Der Slogan «Kluger Rat – Notvorrat», mit dem der Bund in der Zeit des Kalten Krieges Werbung für das Anlegen von Vorräten machte, ist noch immer weit verbreitet, viele kennen ihn. Er könnte in absehbarer Zeit sogar wieder aktuell werden.

Die «Schweiz am Sonntag» berichtete über die Ergebnisse der Sicherheitsverbundsübung (SVU), die im vergangenen November durchgeführt wurde. Daran beteiligt waren nebst Bund und Kantonen auch grössere Städte wie Zürich und Winterthur.

Zwei Szenarien, ein durch eine Cyberattacke ausgelöster, nationaler Stromausfall sowie eine Grippeepidemie, wurden durchgespielt. Das Ergebnis: Eine Grippeepidemie könnte bewältigt werden, eine länger andauernde Strommangellage wurde bisher unterschätzt. Im Abschlussbericht, der die SVU-Leitung Ende April dem Bundesrat sowie den Regierungsräten vorlegen wird, wird empfohlen, der Bevölkerung Notvorräte wieder ins Bewusstsein zu rufen. So wären 10 Kilo in Form von Reis, Salz, Konserven, Trockenfleisch, Knäckebrot, Wasser und Taschenlampen in jedem Schweizer Haushalt optimal.

Gemeinde nicht verantwortlich

Der Dietiker Sicherheitsvorstand Heinz Illi (EVP) hält diese Empfehlung für vernünftig: «Auch bei kleineren, unvorhersehbaren Ereignissen können Essensvorräte Unannehmlichkeiten verhindern.» So bestehe bereits bei starkem Schneefall oder einem kurzzeitigen Stromausfall die Möglichkeit, dass die Bevölkerung keine Einkäufe tätigen könne.

Ob der Bundesrat auf die Empfehlung der SVU-Verantwortlichen eingeht und ein Obligatorium zum Anlegen von Notvorräten ins Leben ruft, bleibt offen. Fest steht, dass die Gemeinde heute damit nichts zu tun hat. Illi: «Dies wäre eine Weisung vom Bund direkt an die Bürger. Diese müssten dann handeln und die Vorräte anlegen», sagt er. Illi präsidiert die Sicherheitskommission bestehend aus ihm als Sicherheitsvorstand, dem Stadtpräsidenten Otto Müller (FDP), dem Infrastrukturvorstand Roger Brunner (SVP) sowie dem Abteilungsleiter Sicherheit und Gesundheit Thomas Winkelmann. «In diesem Gremium, das der Blaulichtorganisation in Notsituationen beratend zur Seite steht, sind Notvorräte kein Thema», so Illi.

Er erachte es jedoch als wichtig, der Bevölkerung klarzumachen, dass die umfassende Versorgung nicht selbstverständlich ist und auch mal ausfallen könne. Hat Heinz Illi auch selber einen Notvorrat zuhause? «Klar», sagt er. Dieser bestehe hauptsächlich aus Wasser und Fruchtsäften. Auch Reis, Teigwaren, Öl und Fett, Büchsennahrung, Zwieback und Suppen seien in seinem Keller aufbewahrt. Schokolade und von seiner Frau hergestellte Konfi seien ebenso dabei.

Aufklärung ist zentral

Eine weitere Empfehlung für den Bundes- sowie die Regierungsräte, die aus der SVU hervorging, betrifft die Orientierung und Information der Bevölkerung. So sei bei einem Stromausfall fraglich, ob beispielsweise Sirenen trotz Batterie funktionieren würden. Flugblätter und Plakate seien hierfür eine bewährte Alternative. Illi regt zudem an, die Bevölkerung wieder vermehrt über die Informationsabläufe aufzuklären. «Beim Blitzschlag in die St.-Agatha-Kirche zeigte sich, dass viele Menschen die Notrufnummern wählten, anstatt das Radio einzuschalten», so Illi. So sei es wichtig, dass die Leute wissen, woher sie ihre Informationen im Ernstfall erhalten.