Grazil sehen sie aus, die Blumengestecke in Daniela Josts Wohnzimmer. Gleich drei stehen da, eines auf einem Sockel, die anderen auf hölzernen Kommoden, alle drei vor der neutralen weissen Wand. «Damit ein Ikebana-Gesteck gut zur Geltung kommt, braucht es einen möglichst ruhigen Platz mit einem neutralen Hintergrund», erklärt Jost.

Der Standort sei jedoch nur eines von vielen Puzzleteilchen für ein gelungenes Arrangement. «Ikebana beherrscht man nicht nach einmaligem Ausprobieren», sagt Jost. «Zuerst muss man sich den Regeln widmen. Ganz frei zu arbeiten geht nicht von Anfang an.»

Privatlektionen bei Ikebana-Lehrer

In Japan gehörte Ikebana früher zur Ausbildung jeder jungen Frau. Heute werden die Blumen, Zweige und Blätter meist als Hobby arrangiert. Auf allen Kontinenten gibt es inzwischen Ableger der Ikebana-Schulen, wodurch auch das Materialspektrum weit geöffnet wurde, sagt Jost. Sie hat die Kunst des Blumenstellens, wie Ikebana auch genannt wird, selbst von Grund auf gelernt - bei einem Ikebana-Lehrer in Japan.

Dazu kam sie 1987, als sie in der Schweizer Botschaft in Japan arbeitete. Arbeitskolleginnen aus der Schweiz hätten sie damals zu einem Kurs mitgenommen, erzählt Jost. Als die Gruppe schrumpfte, kam sie in den Genuss von Privatlektionen bei Lehrer Tomiyuki Minomura. «Diese Treffen waren eine Bereicherung für meinen gesamten Aufenthalt in Japan», sagt Jost. Gemeinsam hätten sie nicht nur Blumen arrangiert, sondern auch über die japanische Mentalität gesprochen.

Als sie nach fünfeinhalb Jahren in die Schweiz zurückkehrte, hatte sie bereits ihr erstes Diplom in der Tasche, das sie als geprüfte Ikebana-Lehrerin auswies. Mit Japan bleibt sie bis heute verbunden: Daniela Jost und ihr Mann Roman verkaufen über ihre Website Möbel, Steinlaternen und Ikebana-Zubehör, direkt aus dem Land der aufgehenden Sonne importiert. Während ihr Mann Vollzeit arbeitet, kümmert sich Jost um die beiden Söhne und diesen Nebenerwerb, wie sie es nennt.

Das Ikebana-Zubehör aus Japan braucht Jost nicht selten gleich für sich selber. Denn die fernöstliche Blumensteckkunst begeistert sie bis heute. Sie bietet Kurse an, ist gleich in drei Ikebana-Vereinen tätig und bei der «Sogetsu study group Zurich» gar Präsidentin. Sogetsu ist der Name der Schule, nach der Jost arbeitet.

Denn bei Ikebana gibt es verschiedene Schulen, und jede hat ihre eigenen Regeln. Doch die Grundidee ist überall dieselbe: Man will durch Reduktion die Blume zu neuem Leben erwecken, will etwas erschaffen, das dem Betrachter innere Ruhe schenkt. Die Gestecke orientieren sich dafür meist an den drei Elementen Himmel, Erde und Mensch.

Bei den Kursen, die Jost bei sich zu Hause in Geroldswil gibt, ist der Einstieg wichtig. «Wir trinken zusammen einen Tee, ich erzähle etwas von Japan oder lese ein Haiku vor», sagt Jost. Denn für Ikebana brauche es die Gruppe und den direkten Kontakt zur Lehrerin ebenso, wie es die richtige Atmosphäre brauche. «Stimmt alles, kann Ikebana, wie andere fernöstliche Künste auch, innere Ruhe und Erfüllung vermitteln», ist Jost überzeugt.

Daniela Jost bietet am 21.11. an der
Huebwiesenstrasse 52 A in Geroldswil einen Ikebana-Schnupperkurs an.
Anmeldung: daniela@ikebana-info.ch.