Fast hätte der grösste Schweizer Tanzanlass des Jahres in Dietikon stattgefunden. In der Stadthalle. Doch dann betrat Sarah Heldner, die in Urdorf die «Tanz-Fabrik» leitet, das Schlieremer PR-Büro ihrer guten Freundin Farah de Tomi.

«Und von da an ist alles explodiert», sagt Heldner. Das Resultat dieser Explosion ist die erste Durchführung des Tanzevents «The Dance» am 30. April – im Hallenstadion, vor 9000 Besuchern, wie Heldner und ihre Mitorganisatoren hoffen.

Die Idee, an einem jährlich wiederkehrenden Grossanlass verschiedene Tanzstile aufeinanderzutreffen und gegeneinander antreten zu lassen, trug Heldner schon viele Jahre mit sich herum. Doch es kam das Leben dazwischen: Zwei Kinder, die eigene Tanzschule, die Organisation kleinerer Anlässe sorgten dafür, dass die Idee lange Idee blieb.

Es war im vergangenen Jahr, an einem Abend zuhause mit ihrem Mann, dem Ex-EHC-Urdorf-Trainer und -Natispieler Thomas Heldner, als sie dachte: «Jetzt ist die Zeit reif, es wirklich anzupacken.»

Einige Künstler, die sie im Lauf ihrer eigenen Tanzkarriere kennenlernte, hatte Heldner da schon von ihrem Vorhaben begeistern können. Nun, mit der zugesicherten Unterstützung ihres Mannes im Sack, ging es an die Umsetzung.

Heldner beäugte die Dietiker Stadthalle, dachte zuerst, ein Lokal mit rund 2500 Plätzen würde vorerst mal ausreichen. Klein starten «und dann, so nach fünf Jahren, ins Hallenstadion» – so hatte Heldner sich das vorgestellt.

«Dieses Feuerwerk an tänzerischen Leistungen wird ein breites Publikum anziehen.» Sarah Heldner «The Dance»

«Dieses Feuerwerk an tänzerischen Leistungen wird ein breites Publikum anziehen.» Sarah Heldner «The Dance»

Zwischen Laptop und Schoppen

Doch kaum war de Tomi im Spiel, «ging alles unglaublich schnell», erinnert sich Heldner. Um den Anlass auf die Beine zu stellen, wurde eine GmbH gegründet, bald nahm das Ganze Dimensionen an, die die Gründung einer Aktiengesellschaft bedingten: die «The Dance AG» mit Sitz in Schlieren. Erste namhafte Urban-Dance-Ensembles, Musikgruppen, Präsentatoren, Jurymitglieder konnten gewonnen werden.

Und als Heldner mitten im Aufgleisen des Grossanlasses merkte, dass sie zum dritten Mal schwanger war? Da war es schon zu spät, alle getane Arbeit zu verwerfen und das Ganze zu vertagen. So teilt sie sich ihre Zeit heute «zwischen Laptop, Schoppen, Telefon und Spielzeug» auf.

Wenn Ende April der Tag der grossen Show, die begleitenden Workshops und die Anlässe drumherum anstehen, können die Heldners ihre Kinder zum Glück den eigenen Eltern anvertrauen – «meine Mutter wird gleich für eine Woche bei uns einziehen», sagt Sarah Heldner und lacht.

Die 34-Jährige ist überzeugt, dass «The Dance» gleich von der ersten Durchführung an einschlagen wird. «Es ist in der Schweiz einzigartig, dass Tanzgrössen aus dem In- und Ausland an einer grossen, kompetitiven Tanzshow auftreten», sagt sie.

Und sie ist sich sicher, dass ihr Team, in dem Experten aus Tanz-, Finanz-, Eventorganisations- und PR-Kreisen mitwirken, wissen, wie man ein Hallenstadion füllt. «Natürlich habe ich manchmal auch etwas Bauchweh und schlaflose Nächte», sagt Heldner.

Doch gleichzeitig ist sie überzeugt: «Was wir bieten werden, dieses Feuerwerk an tänzerischen Leistungen: Das wird ein breites Publikum anziehen.» Und nicht nur ein inländisches: Schon nur für die Workshops der renommierten Tanzkünstler dürften manche die Reise in die Schweiz auf sich nehmen, denkt Heldner.

Auch neben den Tanzensembles kann sich die Gästeliste sehen lassen: Als Jurypräsident konnte etwa Hip-Hop-Urgestein Russel Simmons gewonnen werden; es ist gar der erste grosse öffentliche Auftritt des Musikproduzenten in Europa.

Mitmachen erwünscht

Aber auch die Tanzbegeisterten, die den Sprung noch nicht geschafft haben, sollen eine Chance erhalten, sich am Programm zu beteiligen. Nicht nur in den zahlreichen (kostenpflichtigen) Workshops, sondern auch im Rahmen der «The Dance Swisstour».

Morgen startet ein Online-Casting für Schweizer Tanztalente, wobei die Anwärter mit den besten Bewerbungsvideos zum Vortanzen in Einkaufszentren in der ganzen Schweiz geladen werden. Die 16 Tänzerinnen und Tänzer, die auch dort die Jury überzeugen, dürfen am 30. April als Vorgruppe im Hallenstadion antreten.

Und die acht, die auf der Bühne die beste Figur machen, dürfen dann sogar in einem Musikvideo von Seven auftreten.

Manchmal, wenn sie im ganzen Stress kurz dazukommt, sich zu überlegen, wie es ihr eigentlich geht bei diesem Mehrfachpensum, kann Heldner es selbst kaum fassen, welche Dimensionen ihre Idee von damals mittlerweile angenommen hat.

«Hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, dass ich innert zwölf Monaten erneut Mutter werde und dazu hin noch einen solchen Riesenanlass auf die Beine stelle – ich hätte erwidert: Du spinnst doch.» Doch das Reminiszieren ist ohnehin nicht so Heldners Ding; sie interessiert mehr, wie es weitergeht.

Damit hält sie es ähnlich wie die Politiker mit den Wahlen: «Nach der Show ist vor der Show», sagt sie lachend. «Ich überlege mir bereits, was wir nächstes Jahr bieten können.»

Ein Name, viele Stile

Der Begriff «Urban Dance» ist ein Mantelbegriff für urbane Tanzstile, die vor allem von den Rhythmen und Techniken von Funk- und Hip-Hop-Musik beeinflusst sind. Dazu gehört etwa das sogenannte «B-Boying», das in den späten 1970er-Jahren in New York entstand.

Urban Dance kann viele Tanzformen umfassen; gemein ist ihnen, dass sie ursprünglich ausserhalb etablierter Studios in öffentlichen Freiräumen im städtischen Kontext – etwa in Strassen, Parks, Innenhöfen, Schulhöfen oder Nachtclubs – entstanden sind. Die ursprünglichen «Strassentänze» sind oft improvisiert und haben eine starke soziale Funktion, indem sie die Interaktion mit Mittänzern und Zuschauern fördern.

 

«The Dance»: Am 30. April im Hallenstadion, der Vorverkauf läuft. «The Dance Swisstour» macht von Mitte Februar bis Ende April Halt in Einkaufszentren der grössten Schweizer Städte. In Zürich gibt es im Sihlcity zwei Castings, am20. Februar und 9. April. Das Online-Casting startet am 21. Januar.