Das Zürcher Obergericht hat einen heute 55-jährigen Chauffeur aus dem Limmattal wegen mehrfacher Drohung und mehrfacher Tierquälerei zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt.

Trotz dieser Schuldsprüche kann der beschuldigte Mazedonier mit dem Ausgang des Berufungsverfahrens aber mehr als zufrieden sein: Einerseits hat er die Strafe aufgrund einer Untersuchungshaft von 152 Tagen bereits fast gänzlich verbüsst. Andererseits wurde er von diversen Hauptvorwürfen wie sexuellen Handlungen mit Kindern oder mehrfachen Körperverletzungen entlastet, wie aus dem nun veröffentlichten Urteil hervorgeht. Damit zog der zuständige Staatsanwalt mit seinem hohen Strafantrag von viereinhalb Jahren den Kürzeren.

Laut Anklage Familie terrorisiert

Laut Anklage hatte der Limmattaler seine Schweizer Freundin, deren Tochter und den Familienhund der Rasse Chihuahua über mehrere Jahre hinweg terrorisiert. Nachdem der Beschuldigte im Juni 2013 von der Polizei festgenommen worden war, erhoben die Geschädigten massive Vorwürfe. Sie bildeten die Grundlage der Anklageschrift, die dem vorbestraften Mann diverse Körperverletzungen, Tätlichkeiten, Nötigung, Drohungen, aber auch Pornografie und Tierquälerei anlastete.

Dabei soll er das zur Tatzeit 11- bis 13-jährige Kind seiner Lebenspartnerin wiederholt sexuell missbraucht und die Mutter immer wieder mit Faustschlägen und Fusstritten traktiert haben. Als sie schwanger war, soll der Beschuldigte ihr laut Anklage gar angedroht haben, das noch ungeborene Baby mit einem Messer aus dem Bauch herauszuschneiden. Gemäss Staatsanwalt versetzte der Beschuldigte zudem dem kleinen Hund mehrfach Fusstritte in den Bauch, schlug oder würgte ihn. In einem Fall griff er laut Staatsanwalt an den Penis des Tieres und belästigte es.

Der weitgehend nicht geständige Angeklagte musste sich bereits im Dezember 2014 am Bezirksgericht Zürich verantworten. Dort wurde er wegen mehrfacher Körperverletzung, Drohungen, Tierquälerei sowie Tätlichkeiten zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Die Hälfte sollte er verbüssen.

Zum Schluss blieb wenig hängen

Die sexuellen Handlungen mit Kindern sowie Pornografie – der Mann soll der Schülerin Pornofilme gezeigt haben – sahen schon die Bezirksrichter aufgrund von widersprüchlichen und knappen Aussagen der Tochter als nicht erwiesen an. Eine schriftliche Urteilsbegründung des Obergerichts liegt noch nicht vor.

Allerdings geht aus dem Dispositiv hervor, dass zum Schluss wenig hängen blieb. So sahen auch die Oberrichter die sexuellen Handlungen mit Kindern als nicht erwiesen an. Hinzu kam, dass das Obergericht auf die Vorwürfe der Körperverletzungen, Tätlichkeiten sowie einen Teil der Drohungen nicht mehr eintrat, was auf fehlende Anträge seitens seiner Ex-Freundin hinweist.

Aufgrund von glaubhaften Zeugenaussagen sah das Obergericht die Quälerei des Hundes jedoch als erwiesen an, ebenso einige Drohungen. Damit erhält der Beschuldigte keine Entschädigungen und muss einen Teil der Gerichtskosten tragen.