In Dietikon rückte die Kantonspolizei am Freitag, 3. März wegen Sachbeschädigung aus. Gegen 24 Uhr meldete jemand, dass unter der Reppischbrücke Hasenbergstrasse zwei Personen die Wand neben dem Eingang zum öffentlichen WC bemalen.
Die Täterin meldete sich nun bei der Schweiz am Wochenende. «Ich weiss, es ist verboten, was ich getan habe. Ich bin selber schuld, dass ich verhaftet wurde. Aber was danach folgte, war völlig übertrieben», sagt die über 30-jährige Mutter aus Dietikon (Name der Redaktion bekannt).

Als die Polizei Meldung erhielt, musste sie reagieren. «Die aufgebotenen Polizisten nahmen die Personen in flagranti fest», bestätigt ein Sprecher der Zürcher Kantonspolizei. Bei der Täterin und ihrem Begleiter klickten die Handschellen und sie wurden auf den Posten gebracht. Bei solchen Personentransporten sind Handschellen aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben. Die Verhaftung verunmöglichte es den beiden arretierten Personen, sich abzusprechen. Den Sachschaden beziffert der Polizeisprecher auf einige tausend Franken.
Als ein Polizist das Handy der Frau nach Indizien auf weitere Sachbeschädigungen durchsuchen wollte, will sie sich gewehrt haben: «Doch er riss mir das Handy aus der Hand und ich musste den Sperrcode sagen.» Sie habe ihm gesagt, dass auf dem Handy Nacktfotos von ihr seien. «Er sagte dann, das sei ihm egal. Und das, obwohl auch eine Polizistin anwesend war, die diese Aufgabe hätte übernehmen können», so die Frau weiter. Diese Vorwürfe treffen nicht zu, sagt hingegen der Polizeisprecher. «Sie war einverstanden, gab den Sperrcode bekannt. Zudem erwähnte sie ‹persönliche Bilder› und nicht Nacktfotos.»

Nach Durchsicht der Handy-Bilder habe der Polizist zudem gesagt, dass sie sich nicht schämen müsse, beteuert die Frau weiter. «Das trifft nicht zu. Sollte sich die Frau aber ungerecht behandelt fühlen, kann sie beim Rechtsdienst der Kantonspolizei eine Beschwerde einreichen», sagt der Polizeisprecher. Er verweist zudem darauf, dass er bei laufenden Ermittlungen nicht zu sehr ins Detail gehen kann. Die Frau überlegt sich hingegen juristische Schritte gegen die Polizei, um sich gegen den angeblichen Sexismus zu wehren.
Weiter durchsuchte die Polizei die Wohnung des Paars. Laut Polizeisprecher ein «Standardprozedere». Der Zweck: Spurensuche nach allfälligen weiteren Sachbeschädigungen. Neben der Handys wurden der Computer des Partners, ein Zeichnungsbuch der Täterin und ihr Rucksack mit Malutensilien konfisziert. Zudem fand die Polizei Marihuana – legales mit tiefem THC- und hohem CBD-Gehalt, sagt die Frau. Dieser Fall liegt jetzt beim Statthalteramt, jener der Sachbeschädigung bei der Staatsanwaltschaft.

«Ich wollte Dietikon verschönern»

Die Frau sagte gegenüber der Polizei, dass sie eine Inhaftierung aufgrund ihres psychischen Zustands nicht aushalte. Der Notfallarzt, der die Hafterstehungsfähigkeit zu prüfen hatte, entschied dann, die Frau zur Psychiatrischen Universitätsklinik (PUK) in Zürich zu bringen. Ab da war es an der PUK zu entscheiden, wann die Frau nach Hause darf. «Erst am Nachmittag des 6. März durfte ich gehen. Alle, denen ich davon erzählt habe, waren geschockt», sagt die Frau. Ausser dem Zeichnungsbuch und dem Rucksack mit Malutensilien habe sie nun alle konfiszierten Gegenstände zurückerhalten. Ihr Partner kam noch am 4. März frei. «Ich wollte doch nur Dietikon verschönern. In den Unterführungen hier gibt es sehr viele unschöne Schmierereien und gesprayte Buchstabenkürzel», sagt die Frau. Dann fügt sie an: «Das Künstlerische ist einfach auch meine seelische Therapie, die ich mir selber verordnet habe.»

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