Schlieren soll urbaner werden. In etwa so lässt sich der Tenor der zweiten Ausgabe der Aktivwerkstatt vom Wochenende resümieren. Das Frankfurter Architekturbüro Albert Speer & Partner (AS&P), das mit der Erarbeitung eines neuen Stadtentwicklungskonzepts betraut ist, lud die Bevölkerung zur Präsentation der ersten Ergebnisse. Bei den rund 80 Anwesenden stiessen die Ideen der Planer auf Anklang, wie sich bei der anschliessenden Diskussion zeigte.

«Es geht nicht darum, einige Hochhäuser zu platzieren und ein paar Strassen zu gestalten, sondern darum eine urbane Attitüde zu entwickeln.» So brachte AS&P-Projektleiter Michael Heller die Kernaussage des noch provisorischen Konzepts auf den Punkt. Man wolle der Bevölkerung und der Exekutive die Goldstücke Schlierens aufzeigen, bei deren Planung, Gestaltung und Bebauung besonders viel Potenzial vorhanden sei.

Drei Stadtkerne für Schlieren

Einen Fokus ortet Heller bei der Aufwertung der Zürcher- und Badenerstrasse. Denn durch den Bau der Limmattalbahn ergebe sich hier die Chance, diese Gegend zu einer besseren Adresse zu machen. «Wegen der verschiedenen verkehrstechnischen Massnahmen wird der Verkehr entschleunigt», sagte Heller und verwies darauf, dass es sich lohnen würde, an dieser Stelle den Bau von Wohnraum zu fördern. Die Zürcher- und Badenerstrasse sollen jedoch nicht die einzigen urbanen Stadtstrassen in Schlieren bleiben. Auf der anderen Seite der Gleise sehen Heller und sein Team Potenzial für eine weitere: die Bernstrasse. Ein Votant der ersten Zukunftswerkstatt im September letzten Jahres schlug vor, die Stadt dort aufhören zu lassen: «Dies sehen wir nicht so», sagte Heller und erklärte, warum die Planer dort mehr Urbanität für wünschenswert halten. «Einerseits darf der Zugang zur Limmat nicht abgeschnitten werden und andererseits sollte man die Bernstrasse nicht dem motorisierten Individualverkehr überlassen.» Mit einer umsichtigen Gestaltung könne sie an Urbanität gewinnen und dereinst ähnlich daherkommen wie etwa die Pfingstweidstrasse im Stadtzürcher Kreis 5.

Schlieren verbinden

Zur Urbanisierung beitragen könne auch der Bau von Hochhäusern. «Bei ihnen muss aber nicht nur die Architektur qualitativ hochwertig sein, sondern auch ihre Lage», so Heller. Sie dürften nicht kreuz und quer das Tal hindurch gebaut werden, sondern sollen auch eine Orientierungsfunktion haben. «Schlieren – rechts und links der Bahngleise – kann so visuell näher zusammenrücken.» Superlative werden wahrscheinlich keine auf die Stadt zukommen: «Der Primetower ist gut platziert und wird der Chef im Limmattal bleiben.»

Weiter brachten die AS&P-Planer den Vorschlag, drei Stadtkerne zu gestalten. Dazu eignen würde sich das Gebiet um den Bahnhof, der Kesslerplatz und die Gegend südlich der Gasometerbrücke. An diesen drei Orten biete sich die Möglichkeit, Zentrumsfunktion mit Aufenthaltsqualität zu verbinden.

Bei den präsentierten Ideen handle es sich nicht um konkrete Projekte, die in nächster Zeit umsetzbar seien. «Viel eher sind es Vorschläge, die zuerst reifen müssen und erst in den kommenden Jahrzehnten schrittweise umgesetzt werden könnten», so Heller. Denn: Stets müssten auch die aktuellen Rahmenbedingungen der Stadtentwicklung in Betracht gezogen werden. So könne beispielsweise das Bevölkerungswachstum in ein paar Jahren nicht mehr so stark sein wie heute.

Bevölkerung steht hinter den Planern

Bei den anschliessenden Diskussionen zu den Themen Verkehr, Städtebau, Naherholungsräume und Sonstiges kristallisierte sich einerseits eine breite Zustimmung für die getane Arbeit der Planer heraus, andererseits sorgte ein altbekannter Zankapfel erneut für hitzige Diskussionen: der Stadtsaal. Im Zentrum stand die erst vergangene Woche vom Stadtrat veröffentlichte Machbarkeitsstudie. Diese sieht vor, auf der Westseite des dereinstigen Stadtplatzes einen Saal mit rund 600 Sitzplätzen zu erstellen. Für die einen Diskussionsteilnehmer war dies ein gangbarer Weg, andere sähen an dieser Stelle lieber eine Wiese und schlugen vor, den Stadtsaal anderswo zu realisieren.

Als nächsten Schritt werden die Planer das Feedback der Bevölkerung in das Konzept einfliessen lassen. Mitte dieses Jahres legen sie es dem Stadtrat vor, der es als Grundlage für die Revision der Bau- und Zonenordnung verwenden wird.