Stück für Stück wurde die Orgel der reformierten Kirche Schlieren in den letzten Wochen aus dem Orgelgraben herausgehoben und in die Werkstatt der Dietiker Firma Metzler Orgelbau transportiert. Dort wird das 1935 eingebaute Kircheninstrument in den nächsten vier Monaten totalsaniert, bevor sie im Juni wieder ihren Dienst als musikalische Begleitung antreten kann.

Während des Abbaus liegen Tasten und Griffe verteilt auf Kirchenbänken. «Diapason» steht auf einem Griff, «Zungen ab» auf einem der Fusspedale. Erst jetzt, da die unzähligen Hebel abgeschraubt und ausgebreitet sind, wird dem Laien die Herausforderung eines Organisten bewusst, der für all diese schliesslich auch nur zehn Finger und zwei Füsse zur Verfügung hat.

Sanierung war nötig

«Die Materialien der Orgel wie Leder, Filz und Holz haben während der letzten 80 Jahre stark unter den ungünstigen klimatischen Verhältnissen des Orgelgrabens gelitten», erklärt Jean-Claude Perrin, Liegenschaftsverantwortlicher der Kirchenpflege. Die Bodenvertiefung hinter dem Chor, in der die Orgel eingebettet war, habe die nötige Luftzirkulation verhindert. Bis zum Wiederaufbau im Frühsommer wird der Boden deshalb auf die Höhe des Chors angehoben.

Ein neues Steuerungssystem, das Temperatur und Feuchtigkeit misst, kann die Kirchenfenster in Zukunft automatisch öffnen und schliessen. «Die optimale Temperatur für eine Orgel liegt bei etwa 17 Grad, die Luftfeuchtigkeit bei über 40%», sagt Perrin.

Der Lüftungs-Motor der Schlieremer Kirchenorgel wird abtransportiert. Nach der Sanierung kann derselbe Motor erneut verwendet werden.

Der Lüftungs-Motor der Schlieremer Kirchenorgel wird abtransportiert. Nach der Sanierung kann derselbe Motor erneut verwendet werden.

Als eine der ersten Kirchenorgeln funktionierte die Schlieremer Orgel elektrisch. Nach ihrer Verjüngungskur wird sie über neues elektronische Hightech verfügen, wie es inzwischen in vielen modernen Kirchenorgeln steckt.

Die Handwerker, die in den 1930-er Jahren die Orgel in die reformierte Kirche einbauten, hinterliessen originelle Zeitzeugen für die Nachwelt. Beim Abbau der Orgel stiess man auf Backsteine, die als Beschwerung der Blasbälge gedient hatten und in Zeitungspapier der Epoche eingewickelt waren.

«Es geschieht in der Branche öfter, dass Handwerker bei solchen Arbeiten Grüsse an die nachfolgenden Generationen verstecken», sagt Andreas Burri von Metzler Orgelbau.

Klavier statt Orgel

Laut Perrin soll die Kirche auch während der Sanierungsphase wie gewohnt benutzt werden. «In den Monaten ohne Orgel wird ein Klavier den Kirchengesang begleiten», sagt er. Auch an die Ästhetik des Kirchenschiffs muss gedacht werden, sollen doch die Besucher nicht vier Monate lang an eine Baustelle starren müssen.

Perrin hat auch hierzu schon Vorstellungen. So könnten Behälter mit Pflanzen vor den leeren Orgelgraben gestellt werden und den Kirchenveranstaltungen gleichzeitig einen besonderen Schmuck verleihen.