Ein Geschenk bringt nicht immer Freude. Etwa dann nicht, wenn es im Zusammenhang mit einem lokalpolitischen Zankapfel gemacht wird. So geschehen in Dietikon kurz vor Weihnachten: Den Komiteemitgliedern der Initiative «Ja zum historischen Ortskern», die sich im Dezember 2014 gegen den Verkauf des «Alten Bären» gewehrt hatten, wurde je ein ausrangierter Fensterladen des denkmalgeschützten Gebäudes zugestellt.

Kommentarlos, aber mit einer Plakette, auf der «Zum Gedenken an den alten Bären» steht. Der Absender: Markus Ehrat, der neue Eigentümer des Gebäudes auf dem Kronenareal. «Das Komitee hat sich für den ‹Alten Bären› eingesetzt. Die Läden sollten ein Weihnachtsgeschenk sein», erklärt Ehrat auf Anfrage.

Das Geschenk sei aber auch als Scherz gedacht, so wie sich die Initianten nach dem Verkauf des Gebäudes vor rund einem Jahr einen mit dem Plakat «Stadtrat Dietikon Immobilien AG» erlaubt hätten.

Schmutz lässt auf Spott schliessen

Allerdings scheinen nicht alle Empfänger des Geschenks Ehrats Art von Humor zu teilen. Für Samuel Spahn, der sich als ehemaliger Gemeinderat der Grünen sehr über den Verkauf des «Alten Bären» enerviert hat, wie er sagt, ist es «ein schlechter Scherz» und eine «Frechheit».

Er finde die Aktion daneben und er wisse nicht, was er mit dem Laden anfangen solle. «Eigentlich könnte ihn Ehrat wieder abholen.» Auch Ernst Joss (AL) hat für den Fensterladen keine Verwendung und bezeichnet diesen als «seltsames» Geschenk.

Einigung rückt näher

In den Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Komitee der Initiative «Ja zum historischen Ortskern» zeichnet sich immer stärker eine Einigung und damit ein Antrag an den Gemeinderat ab. Wie dessen Präsident Manuel Peer sagt, hat das Komitee einen Vorschlag der Stadt gutgeheissen. «Nun warten wir auf eine offizielle Fassung», sagt Peer. Wie der Vorschlag aussieht, wurde bereits im vergangenen Oktober bekannt: Der Gemeinderat soll beim Schutz des historischen Kronenareals mehr Kompetenzen erhalten. Namentlich die «Krone» und die Zehntenscheune sollen im Besitz der Stadt verbleiben und allfällige Veräusserungen nur mit der Zustimmung des Gemeinderats möglich sein. Diese Regelung könnte zudem nur mit einem referendumsfähigen Beschluss des Parlaments rückgängig gemacht werden.

Er wisse nicht genau, was Ehrat damit habe bezwecken wollen. «Vielleicht fand er es lustig, vielleicht ist es eine hämische Art, um uns zu sagen: Da habt ihr euren ‹Alten Bären›. Das ist schwierig zu sagen», sagt Joss. Er möchte sich nun mit seinen Kollegen besprechen, ob sich mit den Fensterläden allenfalls eine politische Aktion durchführen lasse. «Sollte das nicht der Fall sein, werde ich Ehrat bitten, den Laden wieder abzuholen», so Joss, der keine Lust hat, diesen selber zu entsorgen.

Bei Manuel und Catherine Peer, SP-Gemeinderäte und Komiteemitglieder, hat der Fensterladen «gemischte Gefühle» geweckt, wie sie auf Anfrage sagen. Catherine Peer empfindet das Geschenk als etwas spöttische Geste des neuen Besitzers gegenüber den unterlegenen Initianten.

«Der Laden hat vor Dreck gestrotzt, als er ankam, es gab keinen Begleitbrief und die Plakette ist unsorgfältig montiert», begründet Catherine Peer ihre Skepsis an der Aufrichtigkeit des Geschenks. Auch ihr Mann hätte es «als besser empfunden» wenn das Geschenk mit etwas mehr Mühe gemacht worden wäre.

«So wirkt es wie ein billiger Scherz», sagt Manuel Peer. Trotzdem ist er «etwas betupft», dass seine Frau und er nicht zwei Läden erhalten haben. «Damit werde ich benachteiligt. Oder noch schlimmer: meine Frau.» Er sei Ehrat deswegen aber nicht böse. «Wir hatten auch zuvor nie etwas gegen ihn.» Der Architekt habe als einer von wenigen in Dietikon bei seiner Arbeit Stil und Geschmack bewiesen.

Das Ehepaar Peer hat den Fensterladen nun in den Garten gestellt, damit er vom Regen saubergewaschen wird. «Was wir danach mit ihm anfangen sollen, wissen wir derzeit noch nicht», sagt Catherine Peer.

Warten auf die offizielle Fassung

Auch der CVP-Gemeinderat Reto Siegrist hat das nicht alltägliche Geschenk in den Garten gestellt. Er sieht die Geste des neuen Eigentümers «nicht als boshaft» an. «Ich habe die Geste positiv aufgenommen», sagt er. Er habe sich dafür bei Ehrat auch mit einer Karte bedankt. «Ich bin nun einer der wenigen, die ein Stück des historischen Dorfkerns besitzen», so Siegrist.

Auch er hat nicht mit dem neuen Eigentümer des «Alten Bären» ein Problem, sondern mit dem Stadtrat. Dessen Versäumnisse empfinde er als störend, sagt Siegrist. «Nach über einem Jahr ist die Bearbeitung unserer Initiative immer noch nicht abgeschlossen.» Für den CVP-Politiker hätte die Stadt dem Gemeinderat längst einen fürs Komitee akzeptablen Vorschlag vorlegen müssen – als Voraussetzung dafür, dass die Initiative zurückgezogen wird.

Mit dieser hatte das Komitee Ende 2014 den Verkauf des «Alten Bären» verhindern und die Stadt zum Schutz des historischen Ortkerns auf dem Kronenareal verpflichten wollen. Dafür hätte gemäss Initiativtext die Dietiker Gemeindeordnung geändert werden sollen. Allerdings erfolgte der Deal zwischen der Stadt und der Ehrat Immobilien AG just wenige Tage, bevor das Komitee aus Vertretern der SP, AL, Grünen und CVP das Volksbegehren einreichte.

Dies löste einen Sturm der Entrüstung aus. Unabhängig vom Verkauf des «Alten Bären» müsste die Initiative aber nach wie vor vors Volk. Dies wird auch vom Komitee als wenig sinnvoll erachtet, weshalb es mit der Stadt nun nach einer anderen Lösung sucht, um die restlichen Gebäude auf dem Kronenareal zu schützen.