Kein Zaun, sondern Panzersperren unterteilen die Schrebergartenanlage Vogelau in zwei Hälften. Nicht nur deswegen ist sie eine Besonderheit unter den sieben von der Stadt Dietikon bewirtschafteten Familiengartenarealen. Sie ist mit insgesamt 240 Parzellen und einer Fläche von etwas mehr als 29 000 Quadratmetern auch die grösste.

Auf dem Land das Ende der 1950er-Jahre gekauft wurde, befanden sich ursprünglich zwei Kiesgruben. Ein Teil des Areals, so die Absicht, sollte einmal zur Erweiterung des Friedhofs Guggenbühl dienen. Wegen des Aufkommens von Urnengräbern wurde dann aber doch nicht so viel Platz benötigt, wie ursprünglich gedacht. Und so konnten in den 1960er Jahren die ersten Gartenparzellen verpachtet werden.

Vernissage

Samstag, 19. November, 10.30 Uhr, Gemeinderatssaal, Stadthaus Dietikon.

Nachzulesen ist diese Geschichte im neuen Neujahrsblatt des Stadtvereins Dietikon mit dem Titel «Schrebergarten – Paradies von Menschenhand», das morgen Samstag vorgestellt wird. Dem Thema Schrebergarten ist dabei ein Schwerpunkt gewidmet. Also jenen Gärten, die ihren Namen Daniel Gottlob Moritz Schreber zu verdanken haben, obschon der Leipziger Arzt nicht deren Erfinder ist.

Sein Kollege Ernst Innozenz Hauschild gründete einen Schulverein, der zu Ehren Schrebers Schreberverein genannt wurde. In Leipzig wurde der erste Schreberplatz, eine Spielwiese, erstellt. Als der Lehrer Heinrich Karl Gesell Ende der 1860er Jahre auf diesem Platz Gärten anlegte, war der Name geboren.

Nicht immer konfliktfrei

Die in Dietikon wohnhafte Diplombibliothekarin und Journalistin Brigitte Hospenthal hat für ihre Beiträge – ohne Anspruch auf Repräsentativität, dafür mit viel Neugier – verschiedene Anlagen aufgesucht und dort passionierte Gärtner interviewt, die ihre Parzellen schon seit Jahrzehnten bewirtschaften.

Und so erfahren die Leser nicht nur, dass die Stadt insgesamt rund 400 Parzellen verpachtet, sondern auch wie das Zusammenleben der verschiedenen Menschen auf diesen Arealen funktioniert und mit welchen Problemen, sich ein Obmann einer Schrebergartenanlage auseinandersetzen muss.

Denn das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen, vor allem aber unterschiedlicher Bedürfnisse, führt mit unter zu Konflikten. Mal ist einer der Gärtner nicht einverstanden mit der Platzierung des Komposthaufens auf der Nachbarsparzelle. Ein andermal stören sich verschiedene Pächter, weil es einige mit dem Lärm übertreiben. Dabei ist das Zusammenleben auf den Anlagen eigentlich geregelt.

Das aus dem Jahr 1989 datierte und 2001 aktualisierte Familiengartenreglement ist für die Pächter verbindlich. Darin ist unter anderem geregelt, wie hoch ein Gartenhäuschen sein darf, welche Materialien erlaubt sind und wie gross der Abstand zum Nachbarsgarten sein muss. Selbst was und wie gepflanzt werden darf, ist im Reglement festgehalten. So muss mindestens die Hälfte der Parzelle bepflanzt sein, wobei Rasen nicht als Bepflanzung gilt.

Auf ihren Rundgängen zusammen mit dem Fotografen Erich Berchtold ist Hospenthal sorgfältig gepflegten Gärten begegnet und hat dabei den ein oder anderen Tipp erhalten. Etwa, dass regelmässig Eisenspäne unter die Hortensie gelegt werden müssen, damit sie blau blüht. Die Autorin hat die unterschiedlichsten Gartenzwerge gesehen, war in geselligen Runden dabei und kommt so zum Schluss, dass der Familiengarten «fast ein Abbild des Lebens ist, wie es auch ausserhalb der grünen Oasen stattfindet».

Das Neujahrsblatt 2017

Der Schrebergarten ist nicht das einzige Thema, das im Neujahrsblatt 2017 abgehandelt wird. Auch zwei Geburtstage werden gefeiert.

Ein längeres Kapitel ist der Stadtmusik Dietikon gewidmet, die in diesem Jahr auf den 125. anstossen kann. 40 Jahre alt wurde die Musikschule. Auch ihr ist ein Beitrag gewidmet. Komplettiert wird die Ausgabe durch zwei weitere Artikel.

Im einen werden vier Rosinen aus dem Ortsmuseum präsentiert, unter anderem ein poetischer Bierkrug.

Im anderen Beitrag wird ein Blick in die Vergangenheit geworfen, genauer gesagt auf den 18. November 1916. Dort erfahren die Leser, über was der «Limmattaler» an jenem Samstag genau 100 Jahre vor der Buchvernissage berichtete. (zim)