Zeitung, Bettina Hamilton-Irvine, diskutierten die Kantonsräte Rochus Burtscher (SVP), Cäcilia Hänni-Etter (FDP) und Monika Wicki (SP). Res Marti (alt Kantonsrat, Grüne) und der Schlieremer Stadtrat Stefano Kunz (CVP) komplettierten das Quintett.

Schnell kristallisierten sich auf bürgerlicher Podiumsseite einige Bereiche heraus, bei denen durchaus Sparpotenzial vorhanden sei. Eine Erhöhung der Schülerzahl pro Klasse wurde von Bildungsdirektorin Silvia Steiner zwar bereits im Vorfeld verworfen, nicht zuletzt, weil das Volk einen solchen Schritt jüngst abgelehnt hatte.

Doch sollte auch dies in Betracht gezogen werden, fand zumindest Burtscher: «Zu meiner Sekundarschulzeit waren wir 28 Schüler pro Klasse. Kein Hahn krähte nach einer Reduktion dieser Zahl.» Kunz rief die Kantonsschüler dazu auf, sich zu fragen, wie sich der Unterricht mit zwei zusätzlichen Schülern verändern würde: «Auf der Stufe Mittelschule wären mehr Schüler pro Klasse für mich eine Option», so Kunz.

Den Fokus bei einem anderen Thema setzte Hänni-Etter, als sie die Freifächer ins Gespräch brachte: «Hier könnten verschieden Mittelschulen besser zusammenarbeiten. Beispielsweise indem sie schlecht besuchte Freifächer zusammenlegen.» Sie glaube nämlich nicht, dass der vom Kanton ausgegebene Bildungsfranken linear mit der Qualität der Bildung zusammenhänge. Es könne also gespart werden, ohne dass die Schüler dies zu spüren bekämen, sagt sie.

Auch Burtscher fasste die Freifächer für Sparmassnahmen ins Auge. Er spannte den Gedanken aber sehr viel weiter, als Hänni-Etter dies getan hatte: «Im Sinne der Eigenverantwortung könnten für den Besuch solcher Fächer auch die Eltern aufkommen. So würden die Freifächer auch sicherlich sinnvoll genutzt», sagte er.

Schwere Konsequenzen

Auf der linken Podiumsseite stiess dieser Vorschlag auf keine Gegenliebe: «Freifächer gegen Bezahlung würden dazu führen, dass die Unterrichtsqualität abnimmt, wohlhabende Eltern ihre Kinder vermehrt in Privatschulen schicken und die soziale Durchmischung darunter leiden würde», monierte Wicki.

Damit würden die Bürger das demokratische Instrument der Bildung aus den Händen geben. Darüber hinaus betonte sie, dass der Kanton bereits seit Jahren im Bereich Bildung spare. Dabei gelte es zu beachten, dass sich das Schulsystem seit seinen Ursprüngen stets organisch weiterentwickelt und neuen Gegebenheiten angepasst habe.

Folglich sei es bereits heute sehr effizient: «Sparmassnahmen in der Höhe von knapp 50 Millionen Franken können daher schwere Konsequenzen haben, derer wir uns erst bewusst werden müssen.» Ginge es nach Marti, müsste bereits heute mehr in die Bildung investiert werden, um dem herrschenden Fachkräftemangel begegnen zu können. «Als Ausgleich könnte auch beim Militär gespart werden. Doch davon spricht niemand.»

Lehrer finden würde schwierig

Dass man die Sparmassnahmen nicht aus Schülersicht, sondern durchaus auch aus Sicht der Lehrer angehen könne, versuchte Burtscher beliebt zu machen. «Bei gleichbleibendem Lohn das wöchentliche Unterrichtspensum um eine Stunde erhöhen, kann ich mir auch vorstellen», sagte er.

Eine Votantin aus dem Publikum verwies auf die bereits heute sehr hohe Quote an Burnout-Erkrankungen bei Lehrpersonen. Burtscher liess dies nicht gelten und hielt an seinem Vorschlag fest. Für Wicki war jedoch klar, dass es für die verschiedenen Schulstufen qualifiziertes Lehrpersonal brauche: «Es wird stets schwieriger, Lehrer zu finden, wenn wir die Anstellungsbedingungen verschlechtern.»

