Die NZZ Mediengruppe hat ihr ehemaliges Druckzentrum in Schlieren an die Swiss Prime Site AG verkauft. Wie aus einer gemeinsamen Mitteilung hervorgeht, haben das Medienhaus und die Immobilieninvestorin den Vertrag am Mittwoch unterzeichnet. Zu welchem Preis das Gebäude mit rund 19 000 Quadratmeter Nutzfläche den Besitzer gewechselt hat, wird nicht bekannt gegeben.

«Es ist üblich, dass bei solchen Verkäufen der Preis nicht genannt wird», sagt Myriam Käser, Leiterin Unternehmenskommuniaktion bei der NZZ-Gruppe, auf Anfrage.
Anfang August hat die NZZ die Liegenschaft für 26 Millionen Franken auf der Online-Plattform «Homegate» angeboten.

Laut Käser wurde danach ein Bieterverfahren durchgeführt, an dem verschiedene Interessenten teilgenommen haben. «In einer ersten Runde konnten alle Interessenten eine verbindliche Offerte einreichen», erläutert Käser den Prozess. Daraufhin sei das höchste Kaufangebot transparent gemacht und allen Beteiligten Gelegenheit für eine letzte Offerte gegeben worden.

«Neben dem gebotenen Preis wurden auch die Nutzungskonzepte berücksichtigt.»

Erst werden Bedürfnisse sondiert

Die neue Eigentümerin hat die NZZ-Mediengruppe demnach nicht nur mit ihrem Preisangebot, sondern auch mit der geplanten Umnutzung überzeugt: In dem prestigeträchtigen Gebäude plant die Swiss Prime Site AG, zu deren Portfolio im Wert von knapp 10 Milliarden Franken auch der der Zürcher Prime Tower gehört, ein Bildungszentrum.

Überregional soll dieses sein, und gemäss Mitteilung dereinst Infrastruktur für Aus- und Weiterbildungen sowie für Forschung und Entwicklung bieten. «Der Standort der Liegenschaft ist dafür ideal», sagt Peter Lehmann, Chief Investment Officer des Unternehmens. Das Areal sei gut erreichbar und stehe unweit bestehender Hochschulen und Forschungsinstitute.

Welche Bildungs- und Forschungsrichtungen auf dem 26 700 Quadratmeter grossen Areal angesiedelt werden sollen, steht laut Lehmann noch nicht fest. «Wir sondieren jetzt, welche grundsätzlichen Bedürfnisse bestehen und was am Markt noch fehlt.» Aufgrund der bahnhofsnahen Lage und dem benachbarten Bio-Technopark rechne er mit einer regen Nachfrage, sagt Lehmann.

«Die Herausforderung wird es sein, verschiedene Nutzungen zu einem Ganzen zusammenzuführen und dabei Synergien zu schaffen.» Die Swiss Prime Site werde dazu auch mit der der NZZ zusammenarbeiten. Diese wird ausserdem weiterhin mit einigen Unternehmensbereichen im Gebäude bleiben, neu einfach als Mieterin. Laut NZZ-Mediensprecherin Käser handelt es sich dabei etwa um das Callcenter der Mediengruppe, den Buchverlag NZZ Libro und einige Logistiker.

Ateliers und Ausstellungsräume

Angedacht sind im Umnutzungskonzept neben dem Bildungszentrum auch Co-Working-Büros sowie Räume für das Gemeinwesen, für Sport und Kultur. «Wir denken dabei an Ateliers, Ausstellungsräume, vielleicht Infrastrukturen für Vereine», führt Lehmann aus.

Die Struktur des Gebäudes lasse sehr viele Nutzungsmöglichkeiten zu. Diesbezüglich möchte die Immobilieninvestmentgesellschaft auch das Gespräch mit der Stadt Schlieren suchen. «Bis jetzt wissen wir erst, dass das NZZ-Areal für die Stadt grundsätzlich interessant ist», so Lehmann.

Auf Anfrage bestätigt Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) dieses Interesse und die Bereitschaft, Gespräche aufzunehmen. Viel mehr könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. «Wir haben auch erst gestern erfahren, wer der neue Eigentümer ist.» Es sei aber durchaus vorstellbar, dass sich die Stadt «in irgendeiner Art und Weise» auf dem Areal einmieten werde. Der GLP-Gemeinderat Nikolaus Wyss bezeichnet den Verkauf und die geplante Umnutzung auf Anfrage als «erster Schritt zu einer glücklichen Fügung».

Der Politiker hatte im August die Idee geäussert, in dem Gebäude den Gemeinderatssaal und Teile der städtischen Verwaltung unterzubringen. Die geplante Umnutzung biete nun die «ideale Voraussetzung für die Stadt», sich auf dem Areal einzumieten: «Ein Bildungszentrum hat normalerweise eine grosse Aula.» Eine solche könne etwa auch von der Stadt genutzt werden. «Ich hoffe deshalb, dass sich Schlieren bei der weiteren Planung der Umnutzung einbringt», sagt Wyss.

Diese Planung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Wie Chefinvestor Lehmann sagt, will die Swiss Prime Site AG das Bildungszentrum 2018 eröffnen. Davor werden die Gebäude an die neue Nutzung angepasst. «Wir benötigen zusätzliche Fensterflächen und möchten, insbesondere im Druckmaschinenhaus, weitere Böden einziehen», sagt Lehmann. Ausserdem wolle man die Gebäude künftig.

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Schliessung wegen Überkapazität

Mit der «NZZ»-Ausgabe vom 30. Juni wurde der Druckbetrieb in Schlieren eingestellt. Bereits im November 2014 zeichnete sich die Schliessung des Standorts ab, im vergangenen Februar gab sie die NZZ-Mediengruppe dann definitiv bekannt.

Das Unternehmen reagierte damit auf die «erheblichen Überkapazitäten im Schweizer Zeitungsdruckmarkt», wie es in der gestrigen Medienmitteilung erneut schrieb. Mit der Schliessung verloren 125 der 184 Angestellten am Schlieremer Standort des Medienhauses ihre Anstellung. Die «NZZ» und ihre Sonntagsausgabe werden seither von Konkurrentin Tamedia gedruckt.