«Trockenperiode — Wasser sparen!»: Mit deutlichen Worten richtet sich die Gemeinde Bergdietikon in einer kürzlich veröffentlichten Mitteilung an ihre Bürgerinnen und Bürger. Darin weist der Gemeinderat darauf hin, dass der Grundwasserspiegel auf ein sehr tiefes Niveau gesunken sei. «Und die Ergiebigkeit der Quellen ist zurückgegangen.» Da ausserdem der Wasserverbrauch derzeit gross sei, liessen sich die Reservoire der Gemeinde nur mit Mühe auffüllen. Aufgrund des Wassermangels und beruhend auf dem kommunalen Wasserreglement hat Bergdietikon nun per Allgemeinverfügung diverse Gebote und Verbote erlassen.

So sollen Rasen, Gärten und Blumen nur noch eingeschränkt besprengt werden. Auch auf Baustellen solle das Wasser «sehr sparsam» verwendet werden. Verboten ist per sofort das Auffüllen privater Schwimmbäder, das Waschen von «Fahrzeugen aller Art» sowie die Entnahme von Wasser aus Hydranten. Letzteres Verbot gilt wohl hauptsächlich für Landwirte, die sich ausserdem noch weitere Einschränkungen hinnehmen müssen. So verbietet der Gemeinderat auch das Füllen von Jauchegruben und Güllefässern sowie das Bewässern der Felder. In der Mitteilung wird darauf hingewiesen, dass Zuwiderhandlungen mit einer Busse von bis zu 200 Franken bestraft werden können.

Ist der Wassermangel in Bergdietikon derart alarmierend? «Die Situation ist noch nicht prekär, aber wir wollen die Einwohner frühzeitig auf den Mangel hinweisen», sagt Bergdietikons Gemeindeschreiber Patrick Geissmann. Die Verfügung gelte vorerst für drei Wochen oder bis es ein, zwei ergiebige Regentage gegeben habe. Die Gemeinde selbst geht mit gutem Beispiel voran. So stellt sie laut Geissmann gewisse Brunnen auf ihrem Gebiet gänzlich ab; solche an Wanderwegen werden minimal mit Wasser versorgt.

Kein Engpass bei den Anderen

Wie eine Nachfrage bei den Brunnenmeistern im Limmattal ergeben hat, steht Bergdietikon mit den ergriffenen Massnahmen alleine da. Zwar beobachten sämtliche Gemeinden einen deutlich höheren Wasserverbrauch, der teilweise doppelt so hoch ist wie im Vorjahr. Trotzdem besteht kein akuter Mangel und deshalb auch kein Anlass, um den Verbrauch per Verfügung einzuschränken.

«Der Grundwasserspiegel müsste um zwei Meter sinken, damit wir ein Versorgungsproblem hätten», sagt etwa Josef Egloff, Werkmeister von Oberengstringen, das denselben Grundwasserstrom anzapft wie die Stadt Zürich. Derzeit liege der Spiegel aber lediglich zehn Zentimeter unter dem normalen Wert. Auch Dietikon hat laut Werner von Holzen, Leiter Gas- und Wasserversorgung, keinen Wasserengpass. Dies, obwohl die Stadt mit täglich 9 Millionen Litern Wasser momentan rund 50 Prozent mehr verbraucht, als im letzten Jahr (die Limmattaler Zeitung berichtete). «Ein Vergleich mit Bergdietikon ist aber ohnehin schwierig, da wir ein ausreichend grosses Grundwasservorkommen haben», sagt von Holzen.

Bauern haben eigene Quelle

Dieses reicht sogar noch aus, um die Nachbarschaft zu beliefern. Etwa die in einem Verbund zusammengeschlossenen Gemeinden Oetwil, Geroldswil und Weiningen. Laut Pietro Paladino, Abteilungsleiter Bau und Werke in Geroldswil, dürfe der Verbund derzeit zwar ab einer gewissen Tageszeit kein Dietiker Grundwasser mehr abpumpen. «Wir müssen den Wasserverbrauch aber trotzdem nicht einschränken.» Zur Entschärfung trage bei, dass es in den drei Gemeinden kaum Landwirtschaft und vor allem keine grossen Gemüsebauern gebe. Auch in Bergdietikon dürften die Bauern nicht die Hauptverursacher des kommunalen Wassermangels sein. «Die Bauernhöfe haben alle eine eigene Quelle», sagt Bauer und Mostkönig Fredy Boll, der im Weiler Gwinden einen Hof besitzt. Auch das zu Bergdietikon gehörende Gwinden hängt laut Boll nicht am Wassernetz der Gemeinde, sondern verfügt über eine eigene Quelle, mit der auch der Dorfbrunnen gespeist werde. «Und der läuft hier Tag und Nacht.»