Wer kennt das Problem nicht? Glitt das Messer kürzlich noch geschmeidig durchs Fleisch, bleibt es mittlerweile im Pouletschnitzel stecken und zerreisst es unschön. Die erste Reaktion vieler Leute: Das Messer wird entsorgt und ein neues auf der Einkaufsliste notiert. «Das ist typisch für unsere heutige Gesellschaft. Die Menschen werfen ihre Messer einfach weg, sobald sie nicht mehr schneiden. Dabei wäre es viel sinnvoller, von Anfang an auf Qualität zu setzen und sie schleifen zu lassen», meint der gelernte Feinschleifer Maurizio Papini.

Der 58-Jährige feiert gleich an zwei Tagen im März die Eröffnung eines Verkaufsshops neben seiner Schleifwerkstatt in Urdorf. Verkaufen wird er dort qualitativ hochwertige Messer. «Sie kosten heute kaum mehr als durchschnittliche Messer und das Schleifen ist günstiger, als jedes Jahr ein neues Produkt beim Detailhändler zu kaufen», sagt er. Ab Fr. 5.50 schleift, poliert und repariert er sämtliche Schneidwerkzeuge – egal wie verbogen und verrostet sie auch sind. «Ich will den Leuten bewusst machen, dass sich das Schleifen noch immer lohnt. Und erst noch umweltschonender ist.» Das Pflaster für Feinschleifer sei heutzutage jedoch ein hartes.

Feinschleifer: eine seltene Spezies

In der Schweiz gibt es nur noch 64 Berufsleute, die diesen Job ausüben. Gerade mal zwei Messerschmiede pro Jahr – so nennt sich die Lehre, zu welcher heute das Feinschleifen gehört – werden laut dem Lehrstellennachweis (LENA) ausgebildet. Viele Menschen hätten kein Vertrauen mehr in den Beruf, sagt Papini. «Er ist ihnen fremd.» Dies sei aber nicht der einzige Grund für das mangelnde Vertrauen.

Noch immer gebe es viele Hausierer, die von Tür zu Tür gehen und den Leuten anbieten, ihre Messer zu schleifen. Laut Papini sehe man sofort, dass die meisten von ihnen den Beruf nie gelernt hätten: «Statt die Schere auseinanderzunehmen und richtig zu schleifen, wie wir es tun, polieren sie sie nur.» Ausserdem besässen sie keine Ersatzteile wie Schrauben. Da auch viele Firmen heutzutage solche Teile nicht mehr herstellen, möchte Papini im kleinen Shop seiner Feinschleiferei nur Produkte von Marken verkaufen, die ihm noch Ersatzteile liefern.

Im gleichen Gebäude, in dem sich Papinis Verkaufsladen befindet, liegt auch seine Werkstatt. Vier rund 200 Kilogramm schwere Schleif- und Poliermaschinen stehen dort. Auch sie unterscheiden den Feinschleifer klar vom Hausierer: «Unsere Maschinen kann man nicht einfach unter den Arm klemmen», so Papini. Die Hausierer hingegen hätten oft kleine «Spielzeugmaschinen», die sie mitbringen würden. «Bei meinen Modellen sagte ich mir hingegen: Entweder gute Maschinen oder gar keine», so der Urdorfer mit einem Augenzwinkern.

Seinen aussergewöhnlichen Beruf wählte Papini vor gut 41 Jahren nicht freiwillig. «Als ich mit 17 Jahren aus Italien in die Schweiz kam, entschied mein Vater für mich», sagt er. Bei Cozzio, einem Winterthurer Fachgeschäft für Messer, lernte Papini das traditionelle Handwerk. «Jemand stand neben mir an der Schleifmaschine und zeigte mir, wie es geht», so der Urdorfer, dem die Arbeit bald grossen Spass bereitete. Nach einigen Jahren wechselte Papini dennoch den Beruf und begann in der Spedition zu arbeiten. Hobbymässig habe er nebenbei aber weiter «leidenschaftlich gerne» in seiner Werkstatt für Kollegen Messer geschliffen.

Letztes Jahr blieb dem Urdorfer jedoch nichts anderes übrig, als sein Hobby wieder zum Beruf zu machen. «Mir wurde als Lagerist gekündigt», sagt er. Also beschloss Papini, in Urdorf seinen Verkaufsshop zu eröffnen und Schneidwerkzeuge zu schleifen. Als Feinschleifer sei es sehr wichtig, dass man stets ruhige Hände habe und bei der Arbeit sehr konzentriert sei. «Am besten arbeitet man alleine und ungestört», sagt Papini. Er selbst habe sich während der Arbeit zum Glück noch nie verletzt. Und auch für seine Kunden hat er eine gute Nachricht: «Mit geschliffenen Messern schneidet man sich meiner Erfahrung nach für gewöhnlich seltener. Weil man damit nämlich nicht abrutscht.»

Feinschleiferei-Rasenmäherservice Papini
Eröffnung Verkaufsshop:

5. und 12. März 2016, 11 bis 17 Uhr,

Dorfstrasse 14, 8902 Urdorf.