Ein Mensch, der «im Herzen den rauen Charme und die Bodenständigkeit eines einfachen Chauffeurs bewahrt hat» - so charakterisiert der Autor Christian Hug den Dietiker Transportunternehmer Bruno Planzer. Hunderte Gesprächsstunden hat Hug laut eigenen Angaben mit Bruno Planzer verbracht und niedergeschrieben, bis das Buch «Die selben sieben Laster - Planzer schreibt Geschichte» fertig war.
Ein Buch, das sowohl ein Ende als auch ein weiteres Kapitel in der Geschichte des Familienunternehmens markiert. Bereits 2009 übergab Bruno Planzer das Amt des Verwaltungsratspräsidenten seinem Sohn Nils. Jetzt zieht er sich ganz aus der Firma zurück. Das Buch markiert damit das Ende des aktiven Berufslebens von Bruno Planzer.
Lehrreiche Kindheit
Auf knapp 250 reich bebilderten Seiten hält Bruno Planzer Rückschau auf die 75-jährige Geschichte des von seinem Vater Max senior gegründeten Unternehmens. Zwar 1936 liess dieser die Einmannfirma ins Handelsregister eintragen, die Geschichte begann bereits früher. 1930 machte sich Max senior selbstständig. Mit einem Chevrolet belieferte er seine Kunden in und um Dietikon mit den verschiedensten Waren.
Gleichzeitig wird in diesem ersten Kapitel auch ein Blick auf das Leben im Dietikon der Zwischenkriegszeit bis zum Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit geworfen. Obwohl das Unternehmen relativ gut lief, lernte auch der 1943 geborene Bruno, was es heisst, den Gürtel eng zu schnallen. «In unserem Haus wurde hart gearbeitet, und unser Tisch war zwar nicht reich gedeckt, aber es gab immer etwas zu essen und hin und wieder sogar Fleisch», erinnert er sich. «Schmal durch» mussten Anfang der fünfziger Jahre auch die Kinder des Lehrers und die Kinder von Arbeitern, hält Bruno Planzer fest. Es war aber auch eine lehrreiche Zeit. «Was arbeiten bedeutet, lernten wir Kinder schon früh zu Hause, denn jedes von uns bekam fixe Aufgaben zugeteilt», hält Planzer fest.
Auch in den folgenden Kapiteln, die den Zeitraum von Bruno Planzers Einstieg in das Unternehmen 1966 bis zu seinem Rückzug abdecken, beschränkt sich das Buch nicht nur auf das Nacherzählen der Firmengeschichte. In gesonderten Text- und Bildboxen wird erläutert, wie der Bau des Autobahnnetzes oder die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe zustande kam. Zudem erläutert Bruno Planzer immer wieder, welche gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen sein Unternehmen prägten.
Im Vordergrund steht aber die Geschichte des einstigen Einmann-Unternehmens, das sich in den vergangenen knapp 80 Jahren zu einem der grössten Transportunternehmen der Schweiz entwickelt hat. Heute zählt die Firma 1000 Lastwagen und 3600 Mitarbeiter. Ihr Netzwerk von Filialen und Tochterfirmen spannt sich über die ganze Schweiz.
Zufrieden und glücklich
Detailreich erläutern Planzer und Hug, wie das damals von Bruno und seinem Bruder Max junior geleitete Familienunternehmen durch das Angebot eines Konkurrenten ihn zu übernehmen, Ende der sechziger Jahre seinen Fuhrpark auf einen Schlag verdoppelte. Sie legen dar, wie die Firma als eine der Ersten in der Schweiz, in die damals neue Dienstleistung Logistik investierte und später zusammen mit zwei weitern Transportunternehmen die Stückgut-Abteilung der SBB unter dem Namen Cargo Domizil übernahm.
Ganz in der Vergangenheit bleibt das Buch aber nicht stehen. Auch der neue CEO und Verwaltungsratspräsident der Planzer Transport AG, Nils Planzer, kommt zu Wort. Er erklärt, wohin der Weg des Unternehmens führen wird. So soll die Zusammenarbeit mit der Bahn intensiviert werden.
Für Vater Bruno war es wichtig, dass die Führung der Firma in der Familie bleibt. Deshalb kommt er zum Schluss: «Ich steige zufrieden und glücklich aus dem Ring.»
Christian Hug: «Die selben sieben Laster - Planzer schreibt Geschichte» ist bei Editions à la Carte, Zürich, erschienen. Es kostet 48 Franken.