Ein friedlicher Samstagnachmittag in Unterengstringen. Doch was passiert dort auf einem der Garagenvorplätze? Eben ist ein riesiger Militär-Oldtimer vorgefahren, aus dem mehrere Soldaten in Tarnbekleidung aussteigen.

Nicht umsonst wird vor dem Haus an der Dorfstrasse solch schweres Geschütz aufgefahren: Es gilt, einem «General» einen gebührlichen Empfang zu bereiten.

Mit dem Stabsoffizier Stefan Guggisberg hat der ehemalige Hauskater der Kaserne Birmensdorf einen seines hohen Ranges würdigen Nachfolge-Vater gefunden.

Das schwarz-weisse Büsi, das mehrere Jahre in der Kaserne gewohnt hatte, wurde vergangenen November vor die Tür gesetzt, weil es sich zu oft unerlaubterweise in die Küche schlich.

Das Tierheim Pfötli im Zürcherischen Winkel beherbergte die unehrenhaft entlassene Militärkatze und führte die nötigen Impfungen durch, damit sie so rasch als möglich neuvermittelt werden konnte.

Über Mangel an Bewerbern konnte sich der «General» nicht beklagen. Die Nachricht, dass er zur Adoption freistand, hatte sich – vor allem in Militärkreisen – in Windeseile herumgesprochen. Der «General» war innert weniger Tage zur begehrtesten Katze weit und breit geworden.

Der «General» inspiziert seine neuen Privatquartiere in Unterengstringen.

Der «General» inspiziert seine neuen Privatquartiere in Unterengstringen.

Schlachtpläne beim Fondue

Auch die beiden Soldaten Christoph Wolleb und Stefan Guggisberg sprechen an einem Fondueabend im November über die ranghöchste Katze der Schweiz.

Guggisbergs Katze war vor einigen Monaten gestorben. Der General schien dem Geschäftsführer ein würdiger Nachfolger. Auf sein Mail ans Tierheim Pfötli, das der Oberst stilgerecht im militärischen Jargon verfasste, kam folgende Antwort zurück: «Zurzeit ist der General noch in Einzelhaft, zwecks Beobachtung seiner Gesundheit. Da er sich bis jetzt jedoch gut hält, wird die Arrestzeit wahrscheinlich von kurzer Dauer sein.»

Pünktlich einen Tag nach des Katers Arrestzeit meldete sich Guggisberg erneut, durfte das Büsi in Winkel besuchen und erhielt ein paar Tage darauf die Bestätigung, dass er als glücklicher Vater auserwählt worden sei.

«Das Ganze lief so problemlos ab, dass ich dachte, ich wäre der einzige Bewerber für den «General», sagt Guggisberg. Um eine strenge Inspektion wird der Oberst jedoch nicht herumkommen. In ein paar Wochen werden ihn Angestellte des Tierheims «Pfötli» besuchen, um zu prüfen, dass das Tier in guten Händen ist.

Mit seinen Militärkumpanen Dominik Reinhard, Jürg Näf und Katzen-Götti Christoph Wolleb teilt Guggisberg die Leidenschaft für alte Militärfahrzeuge. Mit weiteren Kollegen unterhalten sie den Armeemotorfahrzeugpark Embrach, wo nicht mehr verwendete Armee-Oldtimer ausgestellt und gewartet werden.

Um den «General» seinem hohen Rang gerecht ins neue Heim zu transportieren, wählten die Freunde nichts Geringeres als einen 13,5-Tonnen-Lastwagen von 8,3 Metern Länge für den Konvoi nach Unterengstringen.

Hündin Belusa heisst den «General» stürmisch willkommen. Der sieht das eher locker...

Hündin Belusa heisst den «General» stürmisch willkommen. Der sieht das eher locker...

Freund oder Feind?

Feierlich trägt Stabsoffizier Guggisberg den «General» ins Haus, während der Rest des Empfangskomitees draussen wartet. Drinnen wartet eine Überraschung auf das Büsi in Form der 6-jährigen Hündin Pelusa.

Nach wenigen Sekunden schallt lautes Bellen durchs Haus, worauf die neugierigen Helfer sehen wollen, was passiert ist. Gerade noch sehen sie, wie ein schwarzweiss gefleckter Schatten panikartig unter der Treppe in Deckung geht.

Doch Rückzug ist eines Generals nicht würdig. Als alle am Anstossen sind, kommt er erhobenen Hauptes aus seinem Versteck und will die aufgeregte Hündin erneut konfrontieren. Es soll vorerst jedoch nur mit einem Terrassenfenster als Waffenstillstands-Garant geschehen, so hat es der erfahrene Katzenhalter Guggisberg entschieden.

Viel entscheiden wird er nicht können, immerhin steht der Kater in der Militärhierarchie einige Ränge über ihm. «Als Stabsoffizier werde ich im Haushalt der Adjutant des Generals sein. Das heisst, ich erledige alle Botengänge für ihn, putze und räume hinter ihm auf», erklärt der neue Katzenvater.

Auch die Waffenreinigung ist Arbeit eines Adjutanten, doch ist daran zu zweifeln, ob der «General» jemanden einfach so an seine Krallen lässt.

Mit der freudig wedelnden Hündin auf sicherer Distanz stolziert der Kater zum ersten Mal durch seinen neuen Palast. Ganz genehm scheint er ihm zu sein, zumal der neue Vater mit original Militärwolldecken fürs Katzenplätzli an alle Details gedacht hat.

Am meisten interessiert den «General» die Küche, verschmäht aber das für ihn bereits gefüllte Katzengeschirr. Ob er auch in der Unterengstringer «Offiziersküche» lieber von der Menschennahrung stibitzen wird?