«Zwischen 2010 und 2014 sind dem Seelsorgeraum rund 2000 neue Gläubige beigetreten», sagt Arnold Landtwing, Informationsbeauftragter des Generalvikariats für die Kantone Zürich und Glarus.

Aktuell gehören dem 2003 als Pilotprojekt gegründeten Verbund gut 16 000 Mitglieder an, was ihn mit Abstand zum grössten seiner Art im Bistum Chur macht.

Zu gross für einen einzigen Priester, wie der Bischofsrat des Bistums kürzlich entschieden hat: Mit dem Rücktritt des aktuellen Amtsträgers Kurt Vogt wird der Seelsorgeraum im nächsten Sommer aufgelöst – in gegenseitigem Einvernehmen der beiden Kirchenpflegen, des Generalvikars und des Bischofs, wie die Parteien in einem gemeinsamen Communiqué schreiben.


«Nach der Demission von Kurt Vogt lag es auf der Hand, dass sich kaum jemand für die Pfarrer-Stelle bewerben wird», so Landtwing.

Zu gross sei der administrative Aufwand, der mit ihr einhergehe, zu stark die Arbeitsbelastung für einen einzigen Seelsorger. Eine Entlastung des Pfarrers, in dem gewisse priesterliche Aufgaben einem Mitarbeiter übertragen werden, ist laut Landtwing kaum möglich.

«Viele dieser Aufgaben sind an die Priesterweihe und an die Führungsfunktion des Pfarrers gebunden. Sie können, beispielsweise im Bereich Religionsunterricht oder der Sakramentenspendung, nicht von der Seelsorge getrennt werden.»


Ursprüngliche Absicht verfehlt


Mit der Auflösung des Seelsorgeraums werden die Pfarreien Dietikon und Schlieren wieder von je einem eigenen Pfarrer geleitet. Zuvor müssen die Kirchgemeinden Schlierens und Dietikons aber an «einer der nächsten Versammlungen» der Auflösung zustimmen, wie es in der Mitteilung heisst.

Auf allzu grossen Widerstand dürfte sie aber nicht treffen, zumindest nicht vonseiten der Kirchenpflegen. Beide stellen sich hinter den Entscheid.

«Der Seelsorgeraum hat sich nicht bewährt. Er war zu gross», sagt Hubert Zenklusen, Präsident der Schlieremer Kirchenpflege.

Aus seiner Sicht wurde der Pfarrer aufgrund des Mitgliederzuwachses immer mehr «zum Manager, für die Seelsorge blieb zu wenig Zeit».


Dass der Zusammenschluss der eigenständigen Pfarreien nun aufgelöst wird, bedauert Zenklusen nicht. «Letztlich war er als Pilotprojekt angelegt.

Die Nachteile haben nun überwogen», sagt er. Es habe sich gezeigt, dass die Last für einen Seelsorger zu gross sei. «Und die ursprüngliche Absicht, damit den Priestermangel zu entschärfen, hat nicht funktioniert.

Im Gegenteil, die Grösse des Seelsorgeraums hat die Suche nach Interessenten eher schwieriger gemacht.» Ausserdem, so Zenklusen, hätten sich die Mitglieder der Kirchgemeinden nie so richtig mit der Idee eines gemeinsamen Seelsorgeraums anfreunden können. «Sie haben sich stärker mit ihren Pfarreien identifiziert.»


Diese seien über einen längeren Zeitraum und in Dietikon und Schlieren unterschiedlich herangewachsen. «Der Pfarrer des Seelsorgeraums musste deshalb verschiedene Erwartungshaltungen und Ansprüche erfüllen.»

Diese unterschiedlich gewachsenen Kulturen in einem Seelsorgeraum unter einen Hut zu bringen, sei schwierig, sagt Zenklusen.

«Auch wenn die Zusammenarbeit zwischen den beiden Kirchgemeinden gut funktioniert», wie er betont. Auch Karl Geiger, Präsident der Dietiker Kirchenpflege, hebt hervor: «Wir haben ein gutes Verhältnis.»

Gewisse Angebote des gemeinsamen Seelsorgeraums, etwa die Veranstaltungen «Manne 50+», wolle man deshalb auch nach der Auflösung fortführen. «Die künftige Zusammenarbeit hängt aber natürlich von den neuen Pfarrern ab», fügt Geiger an.

Auch wenn er den Entscheid bedauert, bezeichnet auch er das Ende des Seelsorgeraums als «bessere Lösung».
Es habe von Anfang an Bedenken gegeben, ob der Zusammenschluss nicht zu gross sein werde. Diese hätten sich nun mit dem Rücktritt von Kurt Vogt bestätigt.

«Der Aufwand wurde unterschätzt. Und die ursprünglich vorgesehene organisatorische Entlastung des Pfarrers hat nicht stattgefunden.»

Allein die seelsorgerischen Aufgaben brächten eine grosse Arbeitslast mit sich, sagt Geiger und nennt dafür beeindruckende Zahlen: 140 Beerdigungen pro Jahr, zehn Gottesdienste pro Woche.

Die Belastung dürfte laut Geiger in den nächsten Jahren nochmals deutlich zunehmen: «Es wird damit gerechnet, dass aufgrund der Zuwanderung die Anzahl Gläubige im Seelsorgeraum auf 20 000 ansteigen wird.»

Das führe zu mehr Trauungen, mehr Taufen und mehr Beerdigungen. «Angesichts dieser Entwicklungen ist es kaum möglich, einen Pfarrer für den Seelsorgeraum zu finden», sagt Geiger.


Zuversicht bei Stellenbesetzung


Für die Neubesetzung der beiden eigenständigen Pfarrstellen sind die Kirchenpflegepräsidenten zuversichtlicher. In Dietikon wird der künftige Pfarrer für rund 9000 Katholiken, in Schlieren für deren 7000 zuständig sein.

«Diese Mitgliederzahl macht es einfacher, einen Pfarrer zu finden», sagt Zenklusen. Und Geiger spricht für Dietikon von einer Grösse, «für die es junge Seelsorger gibt, die eine Herausforderung suchen».

Auch Landtwing vom Generalvikariat ist diesbezüglich guter Dinge. «Grundsätzlich können wir derzeit alle Stellen gerade so besetzen.» Für die Pfarrstellen in Dietikon und Schlieren werde nun zuerst je ein geweihter Priester gesucht.

Finde sich für eine von beiden kein solcher, gebe es alternative Lösungen, so Landtwing. «Wie diese aussehen könnten, ist derzeit aber noch offen.»