Wer hier schlecht abschneidet, muss nachsitzen: Auf ins Bildungs-Quiz

Der Kanton Zürich will in den kommenden drei Jahren bei der Bildung sparen: Wie viel ist jährlich vorgesehen?

Knapp 50 Millionen Franken: 20 in der Volksschule, 18 in den Mittelschulen, 11 in der Berufsbildung

Rund 1,7 Milliarden Franken: 50 Millionen in der Volksschule, 50 in den Mittelschulen, 40 in den Hochschulen, 30 in der Berufsbildung

Knapp 70 Millionen Franken: 7 in der Volksschule, 25 in den Mittelschulen, 38 in den Hochschulen

Was soll dabei laut Bildungsdirektorin Silvia Steiner nicht angetastet werden?

Die Klassengrössen und der Werkunterricht

Die Personallöhne und Freifächer

Die Husi-Kurse und Klassengrössen

Wie viele Personen besuchen pro Tag eine Ausbildungsstätte im Kanton Zürich?

455 000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene

50 000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene

275 000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Das kommt einem … aller Lernenden in der Schweiz gleich

Fünftel

Siebtel

Zehntel

Wie viele Schülerinnen und Schüler der Volksschule wurden 2014 im Schnitt pro Klasse unterrichtet?

Rund 18

Rund 20

Rund 24

Der Durchschnitts-Sekundarlehrer im Kanton Zürich ist 47 Jahre alt. Wie hoch ist der Altersdurchschnitt bei den Lehrerinnen?

Auch 47 Jahre

Viel jünger: 36 Jahre

Keines von beidem: 42 Jahre

2013 hat das Zürcher Stimmvolk über die „Husi“-Kurse abgestimmt. Was hat es beschlossen?

Die Kurse werden ans Untergymnasium vorverlegt

Die Kurse werden abgeschafft

In den Kursen darf nur noch vegetarisch gekocht werden

Wie viele Schulgemeinden gibt es im Kanton Zürich?

177

Natürlich so viele, wie es Gemeinden gibt: 168

158

Was war 2015 die meistgewählte Berufslehre?

Detailhandelsfachmann

Informatiker

Kaufmann

Wie viele Lernende haben in den letzten Jahren im Kanton Zürich eine drei- bis vierjährige berufliche Grundbildung mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (ohne Lehrbegleitende Berufsmaturität) absolviert?

Rund 17 000

Rund 20 000

Rund 35 000

Wer ist keine Absolventin der Universität Zürich?

Eveline Widmer-Schlumpf

Rosa Luxemburg

Emilie Lieberherr

Quiz: Das Bildungsquiz im Limmattal

Knapp 50 Millionen Franken pro Jahr soll der Kanton Zürich in den nächsten Jahren in der Bildung einsparen: 20 Millionen bei der Volksschule, 18 Millionen bei den Mittelschulen, 11 Millionen in der Berufsbildung.

Das hat der Regierungsrat unter dem Titel «Leistungsüberprüfung» festgelegt. So soll auch die Bildungsdirektion ihren Beitrag leisten, um ein Milliardenloch in der Kantonskasse zu verhindern. Bei den Volks- und Mittelschulen entspräche die Kürzung rund fünf Prozent des letztjährigen Budgets, bei der Berufsbildung wären es drei Prozent.

Noch hat Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) nicht bekannt gegeben, wie sie die Sparvorgaben konkret umzusetzen gedenkt. Doch bereits formiert sich eine breite Widerstandsfront: Mit einem «Tag der Bildung» sind am 13. Januar Protestaktionen an Schulen im ganzen Kantonsgebiet geplant.

Parallel dazu haben Exponenten von Hochschulen, Lehrer- und Schulleiterverbänden, aber auch namhafte Persönlichkeiten ausserhalb des Schulfelds, ein «Zürcher Manifest für die Bildung» unterschrieben.

«Der Kanton Zürich plant einen markanten Leistungsabbau auf Kosten der Bildung», heisst es darin. Und weiter: «Damit entzieht er der heutigen und künftigen Jugend die Chance auf bestmögliche Ausbildung und seinem Forschungs- und Wirtschaftsstandort den Nachwuchs.» Sparen in Zeiten steigender Schülerzahlen gehe nicht auf, finden die über 14 000 Personen, die das Manifest bislang unterschrieben haben.

Sorge um Wirtschaftsstandort

Zu ihnen zählen auch eingefleischte Bürgerliche wie Balz Hoesly. Der frühere FDP-Kantonsratsfraktionschef ist heute Präsident der Standortmarketing-Organisation Greater Zurich Area.

