Der Urdietiker Hans Peter Trutmann hat es sich zur Aufgabe gemacht, über alle ihm wichtig erscheinenden verstorbenen Personen der Stadt Kurzbiografien zu verfassen. In seiner Sammlung schreibt er über 230 Männer und Frauen, die sich im gesellschaftlichen, kulturellen, politischen, wirtschaftlichen oder kirchlichen Leben Dietikons engagiert haben. Grundlage der Kurzporträts sind Artikel in Zeitungen und Neujahrsblättern sowie Abklärungen bei Nachfahren und persönliche Erinnerungen Trutmanns.

Das Buch erscheint als diesjähriges Neujahrsblatt unter dem Titel «Ein kleines stilles Leuchten aus Dietikon» am 15. November und will bereits verstorbene Personen ins Gedächtnis zurückrufen. Die Limmattaler Zeitung stellt sechs davon vor.

Anna Koch-Konrad, 1887-1964

Anna Koch-Konrad

Anna Koch-Konrad

Zwei Jahrzehnte lang wirkte Anna Koch-Konrad als Präsidentin für den Frauenverein Dietikon. Sie leistete einen grossen Einsatz für die beiden bis 1946 privat geführten Kindergärten und die im Jahre 1956 gegründete Kinderkrippe. Sehr aktiv war sie auch im Altersklub «Heimelige Egge». Kaum jemand hat so viele alte und kranke Leute besucht wie Koch-Konrad. Selbst hatte die Dietikerin keine Familie. Ihr Mann verstarb bereits in jungen Jahren, die Ehe blieb kinderlos. Über ihre Arbeit bei diversen Hilfswerken hat Koch-Konrad immer wieder in der Zeitung berichtet.

Margaretha Mettler-Strickler, 1897-1996

Margaretha Mettler-Strickler

Margaretha Mettler-Strickler

Die mit Lehrer Matthias Mettler verheiratete Margaretha Mettler-Strickler eröffnete 1935 ein alkoholfreies Restaurant in Dietikon. Die Gaststätte ohne Trinkzwang und Bedienungszuschlag war jeweils von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends geöffnet. Diese Art von Wirtshaus war in der Stadt völlig neu und sollte einen Treffpunkt für alle Gesellschaftsschichten bilden. Um den vielen Wehrpflichtigen, die vom Herbst 1939 bis Sommer 1940 in Dietikon stationiert waren, eine günstige Ausgehmöglichkeit anzubieten, eröffnete sie mit dem «Gemeindestubenverein» eine Soldatenstube. Kurz darauf konnte der Verein eine zweite Soldatenstube in Dietikon einweihen. Mettler-Strickler half praktisch täglich über Mittag in der Küche und beim Bedienen der Gäste. Die grosse, stämmige Frau gehörte zudem während 28 Jahren der Kindergartenkommission an und war Mitglied der Frauenkommission, der Hortkommission und stand der Arbeitsschule vor.

Josef Stocker, 1913–1970

Josef Stocker

Josef Stocker

Nach seiner Lehre als Schriftsetzer arbeitete Josef Stocker in der Druckerei Bollmann in Zürich. 1945 gab er ein Adressbuch für das Limmattal heraus, um sich etwas dazu zu verdienen. Darin hielt er alle Telefonhalter mit Geburtsjahr fest. 1952 gründete er den Verlag Stocker-Schmid, der vor allem Fachzeitschriften für Baufachverlage herausgab. Schweizweit bekannt bei Spezialisten wurde Stocker 1962 durch die Herausgabe der Bücher «Unsere heimischen Nutzhölzer», der «Gygerkarte» sowie des «Tierbuchs» und des «Vogelbuchs». In seiner Freizeit engagierte sich Stocker für den Katholischen Turnverein Dietikon. 1937 gründete er die Jugendriege. Bald entwickelte sich der Klub zu einem Verein, dem auch Reformierte beitraten. Als Präsident motivierte Stocker 1953 den Vorstand und die Turner, eine 14 000 m2 grosse Wiese am südwestlichen Rand des Guggenbühlwaldes zu erwerben. Die Sanierung war kostspielig, doch schliesslich konnte 1963 der Sportplatz eingeweiht werden.

Hans Frei, 1924–1990

Hans Frei

Hans Frei

Der gebürtige Dietiker war von 1970 bis 1990 erster vollamtlicher Stadtpräsident von Dietikon. Seine politische Karriere startete er bereits 1958, als er auf der Liste der SP den Sprung ins erste Gemeindeparlament der Stadt schaffte. Nach seiner Amtszeit wurde Frei zum vierten Ehrenbürger Dietikons ernannt. Als Stadtpräsident hatte er den Ruf, für sämtliche Anliegen ein offenes Ohr zu haben. Sein Lieblingswort bei Debatten war «höllisch». Wenn er sprach, liess er gerne die Augen rollen und betonte jeweils die Endsilben seiner Worte übernatürlich. Politische Erfolge konnte Frei beim Bau des neuen Stadthauses und bei der Erschliessung des Industriegebiets Lerzen/Silbern verzeichnen. Sein Vorschlag der Neugestaltung des Stadtzentrums Dietikon hingegen stiess auf taube Ohren.

Clara Gerber-Graf, 1904–1979

Clara Gerber-Graf

Clara Gerber-Graf

Weil Clara Gerber-Grafs Mann schon früh verstarb, machte sich die damals 36-Jährige selbstständig und übernahm einen Kiosk. Obwohl ihre beiden Vorgängerinnen bereits Insolvenz anmelden mussten, nahm Gerber-Graf ihre Arbeit am Löwenplatz auf. Zu kaufen waren am Kiosk Süssigkeiten, Tabakwaren und Früchte. Zeitungen kamen erst später dazu. Im Winter gab es auch heisse Marroni. Das Geschäft war jeweils bis 19 Uhr geöffnet und nur an fünf Tagen im Jahr geschlossen. Für Gerber-Grafs Kinder war der kleine Kiosk fast wie ein zweites Zuhause, wo sie Schulaufgaben lösten und mit der Mutter Schach spielten. Spitzbuben, die der Frau Süssigkeiten aus den Seitenwänden des Kiosks stehlen wollten, verpasste sie mehrere Male Prügel. Erst nach dreissig Jahren entschied sich Gerber-Graf aus gesundheitlichen Gründen, Abschied vom Kioskleben zu nehmen.

Karl Heid, 1895–1968

Karl Heid

Karl Heid

Burgen, Ortsgeschichte und Denkmalpflege interessierten Karl Heid schon früh. Doch erst nach seiner Pensionierung im Jahre 1961 widmete sich der frühere Postbeamte seiner Leidenschaft intensiver. Heid forschte nach ehemaligen Burgen in den Kantonen Baselland, Aargau und St. Gallen. In Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum beschäftigte er sich auch mit den Limmattaler Burgen Schönenwerd, Glanzenberg, Kindhausen und Hasenburg. Seine Erkenntnisse hielt er in zahlreichen Schriften fest. Grosse Beachtung schenkte Heid zudem dem Inventar von alten Bauernhöfen. Früh erkannte er, dass diese durch die rasche Bevölkerungszunahme im Limmattal gefährdet waren. Er begann, alte Geräte zu sammeln und legte damit den Grundstein für das Dietiker Ortsmuseum.

Vernissage Neujahrsblatt: Samstag, 15. November 2014, 10.30 Uhr im Gemeinderatssaal des Stadthauses Dietikon.