Den Stadtverein Dietikon gibt es nun schon seit 100 Jahren und feiert dieses Jahr Jubiläum. Trotz langem Bestehen, der Vereinsvorstand lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen, wie einen Rundgang entlang der Reppisch bis zum Marmoriweiher.

«Wer hätte das gedacht», staunen immer wieder einige Teilnehmer des neu eingeführten Stadtrundgangs, obwohl sie teilweise ihr ganzes Leben in Dietikon verbracht haben. «Der historische Hintergrund dieser Stadt ist sehr interessant und die Reppisch hat zur Entstehung und Entwicklung Dietikons bedeutend beigetragen», erklärt Catherine Peer, Stadtführerin und Vorstandsmitglied des Stadtvereins. Zusammen mit ihrer Kollegin Daniela Wirth, und dem Präsidenten des Stadtvereins, Lucas Neff, führte sie die interessierten Teilnehmer entlang der Reppisch bis zum Marmoriweiher durch eine Zeitreise in die Vergangenheit.

Die Geschichten entlang des 25 Kilometer langen Flusses, der beim Türlersee entspringt und in die Limmat mündet, reichen bis ins Mittelalter. Und so führt der Rundgang kurz nach dem Start gleich zum alten Dorfplatz neben dem Restaurant Krone. Die Stadtführerinnen erzählen abwechslungsweise etwa über die alte Metzgerei, die damals das Schlachtblut in der Reppisch entsorgte, oder die Zollbrücke nebenan, die heute noch ein wichtiger Verkehrspunkt der Stadt sei. So unscheinbar wie die Reppisch heute durch Dietikon fliesse, sei sie jedoch nicht immer gewesen: «Es könnte sein, dass die Reppisch ihren Namen dem lateinischen Wort «Rabiusa» verdankt, was so viel heisst wie «die Wütende».

Gewürze und Marmorsteine

Die Stadtführerinnen erklären weiter, dass bis kurz vor dem 20. Jahrhundert die Reppisch ein wütender Fluss war, der mit seinem unregelmässigen Wasserstandspegel immer wieder Überschwemmungen verursachte und zahlreiche Brücken mitriss. Diese Kraft wurde trotzdem von den Bewohnern gerne genutzt, und so entstanden zahlreiche Betriebe entlang des Flusses. «In einer ehemaligen Mühle wurde beispielsweise die berühmte Textilfarbe «Türkischrot», ein Krapprot hergestellt», sagt Peer und hält gleichzeitig eine Gewürzdose mit rotem Inhalt in die Luft: «Das türkische Gewürz Sumak enthält ebenfalls diese Inhaltsstoffe, die aus dem Essigbaum gewonnen werden.»

Auch im Zeitalter der Industrialisierung wurde entlang der Reppisch gebaut, und schliesslich führte der Rundgang über zahlreiche Brücken in Richtung des Marmoriweihers, der seinen Namen dem alten Marmorwerk verdanke: «Der Marmor und viele der Steinhauer kamen aus Italien», erklärt die Stadtführerin, während sie die alten Bilder zeigt, auf denen Schubkarren mit tonnenschweren Marmorsteinen vor der «Marmori» zu sehen sind. «Dietikon ist eben nicht nur ein Agglomerationsort, sondern hat auch eine unglaublich spannende Entstehungsgeschichte», sagt Catherine Peer.