Im nächsten Jahrzehnt soll die Limmattalbahn an der Station Maienweg halten und dann weiter durch das neue Dietiker Stadtquartier Niderfeld fahren. Aber langsam: Wer heute dem Maienweg entlanggeht, sieht vor allem dorniges, von Müll durchsetztes Gestrüpp, dann Zäune, hinter denen sich Baracken und Fahrzeuge aneinanderreihen. Und doch hat das Niderfeld bereits eine grosse Entwicklung durchgemacht: Der Staat pocht jetzt auch hier auf die Einhaltung der Gesetze.

Ihren Lauf nahm diese Entwicklung am 4. Februar 2016: Die Kantonspolizei führte auf dem Niderfeld-Areal eine vierstündige Grosskontrolle durch – zusammen mit der Stadtpolizei, der städtischen Hochbauabteilung, dem kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) und den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ). Es ging unter anderem um illegal gehaltenes Geflügel, illegal entsorgten Abfall, illegal entsorgte Fahrzeuge und illegale Bauten.

Später führten die Behörden mehrere Nachkontrollen durch. Allein die Kantonspolizei war letztes Jahr nach der Grosskontrolle nochmals «geschätzte fünf Mal» vor Ort, wie Sprecherin Cornelia Schuoler auf Anfrage sagt. «Die Ermittlungen beziehungsweise Rapporterstattungen an die Untersuchungsbehörden sind seitens der Polizei abgeschlossen. Die Aufarbeitung als Ganzes ist noch nicht abgeschlossen», so Schuoler. Die Polizei sei für die weitere Aufarbeitung bloss zur Unterstützung der Partner aktiv.

Gesamthaft neun gröbere Fälle

Total hat die Kantonspolizei acht Anzeigen verfasst, zuhanden des Dietiker Statthalteramts und der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis. Zudem leitete die Dietiker Stadtpolizei einen Fall ans Statthalteramt weiter, sagt Esther Pioppini, Sprecherin der Stadt Dietikon.

Die Kantonspolizei hat darüber hinaus einen (nicht öffentlichen) Gesamtbericht über den Einsatz erstellt. Eine Kopie ging an den Dietiker Sicherheits- und Gesundheitsvorstand Heinz Illi (EVP), zuhanden des Stadtrats. Damit war die Angelegenheit aber noch nicht erledigt.

«Es gibt laufende Bewilligungsverfahren sowie Gespräche und Begehungen mit involvierten Personen», sagt Esther Pioppini. Vor allem für die städtische Hochbauabteilung gab es einiges zu tun: Für diverse unbewilligte Bauten fielen nachträgliche Baugesuche an. 80 Prozent der dazu aufgeforderten Mieter haben mittlerweile den geforderten Antrag auf Bewilligung eingereicht. Die restlichen haben laut Pioppini um Fristerstreckung gebeten. Oder ihre Fläche ist mittlerweile geräumt. «Die letzte Begehung im Januar 2017 hat ergeben, dass sich die Zustände bereits gebessert haben», so Pioppini weiter. Auch das Awel sagt auf Anfrage, dass sich die Umweltsituation «merklich verbessert» hat. Von allen bisher eingereichten Baugesuchen wurden 60 Prozent bereits bewilligt. Die restlichen Verfahren laufen noch, neben der Stadt sind auch hier kantonale Stellen in die Verfahren involviert.

Wie die Nachfrage bei Kantonspolizei, Stadt Dietikon und Awel ein Jahr nach der Grosskontrolle zeigt, war es der Kanton, der die Grosskontrolle damals veranlasst hatte. Das Awel ist Teil der Baudirektion. Sprecher Wolfgang Bollack sagt: «Auf dem Areal kam es im September 2015 zu einem Brand. Dabei wurde vom Mitarbeiter des Awel-Pikettdienstes und den Vertretern der Kantonspolizei vor Ort gemeinsam festgestellt, dass auf dem Areal Handlungsbedarf hinsichtlich Einhaltung der Umweltgesetzgebung besteht.»

«Kontrolle dieser Grösse ist selten»

Bollack bezeichnet die Kontrolle als «weder einzigartig noch überraschend», da das Awel laufend Kontrollen durchführt, damit umweltrelevante Vorschriften eingehalten werden. Für die Kantonspolizei war der 4. Februar 2016 jedoch sehr speziell. Sprecherin Schuoler sagt: «Es ist richtig, dass eine Kontrolle in dieser Grösse mit derart vielen Partnern und bezüglich dieser Gesetzgebungen selten ist. Vergleichbare Kontrollen lassen sich nicht nennen», so Schuoler.

Neuigkeiten gibt es auch bezüglich des Mannes, der im Januar vor Bezirksgericht musste, da er sich gegen den Strafbefehl des Statthalteramts wehrte. Ihm wurde vorgeworfen, drei Altfahrzeuge illegal auf dem Areal gelagert zu haben. Diese standen aber noch vom Vormieter da. Die Anwältin des Beschuldigten argumentierte zudem, dass sich vorher jahrzehntelang niemand daran störte. Wie die Nachfrage bei der Anwältin zeigt, ist das Urteil mittlerweile gefallen – ein Freispruch. Der Mann muss die 3000 Franken Busse und die 1500 Franken Gebühren nicht zahlen.

Vieles hat sich also geklärt und gebessert. Angesichts der ausstehenden Baubewilligungen dürften die Mitarbeiter der Dietiker Hochbauabteilung aber noch das eine oder andere Mal dem Maienweg entlanggehen.