Mit Ihnen ist auch ein Stück Zeitgeschichte vorbei. Denn diese Triebzüge waren mehr als nur Eisenbahnwaggons. Sie standen einmal sinnbildlich für Technik, Fortschritt und Arbeitsplätze in der Region. Nun werden sie bis auf einen Letzten ausgemustert und verschrottet. Eine Gruppe von ehemaligen Lehrlingen der alten Schweizerischen Waggons- und Aufzügefabrik Schlieren, die diese Waggons vor 42 gebaut hatte, fuhr die letzte Fahrt von Dietikon nach Bremgarten.

Klassentreffen auf dem Mutschellen

Wie gewohnt pünktlich um 19.33 Uhr verliessen die beiden Bde-8/8- Doppelgelenktriebzüge den Bahnhof Dietikon in Richtung Bremgarten. Ein letztes Mal vorbei an der St.-Agatha-Kirche und über die Bremgartenstrasse, das Zentralschulhaus hinter sich lassend. «In diesem hatten wir früher Schule», erinnert sich Hans Tanner. Die Fahrt nach Bremgarten an jenem Abend erinnerte ein bisschen an ein Klassentreffen.

Gleich fünf Lehrlinge der ehemaligen «Wagi»-Fabrik in Schlieren waren zusammengekommen. «Ich weiss noch, wie ich diese Kleiderhaken gefräst habe», sagte Joseph Meier lachend und deutet auf die Haken über den Sitzabteilen. 1968 begannen sie alle zusammen die Lehre in der «Wagi». Zwei von ihnen waren sogar extra aus dem fernen Bündnerland gekommen, um in Schlieren die Stifti zu absolvieren. «Und dann durftet ihr am Freitag immer früher nach Hause, weil ihr bis nach Davos musstet und wir anderen durften die Werkstatt aufräumen», meinte Hans Tanner feixend. Die Stimmung war gut, während die Bahn den steilen Hang auf den Mutschellen erklomm.

«Rückspiegel habe ich gebaut!»

Ein Kondukteur, gekleidet in die alte Uniform der BD-Bahn, erzählte von der Geschichte dieser Waggons und verteilte einen Info-Flyer. Die Klassenzusammenkunft feixte ein bisschen über die technischen Ungenauigkeiten in den Ausführungen des Schaffners. Ihnen muss man halt nichts über diese Waggons erzählen wollen. Sie kennen sie in- und auswendig. Während die Waggons unter lautem Pfeifen zum letzten Mal in den Bahnhof Bremgarten einfuhren, erzählte Joseph Meier, wie sie schon früher immer auf genau diesen Plätzen gesessen seien.

Im Bahnhof Bremgarten gab es einen kleinen Apéro. Dort erzählte der heutige Direktor der BDWM Transport AG, Severin Rangosch, aus der Blütezeit dieser Waggons. «Heute sind sie einfach veraltet», sagte Rangosch. Sie würden jetzt ausgemustert und verschrottet. Einer aber bleibt erhalten. Ausgebaut zu einem Event-Wagen, wird er in Zukunft für Plauschfahrten zur Verfügung stehen. «Im schlimmsten Fall würden wir ihn sogar wieder einsetzten, wenn wir aus irgendeinem Grund keine anderen Waggons zur Verfügung hätten», meint Rangosch augenzwinkernd.

Hans Tanner und seine Kollegen interessierte dies alles herzlich wenig. «Sieh mal, diesen Rückspiegel habe ich gebaut», rief Fritz Santschi plötzlich laut auf. Und schon erschien den ehemaligen Waggonbauern der Rückspiegel des Bde-8/8- Triebwagens unendlich viel interessanter als alle Reden des BDWM-Direktors zusammen.

Unter Applaus fuhren die beiden Triebwagen zum letzten Mal aus dem Bahnhof Bremgarten hinaus und ins Depot. Bei aller Nostalgie waren sich am Schluss auch die fünf ehemaligen Klassenkameraden einig: Es war eine schöne und gute Zeit.