Bald wird sie die meistbeachtete Anzeigetafel der Schweiz sein – gegenwärtig ist sie jedoch noch gut versteckt im Schlieremer Gasi-Areal: In einer Lagerhalle an der Ballonstrasse ist derzeit rund ein Dutzend Arbeiter mit dem Bau des neuen «Generalanzeigers» für die Bahnhofshalle in Zürich beschäftigt. Er soll dort ab Montag den mechanischen „Fallblattanzeiger“ ersetzen, der bislang Reisende über die Abfahrtszeiten der Züge informierte. Der Transport an den neuen Bestimmungsort der LED-Anzeigetafel erfolgt per Lastwagen. Grund dafür, dass der «Generalanzeiger» in Schlieren gefertigt wird, ist laut SBB-Mediensprecherin Lea Meyer, die Nähe zu Zürich: «Wir wollen das Risiko eines Zwischenfalls auf dem Weg zum Hauptbahnhof Zürich so klein wie möglich halten», sagt sie.

Jahrzehntelang haben die mechanischen „Fallblattanzeiger“ die Geräuschkulisse in den Schweizer Bahnhöfen geprägt. Nostalgiker werden dieses typische Rascheln vermissen, das entsteht, wenn die Tafeln – angetrieben von einem Schrittmotor – durchrattern, bis die richtigen Schilder für die Stunde, die Minute, die Ziele und das Gleis auftauchen.

Anzeigetafel am HB verschwindet

Ein Stück Geschichte verschwindet: Übernächste Woche wird die alte Anzeigetafel im Zürcher Hauptbahnhof durch eine digitale ersetzt. Damit geht nicht nur das typische Rattergeräusch in der Halle verloren, sondern auch viel Charme und unfreiwilliger Humor.

Diese grossen, elektro-mechanisch funktionierenden Anzeigetafeln sind von den SBB inzwischen schon weit gehend ausrangiert worden und durch moderne LED-Anzeigen ersetzt worden. Rund 15 Millionen Franken kostet die Umrüstung. In Neuchâtel, Genf, Bern, Fribourg und Chur ist die Umstellung bereits vor einiger Zeit erfolgt. Kürzlich sind auch die Anlagen in Winterthur und in Aarau ersetzt worden. Nun werden die Generalanzeiger im Zürcher HB ersetzt; der grosse in der Querhalle eben durch die in Schlieren zusammengesetzte moderne grosse LED-Anzeige, die kleinere in der Schalterhalle durch Bildschirme.

Den Fallblattanzeigern und ihrem Rauschen und Rascheln haben Bahnenthusiasten und Nostalgiker im Internet bereits verschiedentlich Nachrufe gewidmet. Doch, auch wenn man sie kaum wegzudenken vermag, so alt sind die grossen blauen Anzeigetafeln gar nicht; die ältesten stammen aus dem Jahr 1988.

Dennoch, mittelfristig hätten sie aber ohnehin ersetzt werden müssen. Laut den SBB war lediglich «ein Lebenszyklus von 20 Jahren kalkuliert». Zudem hatte 2011 der Lieferant den Betrieb eingestellt, Ersatzteile erhalten die SBB keine mehr. Im Weiteren sind die Tafel-Anzeigen durch all die Taktverdichtungen an ihre Grenzen gelangt. Denn pro Feld sind die herkömmlichen Anlagen auf 80 verschieden bedruckte Fallblatt-Anzeigen limitiert; mehr lassen sich nicht hineinzwängen. Angesichts der vielen neuen, zusätzlichen Verbindungen, die die Fahrplanwechsel der vergangenen Jahre gebracht haben, können damit nicht mehr alle Ziele angezeigt werden. Zudem lassen sich auf den mechanisch-starren Generalanzeigern auch nicht viele zusätzliche Informationen vermitteln. Das stufen die SBB gerade im Störungsfall als Nachteil ein. «Die Fallblattanzeiger werden den Anforderungen der SBB, den Reisenden mehr Informationen in kürzerer Zeit zu vermitteln, nicht mehr gerecht.»

Zum letzen Mal wird die Fallblatt-Anzeige verewigt.

Zum letzen Mal wird die Fallblatt-Anzeige verewigt.

Das wird sich mit den neuen Anzeigern ändern. Die LED-Displays erlauben «eine dynamische, flexible und schnellere Kundeninformation». Ist eine Strecke blockiert oder fällt ein Zug aus, können die SBB inskünftig über einen grossen Bildschirm ihre Kunden informieren und sie beispielsweise auf alternative Reiserouten hinweisen. Und läuft auf dem Bahnnetz alles rund, hat dieser Bildschirm einen weiteren Vorteil für die (Einnahmenseite der) SBB – er dient als prominent platziertes Werbeboard.

Optisch halten sich die modernen Generalanzeiger an jene mit den Fallblättern: Die blaue Hintergrundfarbe wird ebenso beibehalten wie die kontrastreiche weisse Schriftfarbe. Die Lesbarkeit bleibe unverändert hoch, heisst es. Zumal sich die Leuchtkraft den Lichtverhältnissen anpasse.

Die bis Ende Jahr abgebauten, raschelnden Geräte werden nicht einfach irgendwo entsorgt. Laut einer Medienmitteilung der SBB wird «ein Exemplar in Zukunft im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern zu bestaunen sein, ein zweites wird von SBB Historic als Kulturerbe aufbewahrt». Und die restlichen Anzeiger werden an Bahnnostalgiker und andere Interessenten verkauft.

Die grossen Generalanzeiger können dabei gleich als Ganzes erworben werden; allerdings laut Ausschreibung nur von «Museen, Firmen oder Institutionen» und lediglich gegen Vorauskasse (Preis auf Anfrage). Die SBB machen potenzielle Interessenten darauf aufmerksam, dass die gebrauchten Anzeiger nicht mehr funktionstüchtig sind, sie verfügen über keine elektrische Ansteuerung mehr. Sie können auch, wie die SBB weiter hinweisen, Abnutzungsspuren wie Kratzer, Ablagerungen von Bremsstaub, brüchige Fallblätter und anderes mehr aufweisen (kein Rückgaberecht). «Achtung», heisst es zudem, «es ist zu beachten, dass die Generalanzeiger schwer und unhandlich sind». Der Kunde müsse je nach Verwendung vorgängig spezielle bauliche Abklärungen treffen.

Es muss ja aber auch nicht gleich der gesamte Generalanzeiger sein. Die SBB bieten – für einen Richtpreis von 50 Franken – auch einzelne Fallblattmodule an. Wobei «Wunschdestinationen» (etwa das Ziel «Winterthur») oder «Wunschfallblätter» (etwa «RE RegionalExpress») bei der Bestellung nach Möglichkeit berücksichtigt werden.