«Unser Bildungssystem ist etwas vom Wichtigsten für den Wirtschaftsstandort», sagt Hoesly. Für Firmen, die sich im Wirtschaftsraum Zürich ansiedeln wollen, sei die Verfügbarkeit gut ausgebildeten Personals entscheidend. «Es gibt in der Bildungsverwaltung wohl noch Fettpolster, die man abspecken könnte», so Hoesly. Unter keinen Umständen dürfe aber an der «Bildungsfront», bei den Lehrerlöhnen sowie bei der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften, gespart werden. Auch grössere Schulklassen sind für ihn nur eine Notlösung bei Lehrkräftemangel.

Was die Volksschule betrifft, wären allerdings die Klassengrössen der Hauptfaktor, mit dem der Kanton in grösserem Ausmass Geld sparen könnte: Durchschnittlich zwei Schüler mehr pro Klasse brächten dem Kanton laut Volksschulamtschef Martin Wendelspiess Einsparungen von rund 28 Millionen Franken.

Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (ZLV), sagt denn auch: «Die Klassengrössen machen uns am meisten Sorgen.» Wolle der Kanton wirklich 20 Millionen Franken pro Jahr bei der Volksschule sparen, liesse sich dies am ehesten mit grösseren Klassen machen, so Lätzsch. Sie warnt: «Das wäre ein eklatanter Qualitätsabbau.»

Die ZLV-Präsidentin zeigt sich kämpferisch: «Wir werden alles daransetzen, dass bei der Volksschule kein Abbau stattfindet. Denn die Aufgaben nehmen zu.» Und auf Gemeindeebene finde angesichts knapper Budgets ohnehin schon ein Bildungsabbau statt.

Auch der Kantonale Gewerbeverband (KGV) wehrt sich gegen die drohenden Sparmassnahmen: «Kein Leistungsabbau in der beruflichen Grundbildung», betitelte er seine Medienmitteilung dazu. Einsparungen durch Effizienzsteigerung und Abbau von unnötiger Administration würden zwar begrüsst. Führten die Sparmassnahmen jedoch zu einem Leistungsabbau in der beruflichen Grundbildung oder zu Kosten, die den Lehrbetrieben neu überwälzt würden, lehne sie der KGV ab: «Langfristig sind die volkswirtschaftlichen Kosten dafür zu hoch.»

Drei Lektionen weniger?

Was das Sparprogramm für die Mittelschulen bedeuten könnte, rechnen deren Vertreter auf der Internetseite zum Tag der Bildung vor: Die geforderte Sparsumme von 18 Millionen Franken entsprächen der Schliessung einer mittelgrossen Schule – oder der Abweisung von 900 Schülerinnen und Schülern. Als Alternative dazu könnte auch das Unterrichtsangebot um drei Lektionen pro Woche gekürzt werden. Dann allerdings wäre der Anschluss an die Hochschulen nicht mehr gewährleistet. Denn in den meisten Fächern werde schon jetzt nur das gesetzlich vorgeschriebene Minimum unterrichtet.

Zu den Unterzeichnern des «Zürcher Manifests für die Bildung» zählt auch Michael Hengartner, der Rektor der Universität Zürich. «Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Bildung und Forschung sich langfristig auszahlen und die Grundlage für den Erfolg von Wirtschaft und Gesellschaft ausmachen», erklärt er sein Engagement. Noch sei indes unklar, ob die Leistungsüberprüfung auch die Uni treffen werde.

Bildungsdirektorin Steiner hat sich bisher erst vage zu ihren Sparplänen geäussert: Es gelte, Aufgaben zu bündeln, sagte sie dieser Tage beim Dreikönigs-Mediengespräch der CVP. Bereiche, in denen erst kürzlich Volksabstimmungen oder Gesetzesänderungen stattfanden, wolle sie nicht antasten. Dazu zählen die Klassengrössen und die Hauswirtschaftskurse. Über die geplanten, aber noch nicht kommunizierten Sparmassnahmen wolle sie sich am 18. und 20. Januar mit Exponenten aus Schulen und Verbänden austauschen. «Das Schulfeld hat die Möglichkeit, Alternativen aufzuzeigen», so Steiner.

Zum Sparen verpflichtet

Insgesamt will der Regierungsrat ab 2017 pro Jahr 600 bis 700 Millionen Franken einsparen, wobei die Spitäler und Reha-Kliniken mit einem Sparbeitrag von 228 Millionen Franken zahlenmässig am stärksten betroffen wären. Ohne die Sparmassnahmen ergäbe sich für den Zeitraum 2012 bis 2019 laut Regierungsprognosen ein Finanzloch von 1,8 Milliarden Franken beim Kanton. Aufgrund der gesetzlich verankerten Ausgabenbremse ist der Regierungsrat verpflichtet, vor diesem Hintergrund Sparmassnahmen zu ergreifen.