Ein neues Ökoquartier entsteht in Schlieren: Es nennt sich Ecofaubourg und soll 2013 bezugsbereit sein (az Limmattaler Zeitung vom 25. April). Neben ökologischen wurden auch soziale Kriterien berücksichtigt. Das ETH Wohnforum Zürich hat am Wohn- und Bewirtschaftungskonzept mitgearbeitet. Leiterin Margrit Hugentobler erklärt, was ihr Team zur Planung beiträgt.

Frau Hugentobler, welchen Beitrag hat das ETH Wohnforum zum Projekt Ecofaubourgs geleistet?

Margrit Hugentobler: Der Schwerpunkt unserer beratenden Funktion ist die soziale Nachhaltigkeit. Wir sind eine interdisziplinäre, sozial- und kulturwissenschaftliche Forschungsstelle. Seit rund 20 Jahren untersuchen wir die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Veränderungen und der gebauten Umwelt.

Im Zentrum stehen Fragen des Wohnens und der Stadtentwicklung. Partner des Projekts ist auch die Fachhochschule Luzern, die für den Bereich Umwelt und Ökologie eine Vision entwickelt hat.

Ist das ein Trend, dass vermehrt auf soziale Aspekte geachtet wird, wenn Wohnungen gebaut werden?

Das hängt stark von den Bauträgern ab. Allerdings werden solche Fragen in den letzten Jahren vermehrt diskutiert, vor allem in der Region Zürich, wo Wohnraum teuer und mit bescheidenem Einkommen schwer zu finden ist. Ein aktuelles Beispiel ist die Stadt Zürich, die im Herbst eine Auszeichnung vergeben wird für eine besonders nachhaltig renovierte Wohnsiedlung. Bei dieser Ausschreibung steht auch die soziale Nachhaltigkeit im Vordergrund.

Wer plant solche Projekte?

Es sind vor allem Wohnbaugenossenschaften und öffentliche Bauträger, die neben der Preisgünstigkeit von Wohnungen auch soziale Aspekte der Gemeinschaft und des Zugangs zu Wohnraum für verschiedene Bevölkerungsgruppen explizit als Ziele verfolgen.

Was das Projekt Ecofaubourgs diesbezüglich interessant macht, ist, dass ein privater Entwickler und Investor sich hier gescheite Überlegungen macht, wie Wohnen in Zukunft nachhaltiger gestaltet werden könnte. Es ist ein spannendes Experiment.

Wie kann man messen, ob eine Wohnung sozial nachhaltig ist?

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Bei den heute sehr unterschiedlichen Lebensformen sind auch die Ansprüche vielfältiger geworden. Nachbarschaftlicher Austausch ist beispielsweise wichtiger für Familien als für junge Singles, die nach aussen orientiert sind. Wir haben ein Evaluationssystem entwickelt, das uns erlaubt, die Qualitäten verschiedener Siedlungen aus der Sicht der Bewohner zu vergleichen.

Wie wichtig ist dies denn für die Investoren?

Leider ist es im gegenwärtigen Wohnungsmarkt so, dass sich viele Wohnbauträger und Investoren dort, wo die Nachfrage das Angebot stark übersteigt, wenig um die Qualität ihres Produkts aus Kundensicht kümmern müssen. Sie bieten ein knappes Gut an und sitzen damit, salopp gesagt, am längeren Hebel.