Ob Mieten wirklich der richtige Weg sei, gab denn auch einiges zu streiten im Parlament. Es falle ihr schwer zu sagen, wie schlimm die Situation sei, ohne Kraftausdrücke zu gebrauchen, sagte Gemeinderätin Rosmarie Joss (SP) am Donnerstagabend im Dietiker Parlament.

Denn man habe es schlicht verpasst, Land sicherzustellen, um darauf ein neues Schulhaus zu bauen. Nun stehe man plötzlich unter extremem Zeitdruck und werde gedrängt, den dringend benötigten Schulraum zu mieten.

Doch im ganzen Kanton gebe es kein anderes Mietschulhaus, so Joss: «Wir befinden uns hier auf hochexperimentellem Gebiet.» Da man zudem weit mehr bezahle, als wenn man ein Schulhaus kaufen oder bauen würde, schaffe man ein Fass ohne Boden. Ihre Fraktion sei zum Schluss gekommen, dass die Miete von Schulraum im Limmattal keine gangbare Option sei, sagte Joss und stellte einen Rückweisungsantrag.

«Absolute Hochrisikostrategie»

Unterstützt wurde sie von Lucas Neff (GP), der sagte, er sei «entsetzt» darüber, dass der Gemeinderat so unter Druck gesetzt werde. «Der Stadtrat hat es verschlafen, im Limmatfeld ein Schulhaus zu planen», so Neff. Seine Partei sage Nein zu diesem unökonomischen Geschäft, denn Miete statt Eigentum sei auf Dauer immer teurer.

Ebenfalls für den Rückweisungsantrag warb Ernst Joss (AL). Er sei überzeugt, dass man zu einer besseren Lösung komme, wenn man nochmals über die Bücher gehe, sagte er.

Rochus Burtscher (SVP) betonte, was die linke Ratsseite vorschlage, sei eine «absolute Hochrisikostrategie». Denn damit stehe man möglicherweise am Schluss mit Nichts da. Sein Fraktionskollege Roger Bachmann (SVP) sagte, es sei billig, das Geschäft an den Stadtrat zurückweisen zu wollen, ohne eine realistische Alternative zu präsentieren. Es gehe letztlich um die Frage, ob man im Limmatfeld in absehbarer Zeit ein Schulhaus wolle oder nicht.

«Das kann doch nicht sein»

Der Rückweisungsantrag wurde schliesslich mit 20 zu 10 Stimmen abgelehnt. Doch auch danach blieb die Diskussion emotional.
Thomas Wirth (EVP) kritisierte, dass der Stadtrat dem Gemeinderat keine andere Option gebe. Das fand auch sein Fraktionskollege Werner Synnatschke: «Es kann doch nicht sein, dass die Stadt Dietikon nur diese einzige Möglichkeit hat, zu einem Schulhaus zu kommen», sagte er.

Martin Romer (FDP) betonte, es fehle schlicht die Möglichkeit sowie die Zeit und das Geld, Land für ein Schulhaus zu kaufen. Daher sei die vom Stadtrat angestrebte Lösung für die FDP gangbar.

Es liege nun eine Lösung vor, die vom Volk unter grossem Zeitdruck und ohne Alternative zu genehmigen sei, erklärte Max Wiederkehr (CVP). Dieses Vorgehen sei eigentlich nicht zu billigen. Man müsse nun aber «der Not gehorchend in den sauren Apfel beissen».

Sachlichkeit über Ego stellen

Schulpräsident Jean-Pierre Balbiani (SVP) forderte die Gemeinderäte auf, die Sachlichkeit über ihr Ego zu stellen und sich auf das Geschäft zu konzentrieren, statt sich über den Zeitdruck zu beklagen. «Ob das Ganze verschlafen worden ist oder nicht, spielt heute keine Rolle. Wir brauchen einfach diesen Schulraum», sagte er. Er bat die Gemeinderäte inständig, den Dietiker Familien «nicht in den Rücken zu schiessen» und dem Geschäft zuzustimmen.

Sein Wunsch wurde erhört: Mit 17 zu 11 Stimmen genehmigte das Parlament das Geschäft schliesslich nach langer Diskussion. Doch das letzte Wort wird das Stimmvolk am 25. November an der Urne haben.

Kosten wird die Miete für das neue Schulhaus an der Heimstrasse knapp 1,3 Millionen Franken pro Jahr. Dazu kommt ein einmaliger Betrag für die Einrichtung von knapp 2 Millionen Franken.

Gemäss einer Studie der Immobilienberatungsfirma Wüest und Partner und Berechnungen der Schulabteilung hat Dietikon bis im Jahr 2015 einen Mehrbedarf von etwa 10 Schulzimmern, bis im Jahr 2020 müssten es sogar bis zu 25 Schulzimmer sein.

Bildlegende: So soll das Gebäude im Quartier Limmatfeld aussehen, in dem sich die Schule einmieten will. Visualisierung