W illy Mayunda war gerade dabei sich in der Sakristei der katholischen Kirche Oberengstringen für den anstehenden Gottesdienst – einer seiner ersten – vorzubereiten, als es an der Tür klopfte.

Eine Frau aus der Kirchgemeinde trat in den mit Holztäfer verkleideten Raum, in der Hand eine Flasche Champagner, im Gesicht ein Lächeln.

«Heute ist Valentinstag. Darauf müssen wir anstossen. Auf eine gute Freundschaft», sagte sie.

Für Mayunda, der seit Anfang Februar der neue Pfarrer der Engstringer Katholiken ist, war dies ein Schlüsselmoment: «Noch nie wurde ich auf derart unkonventionelle Weise in der Sakristei willkommengeheissen», sagt er lachend.

Gelacht habe er auch als Reaktion auf den Champagner. «Jetzt sind wir Freunde, aber wie heissen Sie denn», habe er geantwortet.

Der 52-jährige Mayunda tritt die Nachfolge von Joseph Naduvilaparambil an, der eine Stelle als Pfarrer im Glarnerland angenommen hat.

Nach dem Studium der Philosophie und Theologie wurde der nach einem belgischen Missionar «Willy» getauften Mayunda 1989 zum Priester geweiht, woraufhin er zehn Jahre in seiner Heimatstadt Boma tätig war.

Im Jahr 1999 siedelte er nach Deutschland über und begann mit seiner Promotion an der philosophisch-theologischen Hochschule Sankt Georgen zum Thema «Missionierung des Kongo».

2004 kam er in die Schweiz und wurde zum Vorsteher der Pfarrei St. Laurentius in Winterthur Wülflingen.

Nach elf Jahren sei jedoch die Zeit für einen Wechsel gekommen, sagt er. Da die Engstringer Katholiken auf der Suche nach einem neuen Pfarrer waren, packte Mayunda die Chance beim Schopf.

Jeder Mensch sei anders, aber er selber falle halt – wohl aufgrund seiner Hautfarbe – besonders auf, sagt Mayunda. Fremdenfeindlichkeit habe er bisher kaum erlebt.

Ob in Mainz, Frankfurt am Main, Winterthur oder nun in Oberengstringen wurde er stets mit offenen Armen empfangen.

«Dies hängt aber sicherlich auch mit meiner Stellung als Pfarrer zusammen. Wäre ich ein Asylsuchender, würden die Menschen wohl anders auf mich reagieren.»

Dass sich Menschen ausdrücklich über Qualitäten freuen, die er mitbringt, sei oft der Fall. «Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich in Winterthur während meiner Zeit als Pfarrer viel verändert hatte. Eine Frau sagte mir aber nach einer Weile, dass durch meine blosse Anwesenheit, meine Art, die Pfarrei fröhlicher wurde.» So reisse er im Gottesdienst auch hin und wieder einen Witz, das sei ihm wichtig.

St. Mauritius

Das Pfarr-Rektorat Engstringen wurde am 21. Juli 1961 gegründet. Bereits im Vorjahr wurde der Architekt Fritz Metzger beauftragt, ein Vorprojekt für eine Kirche, ein Pfarrhaus und Vereinsräume in Oberengstringen zu entwerfen. 1963 folgte die Grundsteinlegung durch Generalvikar Alfred Teobaldi, und am Palmsonntag 1964 konnte die Kirche provisorisch bezogen werden. Der Bischof von Chur, Johannes Vonderach, weihte die Kirche am 31. Mai 1964 ein. Bei der Renovation der Kirche vor zwei Jahren wurden die Wandteppiche durch ein gläsernes Altarbild ersetzt, gestaltet vom Künstler Diether F. Domes (siehe Bild). Er wollte damit laut eigener Aussage «eine neue Wertigkeit des Kirchenraumes und des gemeindlichen Miteinanders» erschaffen.

In Sachen Pünktlichkeit kam es schon zu Misstrauen gegenüber dem Kongolesen: «Einmal wurde ich in Deutschland um 19.30 Uhr zu einer Sitzung geladen. Ich war pünktlich am vereinbarten Ort, die anderen liessen auf sich warten. Nachdem ich auch telefonisch niemanden erreichte, ging ich um zehn vor acht wieder nach Hause», erzählt er.

Erst später habe er erfahren, dass die Sitzung um acht begonnen hätte, man von ihm aber eine halbe Stunde «afrikanische Verspätung» erwartet hatte. Heute kann Mayunda zwar darüber lachen, doch damals empfand er es als grosse Frechheit.

Die Kirche St. Mauritius an der Oberengstringer Dorfstrasse besticht durch ihr episch anmutendes Altarbild des Künstlers Diether Domes. Ansonsten kommen die Kirche wie auch die angrenzenden Büros der Pfarrei sehr schlicht daher, weisse Wände, die dezent bebildert sind.

Einzig in der Sakristei findet sich auf Augenhöhe neben der Eingangstür zur Kirche eine an die Wand geklebte Fotografie von Papst Franziskus. Etwa dreissig Zentimeter darunter ist ein zweites, weitaus kleineres Bild zu erkennen. Es zeigt den Churer Bischof Vitus Huonder.

Steht Mayunda stramm hinter seinen kirchlichen Vorgesetzten, denen regelmässig vorgeworfen wird, einen weltfremden Katholizismus zu predigen?

«Ich freue mich, wenn Menschen die Kirche hinterfragen.  So entstehen konstruktive Diskussionen, die wichtig sind», sagt er. Ihm sei bewusst, dass er sich als Pfarrer an der Schnittstelle zwischen der menschlichen Lebensrealität und den kirchlichen Prinzipien befinde: «Die Kirche ist eine über 2000 Jahre gewachsene Institution.»

Dabei dürfte Mayunda eine besonders schwierige Vermittlerrolle innehaben. Ist doch die Verbreitung des HI-Virus in seiner Heimat sehr hoch, der Vatikan aber dezidiert gegen die Verwendung von Kondomen. «Ich verstehe, dass die Menschen sich gegen das Virus schützen», sagt er. Detaillierter wolle er sich zu diesem Thema jedoch nicht äussern.

Festhalten will er jedoch, dass er jede und jeden als seine Schwester und seinen Bruder betrachtet. «Dieses Familiengefühl ist es, was ich mit meiner Arbeit als Pfarrer zu den Engstringer Katholiken bringen will.»

Die offizielle Amtseinführung von Pfarrer Mayunda findet am Sonntag, 6. März, um 10.00 Uhr im Gottesdienst durch Dekan Peter Camenzind statt.