Nur knapp drei Wochen nach der Freude über die gesammelten Spenden kommt die grosse Ernüchterung. Wie das Weininger Ehepaar Josef und Silvia Zihlmann vor wenigen Tagen auf der Facebook-Seite seiner Tierschutz-Organisation «Starromania» bekannt gaben, wird das geplante Mega-Hundeheim in Rumänien wohl nicht realisiert werden. Dies obwohl die beiden während knapp anderthalb Monate rund 200 000 Euro mittels Crowdfunding generierten.

Bis zu 3000 Strassenhunde hätten auf dem Areal eines ehemaligen Tierheims unterkommen sollen. Auch die Lage, einige Kilometer von der rumänischen Hauptstadt Bukarest entfernt, wäre für eine solche Station optimal gewesen. Gemeinsam mit der Tierschützerin Jasmin Ellger und dem Tierrechtler Claudiu Dumitriu setzten sich die Weininger zum Ziel, 164 000 Euro Startkapital zu sammeln. Das Ehepaar Zihlmann betreibt seit Jahren bereits ein Tierheim in der Region Siebenbürgen und unterstützt mit Starromania lokale Tierärzte und Heime in Rumänien.

Attraktivere Variante als gedacht

Zu Beginn sah alles vielversprechend aus. Nachdem die Spendenaktion Anfang Februar endete, reiste Josef Zihlmann nach Rumänien. Ziel war es, die Verträge für das Areal auszuhandeln. Es sah gar danach aus, als würde eine attraktivere als ursprünglich gedachte Variante realisiert werden. So gingen Zihlmanns bei der Bestvariante von einer Monatsmiete von 15 000 Euro aus, die aufgrund einer Vorauszahlung von sechs Monatsmieten 30 Prozent reduziert worden wäre. Diese Summe entspricht dem Spendenziel von knapp 160 000 Euro für ein Jahr. Dann unterbreitete der Besitzer ein neues Angebot.

So sollten ihm eine Million Euro ausbezahlt werden, was die Initianten für die Nutzung des Areals für fünf Jahre berechtigte, ohne Mietkosten entrichten zu müssen. Nach Ablauf dieser Frist wäre den beiden das Geld entweder zurückbezahlt worden, oder aber das Areal wäre in ihren Besitz übergegangen. «Wir machten uns also auf die Suche nach einem Grosssponsor und wurden fündig», schreiben Zihlmanns auf Facebook. Es handelt sich dabei um einen Anwalt und grossen Tierfreund, der diese Million zur Verfügung gestellt hätte. Hätte: Denn während der Verhandlungen Anfang Februar zog der Besitzer seine Offerte plötzlich zurück. Das Geld des Schweizer Anwalts war aber an das 5-Jahres-Angebot geknüpft.

Als Begründung für den Rückzug des aus Sicht der Zihlmanns attraktiven Angebots habe der Besitzer den Austausch mit dem Vorgesetzten seiner Religionsgemeinschaft genannt, der ihm davon abgeraten habe. Doch damit nicht genug: Auch hätten Zihlmanns vom Besitzer Einsicht in die Bücher der Anlage, wie Steuerbelege und Ausgaben für Nebenkosten, verlangt. Dieser habe solche Auskünfte jedoch verweigert. «Es wurde unmöglich, uns einen Überblick über allfällige bestehende Verpflichtungen und unausgesprochene Kosten zu machen», schreiben Zihlmanns in ihrem Facebook-Eintrag. Nebenbei hätten sie erfahren, dass die Beheizung der Halle monatlich bis zu 5000 Euro zu Buche schlägt.

Zur Miete wären die laufenden Kosten für Strom, Wasser und Abfallentsorgung hinzugekommen. Somit wären – mit den Mitarbeiterlöhnen – rund 35 000 Euro monatliche Kosten entstanden, dies ist fast das Dreifache des prognostizierten, im Crowdfunding ausgewiesenen Budgets. «Die Bedingungen, zu denen das Gelände hätte gemietet werden können, waren für uns inakzeptabel.» So habe der Besitzer aus Sicht der Zihlmanns nicht mit offenen Karten gespielt, da er sie über allfällige Zusatzkosten im Dunkeln gelassen und das 5-Jahres-Angebot spontan zurückgezogen habe. «Wir können nicht verantworten, dass das von unzähligen Tierschützern mühsam zusammengekratzte Geld verschleudert wird», schreiben Zihlmanns. So hätten sie sich gegen einen Vertragsabschluss entschieden.

Doch noch Hoffnung?

Und nun? Wie viele der Spender seien auch sie frustriert über das Scheitern des Projekts «Dog Town», schreibt das Weininger Ehepaar. Doch würden sie sich weiterhin für die rumänischen Strassenhunde einsetzen. Dass Zihlmanns das Projekt jedoch nicht realisieren, heisst nicht, dass dies nicht jemand anderes tun könnte. So würden sich andere Beteiligte überlegen, «Dog Town» gemeinsam mit anderen Partnern umzusetzen, wie Anfang diese Woche bekannt wurde. Derzeit sei man in Abklärung, ob das gespendete Geld auch ohne Zihlmanns an Bord eingesetzt werden könne oder ob die Spendengelder rückerstattet werden müssen.