Wenn Hausärzte wie Walter Wimmersberger heutzutage in Pension gehen, haben sie oft Mühe, für ihre Kleinpraxis einen Nachfolger zu finden. Gleichzeitig gibt es immer mehr Hausärztezentren und Gemeinschaftspraxen, die von mehreren Ärzten betrieben werden.

«Einzelpraxen werden immer häufiger zusammengeschlossen. Oder sie verschwinden ganz», sagt Longin Korner, Verwaltungsrat des regionalen Ärztenetzes LimmiMed, dem derzeit 38 Grundversorger und rund 18 Spezialisten aus der Region angehören. Dieser Rückgang findet in der ganzen Schweiz statt. So ist gemäss des nationalen Ärzteverbands FMH der Anteil an Ärzten mit einer solchen Praxis zwischen 2008 und 2014 um 5 Prozent zurückgegangen.

«Eine Kleinpraxis bringt viel Verantwortung, ein grosses unternehmerisches Risiko und mittlerweise viele administrative Aufgaben mit sich», sagt Korner. Heute seien jüngere Ärzte weniger bereit, diese Belastungen auf sich zu nehmen. «Und sie achten mehr auf ihre Work-Life-Balance.» 12-Stunden-Tage und Wochenendeinsätze würden viele nicht auf sich nehmen wollen.

Eine Gruppenpraxis hingegen biete ein flexibleres Arbeitsmodell und die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten. «Ausserdem können Synergien genutzt und die Kosten für Infrastruktur, Geräte und Personal gemeinsam getragen werden.» Laut Korner bringt eine Gruppenpraxis aber auch den Patienten Vorteile: durchgehende und längere Öffnungszeiten, die Möglichkeit, eine Zweitmeinung einzuholen oder einen Spezialisten zu besuchen.

Den Beruf attraktiver machen

Die Befürchtung, keinen Nachfolger für die eigene Praxis zu finden, war auch einer der Gründe für den Zusammenschluss der vier Limmattaler Hausärzte Florian Schmitt (Urdorf), Christopher Meerwein (Urdorf), René Schmid (Dietikon) und Hannes Brugger (Birmensdorf) in der Aktiengesellschaft Medvadis. Diese haben sie im vergangenen April in Kooperation mit dem Spital Limmattal gegründet. «Damit wollen wir dazu beitragen, dass die dezentrale Grundversorgung aufrechterhalten und in den Händen von Hausärzten bleibt», sagt Christopher Meerwein. Dies werde mit dem Modell der Einzelpraxen zunehmend schwieriger.

Auch wenn sie eine «geniale Institution» seien, fänden sich immer weniger junge Ärzte, die eine solche Einzelpraxis übernehmen wollten, so Meerwein. Fünf Medvadis-Zentren sollen in der Region dereinst betrieben werden. Drei gingen per Anfang Jahr aus Einzelpraxen in Dietikon, Ober- und Unterengstringen hervor, ein viertes, neues Zentrum wurde gleichzeitig im Dietiker Limmat Tower eröffnet.

Auf Anfang 2017 kommt in Birmensdorf ein fünftes hinzu. Ein wichtiges Ziel der Zentren ist laut Meerwein, junge Kollegen für den Beruf des Hausarztes zu begeistern. Die Misere mit dem Mangel an Nachfolgern sei zum Teil auch hausgemacht, sagt er. «Die letzten Jahre wurde viel von den Hausärzten gejammert. Das hat kein positives Bild der Branche vermittelt.» Medvadis wolle den Beruf entstauben und wieder attraktiv machen, so Meerwein. Dazu dient auch die Kooperation mit dem Spital Limmattal: Assistenzärzte des Spitals können jeweils für einige Monate in einem der Ärztezentren arbeiten.

Verunsicherung bei Patienten

Die Patienten hat der Umzug der Hausärzte in die neuen Zentren teilweise verunsichert, wie Meerwein sagt. «Für sie ändert sich jedoch nichts. Sie bleiben alle bei ihrem Hausarzt.» Man sei sich aber der Problematik bewusst, dass mit Ärzten, die Teilzeit arbeiten, die Patientenbetreuung in einem Ärztezentrum weniger eng ausfallen könne als in einer Einzelpraxis. «Wir machen unseren Teilzeitangestellten deshalb klar, dass sie gegenüber ihren Patienten eine persönliche Verpflichtung haben.» Die Gründerärzte selber würden zudem weiterhin im Vollpensum arbeiten.