Da haben die Archäologen nicht schlecht gestaunt, als sie im Frühling 2006 bei der Grabung am römischen Gutshof in Dietikon die kleine Büste von Erde befreiten: ein glatzköpfiger Athlet mit grossen Mandelaugen, am Hinterkopf ein Haarbüschel – und auf dem Schädel ein erigierter Penis. Staunen werden nun auch die Besucher des Ortsmuseums. Hier ist der bronzene «Ausnahmefund» – so betitelten ihn die Archäologen – erstmals zu sehen; zur Verfügung gestellt von der Zürcher Kantonsarchäologie anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Stadtvereins Dietikon.

«Wir freuen uns, diese beiden besonderen Stücke zeigen zu dürfen», sagt Dora Müller vom Ortsmuseum. Blöde Sprüche habe sie wegen der ungewöhnlichen Kopfbedeckung des Athleten bisher noch nicht zu hören bekommen, sagt Müller und lacht. «Wohl aber den einen oder anderen schrägen Blick kassiert.»

Ein Glückssymbol gegen Unheil

Der Dietiker Athlet ist ein seltenes Stück: Bisher wurden nur rund zwei Dutzend solcher glatzköpfigen Büsten gefunden, und nur eine Handvoll trägt nebst einem Haarbüschel einen Phallus auf dem Kopf. Solche Büsten wurden früher als Isispriester bezeichnet, stellen vermutlich aber Athleten dar.

Das Phallussymbol war bei den Römern nicht in erster Linie ein sexuelles, sondern vielmehr ein Glückssymbol und Unheil-Abwehrer. Als Anhänger um den Hals sollte es seinem Träger Glück bringen und Neid und böse Blicke von ihm abhalten. Geschützt wurden so nicht nur Personen und einzelne Gegenstände, sondern auch Häuser, Läden, Werkstätten, Strassen oder ganze Städte. Ein Phallus an der Stadtmauer bedeutete: «Das Übel möge draussen bleiben.» Die Dietiker Büste diente als Jochaufsatz an einem Zaumzeug und datiert frühestens ins späte zweite Jahrhundert nach Christus.

Ebenfalls im Dietiker Gutshof gefunden wurde die Statuette der Göttin Minerva. Sie stammt aus einem Gebäude, dessen Dach in der Mitte des 3. Jahrhunderts einstürzte. Die kleine Statue war da vermutlich als Hausheiligtum aufgestellt und diente der Familie für religiöse Handlungen, die bei den Römern einen wichtigen Teil des Alltags ausmachten.

Öffnungszeiten Ortsmuseum: Sonntags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr. Die Statuen werden noch bis Ende November gezeigt.

Quellen: Daniel Käch, Neues zum römischen Gutshof von Dietikon, ZA Heft 31 (Zürich/Egg 2013) / Annemarie Kaufmann, Die Römischen Bronzen der Schweiz (Mainz 1977).