Würde man einem Landwirt erzählen, dass es beim erfolgreichsten Videospiel der Schweiz einzig darum geht, seinen Beruf auszuüben, er reagierte vermutlich verdutzt. Doch dem ist so: Mit «Farming Simulator» – oder zu Deutsch: Landwirtschafts-Simulator – ist dem in Schlieren beheimateten Unternehmen Giants Software ein wahrer Clou gelungen. Ihr Spiel hat auf Facebook über 500 000 Fans, im offiziellen Forum zum Spiel tauschen sich bis zu 80 000 Spieler aus der ganzen Welt aus.
Die Idee zum Spiel sei eher zufällig entstanden, sagt Thomas Frey, einer der vier Teilhaber von Giants Software. Ein Freund von Stefan Geiger, einer der beiden Firmengründer, liess sich vom Spiel «SimTractor» inspirieren: «Technisch und grafisch war dieses jedoch sehr bescheiden, die Idee dahinter fand er aber spannend», so Frey. Ab 2007 begannen Geiger und Christian Ammann, beides Entwickler, in ihrer Zürcher Wohngemeinschaft am Spiel zu arbeiten.

Farming Simulator 15 GOLD Edition – Launch Trailer

Keine Unfälle, keine Wetterschäden

Worum es beim Spiel geht, ist schnell erklärt. Der Spieler startet seine Arbeit auf einem kleinen Bauernhof mit teils alten, teils sehr kleinen Maschinen. Mit dem Verkauf der Ernte und klugen Investitionen in Geräte, Maschinen und Ländereien wächst der Betrieb und wird stets professioneller und grösser. «Die Landwirtschaft eignet sich sehr gut als Thema für ein Computergame. Dies, weil sie sehr facettenreich ist und mit allen Gerätschaften und Maschinen viele spannende Möglichkeiten bietet», sagt Frey. Ziel ist es, die besten Geräte, beispielsweise den teuersten Mähdrescher, erwerben zu können. Dabei gibt es in «Farming Simulator» keine Levels zu erreichen. Das fortwährende Wachstum ist das Ziel. Gegenüber der Arbeit eines realen Landwirts hat «Farming Simulator» doch einen gewaltigen Vorteil: Unfälle und Wetterschäden existieren nicht.

Farming Simulator 15 – Launch Trailer

Für wen sich das Computerspiel eignet, steht für Frey fest. «Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren mögen es, weil man mit dem Traktor herumfahren kann», sagt er. Doch auch für erwachsene Spieler, die ein Faible für detailreiche Darstellungen und Simulationen von Maschinen haben, ist «Farming Simulator» wie gemacht. «Diese hätten am liebsten, wenn jeder Knopf an jedem Traktor authentisch wie in der Realität programmiert wäre.

Wer nun denkt, dass sich bald Langeweile einstellen könnte, der liegt falsch. Denn Giants Software entwickelt das Spiel laufend weiter. Bei der letzten Version des Simulators wurde beispielsweise das Fällen von Bäumen als neue Funktion eingeführt. «Ende 2016 wird eine neue Version auf den Markt kommen», sagt Frey. Details dürfe er jedoch keine bekannt geben. Doch nicht nur die Entwickler bringen das Spiel voran, auch die Spieler selber können einen Beitrag dazu leisten: So können sie selber sogenannte Mods erstellen und selber Spielelemente – vom Haus über den Traktor bis zum Lastwagen – entwerfen und ins Spiel miteinbringen. Diese können kostenlos heruntergeladen werden: Dem virtuellen Bauernhof sind also keine Grenzen gesetzt.

Als Giants Software im Jahr 2008 gegründet wurde, entwickelten die Programmierer auch andere Spiele. Etwa einen Simulator für den Unterhalt von Skigebieten: «Mit der Zeit stellte sich ‹Farming Simulator› als durchschlagender Erfolg heraus. Daher fokussierten wir auf die Weiterentwicklung dieses Spiels», so Frey. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 21 Mitarbeiter, zu denen noch zahlreiche freie Mitarbeiter hinzukommen. «Wir wollen weiter wachsen und auch wieder andere Spiele entwickeln können», sagt Frey, doch dazu müsste das Unternehmen mehr Mitarbeiter anstellen.