Das grösste Pokerturnier der Welt zieht alljährlich Tausende Pokerspieler nach Las Vegas. Dieses Jahr war der amtierende Schweizer Meister im Pokern mit von der Partie. Mit dem Preisgeld, das Ramon Wicki im Februar gewonnen hatte, erfüllte er sich den lang gehegten Traum, einmal bei den Grossen mit dabei zu sein. «Schon als Kind habe ich gesagt: Dorthin möchte ich einmal», sagt Wicki.

Das Hindernis bisher war der hohe Einstand: Nicht weniger als 10 000 Dollar kostet die Teilnahme am Hauptanlass der World Series of Poker. «Für mich war klar, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen war, um mir eine Teilnahme zu leisten», sagt der Schweizer Meister. Er trat gegen mehr als 6700 Gegner aus der ganzen Welt an. Weil er einige davon bereits kannte, machte es ihm nichts aus, alleine nach Amerika zu reisen.

Am ersten Tag ausgeschieden

Die Teilnahme am Grossanlass hat dem 26-jährigen Schlieremer grossen Spass gemacht, auch wenn er nicht ganz so erfolgreich war. Schon nach dem ersten Tag ist er ausgeschieden. Das konnte seine Freude, die heute noch zu spüren ist, aber nicht trüben. Denn während seines Urlaubs von zweieinhalb Wochen blieb ihm noch genügend Zeit, auch ausserhalb des Wettbewerbs an Pokerspielen teilzunehmen.

Die Pokerrunden in Las Vegas liefen ähnlich ab wie in der Schweiz. Es sei die Dimension, die sich unterscheidet. «In Las Vegas ist alles eine Nummer grösser», berichtet Wicki. Das hat ihm sehr gut gefallen. Deshalb kann er sich vorstellen, das Mekka des Glücksspiels erneut zu besuchen.

In Kanada Französisch geübt

In Las Vegas wollte Wicki nicht das ganze Preisgeld verpulvern, denn er hatte eine zweite Reise im Sinn. Er nahm sieben Wochen unbezahlten Urlaub und flog nach Kanada. Dort besuchte er eine Sprachschule, um seine Französisch-Kenntnisse aufzufrischen. Anschliessend erkundete er die Weltstädte Montreal, Quebec und Ottawa.

Obwohl Wicki nicht primär zum Pokern nach Kanada gereist war, entdeckte er während seines Aufenthalts einen Pokerraum, der ihm besser gefallen hat als alle zuvor besuchten Spielräume. Die Möglichkeit, mit kleineren Beträgen zu spielen, habe dort eine angenehme Atmosphäre geschaffen. Zudem sei der Pokerraum hervorragend organisiert gewesen.

Auch kulinarisch fand Wicki seinen Favoriten: «Ich habe mich fast ein wenig in die ostkanadische Spezialität Poutine verliebt», gesteht Wicki. Dieses Gericht besteht aus frittierten Kartoffeln, frischem Käse und Bratensauce.

Die Gegner erkennen ihn sofort

Nicht nur im fernen Ausland versuchte Wicki sein Glück. Auch in der Schweiz spielte er in diesem Jahr häufig Poker. Dabei habe er gemerkt, dass ihn die Gegner am Tisch häufig erkannten. Eine Flut von Einladungen bescherte ihm der Schweizer-Meister-Titel allerdings nicht. «Es ist dem Pokerspieler selbst überlassen, wie viele Spiele er besucht,» sagt Wicki.

Die anfängliche Euphorie sei mit der Zeit wieder etwas abgeflaut, sagt Wicki. Als Vorbereitung auf die Titelverteidigung Ende Januar wird er deshalb wieder vermehrt pokern. Von den Erfahrungen aus Las Vegas werde er bestimmt profitieren, eine grundlegende Änderung der Spielweise hat er nicht im Sinn. Er konzentriere sich darauf, kleine Fehler zu Beginn des Spiels auszumerzen.

Der Pokal, der beim letzten Interviewtermin noch fehlte, thront jetzt im Wohnzimmer auf einem Tablar. Ob er Gesellschaft erhält, wird sich Ende Januar weisen.