Obwohl er nicht Teil der Podiumsdiskussion war, ergriff Werner De Luca, Rektor der Kantonsschule Limmattal, am Schluss das Wort. Er betonte die Dialogbereitschaft der Mittelschulen gegenüber der Bildungsdirektion mit ihren Sparplänen: «Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder gespart. Einsparungen in der verlangten Höhe sind jedoch ohne Einbussen bei der Unterrichtsqualität nicht möglich. Dessen bin ich mir sicher», so De Luca.

Das halten Schüler der Kantonsschule Limmattal von den Sparplänen der Zürcher Bildungsdirektion

<p>«Da meine Eltern beide Lehrpersonen sind, ist mir bewusst, wie viel Einsatz sie in ihren Unterricht stecken. Meiner Meinung nach sollte darüber gesprochen werden, dass Lehrer besser verdienen, anstatt ihnen eine zusätzliche Wochenstunde aufzubürden. Bei der Bildung, der Sicherheit und Gesundheit sollte schlichtweg nicht gespart werden.»</p>

Nicolas Graf aus Bonstetten

«Da meine Eltern beide Lehrpersonen sind, ist mir bewusst, wie viel Einsatz sie in ihren Unterricht stecken. Meiner Meinung nach sollte darüber gesprochen werden, dass Lehrer besser verdienen, anstatt ihnen eine zusätzliche Wochenstunde aufzubürden. Bei der Bildung, der Sicherheit und Gesundheit sollte schlichtweg nicht gespart werden.»

<p>«Ich finde den Vorschlag, für den Besuch von Freifächern aus der eigenen Tasche aufkommen zu müssen, sehr problematisch. Dies, weil auf diese Weise Schüler aus einkommensschwachen Familien benachteiligt würden. Für die Schweiz und ihre Demokratie ist die Bildung eine enorm wichtige Ressource, daher halte ich Sparpläne in diesem Bereich für gefährlich.»</p>

Nina Mayer aus Urdorf

«Ich finde den Vorschlag, für den Besuch von Freifächern aus der eigenen Tasche aufkommen zu müssen, sehr problematisch. Dies, weil auf diese Weise Schüler aus einkommensschwachen Familien benachteiligt würden. Für die Schweiz und ihre Demokratie ist die Bildung eine enorm wichtige Ressource, daher halte ich Sparpläne in diesem Bereich für gefährlich.»

<p>«Wo gespart werden soll, ist zwar offiziell noch nicht bekannt. Man kann sich aber denken, dass dies bei den Freifächern sein wird. Das finde ich sehr schade, da diese Fächer die Motivation steigern. Dies, weil die Schüler sich eigenverantwortlich für ein Freifach entscheiden. Es liegt in ihrem Ermessen, ob sie der Besuch eines Freifachs weiterbringt oder nicht.»</p>

Timy Litscher aus Geroldswil

«Wo gespart werden soll, ist zwar offiziell noch nicht bekannt. Man kann sich aber denken, dass dies bei den Freifächern sein wird. Das finde ich sehr schade, da diese Fächer die Motivation steigern. Dies, weil die Schüler sich eigenverantwortlich für ein Freifach entscheiden. Es liegt in ihrem Ermessen, ob sie der Besuch eines Freifachs weiterbringt oder nicht.»

<p>«Die Schülerorganisation der Kantonsschule Limmattal, die ich präsidiere, ist der Ansicht, dass Sparen bei der Bildung einem Sparen bei der Zukunft gleichkommt. Aus diesem Grund sprechen sich auch alle Schülerorganisationen der Mittelschulen des Kantons Zürich im Rahmen des Tags der Bildung gegen diese Sparpläne aus.»</p>

Margaux Beuchat aus Arni

«Die Schülerorganisation der Kantonsschule Limmattal, die ich präsidiere, ist der Ansicht, dass Sparen bei der Bildung einem Sparen bei der Zukunft gleichkommt. Aus diesem Grund sprechen sich auch alle Schülerorganisationen der Mittelschulen des Kantons Zürich im Rahmen des Tags der Bildung gegen diese Sparpläne aus.»