Bereits nach 28 Minuten war der emotionale Höhepunkt in der Partie zwischen dem HC Dietikon-Urdorf und BSG Vorderland erreicht. «Das ist rot!», ereiferte sich Jan Sedlacek an der Seitenlinie. «Er hält ihn am Hals fest!» Die lautstarke Beschwerde des Trainers von Dietikon-Urdorf in Richtung des Schiedsrichtergespanns blieb nicht ungehört, provozierte vor allem eine Reaktion der Spieler von BSG Vorderland. «Setz dich!», giftete einer von ihnen zu Sedlacek.

Es war der hitzigste Moment an Samstagabend in Unterengstringen. Sedlaceks Ärger galt einem sehr harten Foul von Vorderlands Claudio Näf gegen Dietikon-Urdorfs Wladisla Michalko: Näf hatte seinen Gegenspieler für einen Moment am Hals gepackt und ihn niedergerissen. Dafür bekam er eine Strafe von zwei Minuten aufgebrummt – nicht nur für Sedlacek ein zu milder Entscheid. «Diese Aktion hätte aus meiner Sicht Rot geben müssen», meinte Heinz Burla, Präsident des HC Dietikon-Urdorf.

Die Szene mit Näf und Michalko war nicht die einzige, die für Aufregung sorgte. Das Spiel zwischen dem Tabellenschlusslicht und den drittplatzierten Gästen geriet phasenweise zu einem Ringkampf, bei dem sich vor allem die Limmattaler vom Schiedsrichterduo benachteiligt fühlten. «Durch das hohe Tempo der Gäste sahen deren Fouls womöglich weniger brutal aus als unsere», meinte Torwart Alessandro Crippa. «Darum haben wir mehr Strafen kassiert. Wir haben uns allerdings auch zu sehr mit den Schiedsrichtern beschäftigt.»

Limmattaler ohne Präzision

Insgesamt musste Dietikon-Urdorf fünfmal in Unterzahl spielen, während die Gäste nur einmal mit zwei Minuten bestraft wurden. Doch an den Strafen allein lag es nicht, dass die Limmattaler in der Abstiegsrunde die vierte Partie in Folge verloren. Nachdem sie in den ersten Minuten in Führung gegangen waren, lagen sie nach einer Viertelstunde mit nur einem Tor zurück. Dann baute Vorderland den Vorsprung auf vier Tore aus, bis zum Ende der ersten Hälfte waren es fünf. Nach der Pause schafften es die Limmattaler immerhin, den Rückstand nicht grösser werden zu lassen – zehn Minuten lang. Dann legten die Gäste nach und zogen bis auf neun Tore davon. Die Partie war damit entschieden. In den letzten drei Minuten spielten fast nur noch die Gäste und erzielten fünf Treffer. «Wir haben zu viele einfache Tore kassiert», meinte Crippa. Den Mitspielern mangelte es an Präzision. Sie trafen unzählige Male nur Pfosten oder Latte. «Allein Michalko schoss den Ball acht Mal an die Torumrandung», gab Burla zu bedenken und fügte hinzu: «Uns fehlt einfach das Wettkampfglück.»

Für die Limmattaler dürfte es schwierig werden, aus dem Tabellenkeller herauszukommen. Zwar haben die Konkurrenten Lägern Wettingen und Volketswil ebenfalls verloren. «Deshalb liegt der sechste Platz für uns noch in Reichweite», sagte Crippa. Dieser würde Dietikon-Urdorf zumindest vor dem Abstieg in die 2. Liga bewahren. Derzeit sind die Volketswiler Sechste, haben allerdings ein Spiel mehr. Die Limmattaler haben nur zwei Punkte Rückstand.

Dennoch: Der Druck steigt innerhalb der Mannschaft. Aus Burlas Sicht ist das kein Nachteil: «Das Team trainiert gut, es muss einfach den Knoten lösen.» Die Moral haben die Limmattaler jedenfalls nicht verloren. «Wir müssen zehn Prozent mehr geben als der Gegner», sagte Crippa. Das wäre am nächsten Sonntag Pfader Neuhausen, gegen das die Limmattaler im Hinspiel mit sechs Toren Differenz verloren haben. Dann folgt Lägern Wettingen, die einzige Mannschaft, gegen die Dietikon-Urdorf in der Abstiegsrunde punkten konnte. Spätestens dann müssten die Limmattaler den Turnaround schaffen. «Ich glaube nicht, dass wir zu schlecht für diese Liga sind», so Crippa.